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Schub für die Stromer

Elektroautos fristen im Landkreis ein Schattendasein. Eine fast fünfstellige Förderung hat aber eine zündende Wirkung.

Enso-Kommunal-Chef Gunnar Schneider, Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (rechts) an der neuen Ladesäule: In weniger als 15 Minuten 100 Kilometer tanken.
Enso-Kommunal-Chef Gunnar Schneider, Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (rechts) an der neuen Ladesäule: In weniger als 15 Minuten 100 Kilometer tanken. © Daniel Schäfer

Ob Tesla Modell 3, Renault Zoe oder Nissan Leaf - auf den Straßen des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind rein elektrisch betriebene Autos eine kleine Minderheit. Zu groß ist offenbar die Skepsis der potenziellen Käufer, zu begrenzt das Angebot und zu klein der wirtschaftliche Vorteil im Vergleich zu anderen Antriebstechniken. Selbst Experten empfehlen für den ländlichen Bereich mit seinen Pendlern eher Hybridfahrzeuge, die eine deutlich höhere Reichweite als die reinen Stromer haben. Nach Angaben des Landratsamtes in Pirna sind derzeit 250 Elektroautos im Landkreis unterwegs, hinzu kommen noch einmal etwas mehr als 1.800 Hybride, die sowohl über einen Verbrennungsmotor als auch über Elektromotoren verfügen. Macht insgesamt 1,44 Prozent des Pkw-Bestandes zwischen Altenberg und Sebnitz aus.

Doch das Bild wandelt sich langsam. Zwar sagt auch Daniel Liliensiek, Chef des gleichnamigen Dippoldiswalder VW-Autohauses, dass im ländlichen Raum die Zurückhaltung mit Blick auf die E-Autos etwas größer sei. Aber: "Die Nachfrage steigt deutlich an." Einen großen Anteil daran habe die Erhöhung der staatlichen Förderung im Rahmen des Konjunkturpaketes, mit dem die negativen wirtschaftlichen Folgen von Corona abgemildert werden sollen.

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Wer heute ein E-Auto kauft, bekommt vom Staat und dem Hersteller zusammen knapp 9.500 Euro Nachlass auf den Listenpreis. Im Jahresvergleich habe sich der Absatz - wenn auch auf niedrigem Niveau - verfünffacht, so Liliensiek. Dabei ist der neue Hoffnungsträger aus dem Hause VW, der ID.3, noch gar nicht zu haben. Offizielle Markteinführung ist Ende September. Doch die ersten Reservierungen liegen bereits auch aus dem Landkreis vor. 

Allerdings hat VW das Einsteigermodell mit einem Preis von ca. 30.000 Euro noch nicht im Angebot, sondern nur teurere Varianten. Somit müssen Kunden immer noch mit einem Preis von knapp 28.000 Euro rechnen, wobei die Förderung bereits berücksichtigt ist. Liliensiek empfiehlt aber selbst privaten Interessenten keinen Kauf, sondern ein Leasing-Modell, um sich gegen das Risiko abzusichern, dass der Wagenwert mit der Zeit schneller schrumpft als erwartet. Mit dem Akku habe das aber nichts zu tun - dafür gibt VW acht Jahre Garantie. 

Eine ebenfalls stark steigende Nachfrage beobachtet Liliensiek bei Hybrid-Fahrzeugen. Diese seien durch den Steuervorteil für Unternehmen besonders attraktiv. "In bestimmten Modellreihen verkaufen wir mittlerweile mehr als die Hälfte der Fahrzeuge als Plugin-Hybrid, so wie etwa beim Passat-Kombi, der als Dienstwagen beliebt ist", sagt er. Bei Audi sei der ebenso nach dieser Art motorisierte Q5 TFSI e ein Verkaufsschlager.

Über unerwartet hohe Nachfrage freut sich auch Sören Schwarte, Marketingchef beim Görlitzer Autohaus Büchner mit Standorten in Neustadt und in der Lausitz. Büchner hat sich unter anderem auf Renault spezialisiert. "Aufgrund von Corona sind wir mit den Absatzprognosen im ersten Halbjahr vorsichtig rangegangen", sagt Schwarte. Doch seit Ende des Lockdowns gehe die Nachfrage wieder hoch und wesentlich stärker in Richtung E-Mobilität als vor einem Jahr. "Obwohl es bei uns demografisch und von der Infrastruktur her anders aussieht als in Dresden und den anderen Ballungsräumen." 

Neben der staatlichen Förderung sieht Schwarte auch in der zehnjährigen Steuerbefreiung von Elektroautos eine Triebfeder, die jetzt Käufer umdenken lässt. Renault ist mit dem Modell Zoe im E-Segment erfolgreich. Die erhöhte Förderung drückt den Einstiegspreis auf weniger als 11.000 Euro. Hinzu kommt noch eine monatliche Miete von 75 Euro für die Batterie, wenn man deren Kauf scheut. Positiv sei, so Schwarte, dass Renault in der Lage sei, vergleichsweise schnell zu liefern. Zum Teil liegt die Wartezeit unter drei Monaten.  

© SZ Grafik

Die Infrastruktur, sprich das Netz an Ladesäulen, ist aber in der Tat für viele ein Gegenargument gegen die E-Mobilität. "Das ist eine typische Henne-Ei-Diskussion", findet Claudia Kuba, Sprecherin der Energie Sachsen Ost AG. Sprich: Gibt es erst dann mehr E-Autos, wenn mehr Ladesäulen entstehen, oder müssen erst mal die Zulassungszahlen steigen, damit es sich lohnt, mehr E-Tankstellen zu bauen? Die Enso jedenfalls beteiligt sich an der Erweiterung des Netzes und hat am Mittwoch eine weitere Schnellladesäule in Betrieb genommen, und zwar in der Schützenhausstraße 1 in Stolpen. Sie  verfügt über drei Ladepunkte à 22, 50 und 150 Kilowatt.  "Ein Audi e-tron braucht an den 150-kW-Ladepunkten etwa acht Minuten, um eine Reichweite von 100 Kilometern aufzuladen. Beim neuen ID.3 von Volkswagen sind es für die gleiche Strecke etwa zwölf Minuten", sagt Kuba. 

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Damit gibt es nach Angaben der Bundesnetzagentur bereits 30 Ladesäulen im Landkreis. Die Enso hat weitere Pläne: bis 2025 will sie in Ostsachsen je nach Bedarf auf bis zu 200 Ladesäulen kommen. Aber nicht nur die Enerieversorger investieren. Auf dem Firmengelände von Liliensiek in Dippoldiswalde etwa wird in den nächsten Wochen auch eine Stromtankstelle eingerichtet.

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