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Schreck auf dem Friedhofsparkplatz

Im Fall eines mutmaßlichen Betrügers und Autoknackers sollte es längst ein Urteil geben. Aber es gibt neue Vorwürfe.

Mehrere Autoeinbrüche soll ein Riesaer begangen haben. Er leugnet dies. Drei Fälle können ihm bisher nachgewiesen werden.
Mehrere Autoeinbrüche soll ein Riesaer begangen haben. Er leugnet dies. Drei Fälle können ihm bisher nachgewiesen werden. ©  Claudia Hübschmann

Dresden/Riesa. Der 86-jährige Riesaer parkt sein Auto am Friedhof, möchte Blumen ans Grab seiner Frau bringen. Nach ungefähr 20 Minuten kehrt er zurück. Als er gerade in sein Auto einsteigen will, macht ihn ein Mann darauf aufmerksam, dass eine hintere Seitenscheibe seines Wagens eingeschlagen ist. Das hatte der alte Mann bis dahin noch gar nicht bemerkt. Und jetzt sieht er auch, dass etwas fehlt. Nämlich eine Handgelenktasche, die auf dem Rücksitz lag. In dieser befanden sich ein E-Book, welches ihm seine Tochter geschenkt hatte, und ein bisschen Kleingeld für Parkautomaten, höchstens drei Euro. Die Tasche hatte er nur im Auto liegen, weil ein Trageriemen kaputt war. Den wollte er in der Garage reparieren.

Was der Rentner zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Der Mann, der ihn ansprach, ist ein Kriminalist. Er ist privat unterwegs, hat an einer Baustellenampel mit seinem Fahrzeug halten müssen. Da sieht er, dass sich ein Mann mit einem Fahrrad schnell vom Friedhofsparkplatz entfernt. Das Gesicht kommt ihm bekannt vor. Denn dieser Mann wird von der Polizei gesucht. Er wird verdächtigt, mehrere Einbrüche in Auto in Riesa begangen zu haben.

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Parkplätze an Friedhöfen, aber auch an Einkaufszentren und Veranstaltungsorten wie der Sachsenarena waren dabei die Tatorte. „Ich hatte zwar mit den Fällen nichts zu tun, wir waren aber alle gebrieft“, sagt er. Der Kriminalist hat einen Verdacht, biegt auf den Friedhofsparkplatz ab. Und landet einen Treffer. Auch hier hatte der Täter offensichtlich im wahrsten Sinne des Wortes zugeschlagen. Gestellt werden kann er an diesem Tag nicht. Mit seinem Fahrrad ist er längst über Schleichwege verschwunden.

Am Landgericht Dresden sitzt nun seit April ein 48-jähriger Riesaer als Tatverdächtiger vor Gericht. Mehr als 35 Taten wirft ihm die Staatsanwältin vor. Er soll vor allem in Autos eingebrochen sein, Wertsachen daraus gestohlen haben und dann mithilfe der EC-Karten Geld abgehoben oder dies versucht haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, in mehreren Fällen mit den erbeuteten Kontodaten Geld auf sein eigenes und auf das Konto seines Sohnes, für das er verfügungsberechtigt ist, überwiesen zu haben. 

Manchmal klappte das, in den meisten Fällen aber nicht. Da war entweder das Konto nicht gedeckt, oder die Beträge wurden von der Bank auf Antrag der Geschädigten rechtzeitig zurückgebucht. Mehr als 40 derartige Autoeinbrüche gab es im Herbst vergangenen Jahres in Riesa. Nur ein kleiner Teil davon ist angeklagt, die anderen können ihm nicht sicher zugeordnet werden. 

Am 4. Mai sollte es ursprünglich ein Urteil geben. Doch das verzögert sich, denn die Staatsanwaltschaft erhob eine Nachtragsanklage. Nun wird auch der anfangs geschilderte Fall mit verhandelt. Und es wird wohl noch länger dauern. Der Angeklagte gibt zwar die Betrügereien und Betrugsversuche zu, die Autoeinbrüche leugnet er jedoch, gibt an, die EC-Karten gefunden zu haben. 

Und so hat das Gericht ein Gutachten beim Landeskriminalamt in Auftrag gegeben. Das LKA hat Glassplitter, die sich am Rucksack, einem T-Shirt und an Handschuhen des Mannes befanden, mit Glasspuren der geknackten Autos verglichen. In drei Fällen deuten die Glassplitter darauf hin, dass sie von den angegriffenen Autos stammen, in elf Fällen war ein Nachweis bisher nicht möglich. 

Das Gericht hat nun ein neues Gutachten in Auftrag gegeben. Die Spuren sollen mit Vergleichsmaterial mit Glas aus gleichartigen Autos abgeglichen werden. Ein Urteil könnte es Anfang Juni geben. Seit seiner Festnahme im Oktober vorigen Jahres sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

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