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Nach dem Schlaganfall zurück ins Leben

Nach der Erkrankung ist Hans Brucksch auf Hilfe angewiesen. Die Lebensfreude verliert der 90-Jährige nicht. Wie ihm das Schreiben half und was dabei entstand.

Der 90-Jährige freut sich, dass seine Erinnerungen nun gebündelt in einer Chronik aufgeschrieben sind. Eine bekam die Kirche.
Der 90-Jährige freut sich, dass seine Erinnerungen nun gebündelt in einer Chronik aufgeschrieben sind. Eine bekam die Kirche. © Constanze Junghanß

Das Schreiben sei eine Art Therapie gewesen, erzählt Hans Brucksch beim Plausch auf der Gartenbank. Die Bank steht vor seinem Haus an einer kleinen Nebenstraße im Dorf. Am liebsten sitzt Hans Brucksch da und genießt die Frühsommerluft. „Jeder Sonnenstrahl wird genutzt“, sagt er. Gesellschaft bekommt der Rentner von einem zutraulichen Huhn, welches erst zwischen seinen Beinen, später im Hausflur herum wuselt. Eine zahme Haushenne. Vor Fremden hat das Huhn Angst und verschwindet gackernd Richtung Wiese. Hans Brucksch sagt lachend: „Ist das Leben nicht schön?“

Dabei sah es vor drei Jahren nicht besonders rosig für den Königshainer aus. Der 90-Jährige erlitt 2017 einen Schlaganfall. Ein schwerer Schock für den Mann, der Zeit seines Lebens immer in der Natur unterwegs war. Nun ist er ein Pflegefall, kann nur einige wenige Schritte mit dem Rollator machen. „Meine Schreibhand war fast vollständig gelähmt“, sagt er. Dabei hatte sich Brucksch noch so viel vorgenommen. Vor allem sollte eine Erinnerungschronik über sein Leben entstehen. Mit neun Jahrzehnten Lebenserfahrung gibt es schließlich Vieles, was für die Nachwelt erhalten werden könnte.

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Gedanke an Lebenstraum trieb ihn an

Hans Brucksch schrieb schon immer gern Tagebuch. Nach dem Schlaganfall und um die Hand wieder etwas beweglicher zu machen, übte er eisern den Umgang mit Stift und Zettel. „Am Anfang konnte ich nicht mal mehr meinen Namen notieren“, erinnert er sich an die schwere Zeit zurück. Doch fleißiges Trainieren der Hand und die Hoffnung, seinen Lebenstraum einer privaten Chronik zu verwirklichen, waren eine Art „Zugpferd“ für den Senioren. Und so schaffte Hans Brucksch, was er sich vorgenommen hatte: Seine Chronik mit dem Namen „Eigene Erinnerungen“ entstand. Große Hilfe dabei gab es von einer ehemaligen Nachbarin, die heute in Belgien lebt und immer mal wieder nach Königshain zu Besuch kommt.

„Sie hat alles am Computer aufgeschrieben und für mich ausgedruckt“, sagt er. Eine Chronik bekam der Königshainer Pfarrer – als Erhalt für die Nachwelt. 20 DIN-A4-Seiten sind es geworden – zusammengefasst in einem Heft, bebildert mit Fotos aus dem Familienalbum. Von der Geburt in Breslau, „in einer kalten und finsteren Wohnung“, erzählt Hans Brucksch, von Kriegszeiten und Vertreibung, seiner späteren Arbeit erst als Kutscher in Bad Muskau, später nach dem Krieg bei der Grenzpolizei in Ostritz und Görlitz und ab 1960 als Traktorist der MTS Königshain. Von seinem besonderen Hobby berichtet Brucksch auch: 1965 baute er ein Erdhaus-Gewächshaus.

Das zahme Haushuhn ist immer mit dabei, wenn Hans Brucksch auf seiner Gartenbank in Königshain sitzt.
Das zahme Haushuhn ist immer mit dabei, wenn Hans Brucksch auf seiner Gartenbank in Königshain sitzt. © Constanze Junghanß

Das Gerüst für die ungewöhnliche Konstruktion fertigte der Dorfschmied aus Kleinbahnschienen vom Königshainer Granitsteinbruch. Im Erdhaus wachsen noch heute Orchideen – darunter seltene Sorten wie die blaue Vanda. Seine Liebe zum Rhododendron-Garten am Barockschloss hat er nicht auf Papier verewigt. Er gehörte nach der Wende zu den Ehrenamtlichen, die etwa 100 Rhododendren aus dem Privatgarten eines Görlitzer Friseurmeisters auf der Königshainer Straße ausgruben und in den Schlossgarten verpflanzten.

Grundstück an der Landeskrone musste geräumt werden

„Das Görlitzer Grundstück an der Landeskrone war Pachtland und musste geräumt werden“, erinnert er sich. Zur Rhododendronblüte im Mai kommen jedes Jahr viele Besucher zum Barockschloss, um das Farbspektakel zu bestaunen. Doch kaum jemand weiß heute, dass die Gehölze ursprünglich in der Neißestadt beheimatet waren.

Hans Brucksch ist trotz gesundheitlicher Einschränkungen zufrieden und glücklich. Ein spannendes Leben habe er gehabt. Dankbar ist er seiner Tochter Gabriele, die ihn liebevoll pflegt. Und es sind die „kleinen Dinge“, die ihm weiter Vergnügen bereiten: „Ich freue mich über jeden Schwatz, über jeden Vogel der singt, über jede Biene, die summt und über jede Blume, die blüht“, sagt er. Mehr brauche man nicht, um glücklich zu sein.

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