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Schuberts Winterreise führt in die Romantik

Kurz begrüßt Kantor René Michael Röder die zahlreichen Gäste, bevor er das Wort an Hagen Kunze übergibt. Er ist Pressesprecher des Europabüros Dr. Lutz Goepel in Döbeln und in dieser Funktion auf die...

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Von Claudia Erbert

Kurz begrüßt Kantor René Michael Röder die zahlreichen Gäste, bevor er das Wort an Hagen Kunze übergibt. Er ist Pressesprecher des Europabüros Dr. Lutz Goepel in Döbeln und in dieser Funktion auf die europäischen Abende aufmerksam geworden: „Als wir davon hörten, dass hier kulinarisch und musikalisch Europa erkundet wird, wollten wir uns beteiligen“, erklärt Kunze. „Aber keine Angst, es geht heute um Kultur, nicht um Politik!“

Lebensgefühl der Romantik

Der studierte Musikwissenschaftler übernimmt die Einführung in die Geschichte österreichischer Musik und in Schuberts „Winterreise“ im speziellen. Schnell wird dem Publikum klar, dass Hagen Kunze sich mit dem Thema auskennt: Er beschreibt das Lebensgefühl der Romantiker. Die Winterreise ist ein Zyklus von 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert im Herbst 1827 vollendete. Die Texte stammen von Wilhelm Müller.

„Stellen sie sich einen 26-jährigen Mann vor, der mit der Welt eigentlich schon fertig ist, sich als Fremdling fühlt“, erklärt Kunze die Stimmung. „Seine Angebetete hat ihn für einen anderen verlassen. Vielleicht hätte er gemerkt, dass sie eine dumme Kuh ist und wäre gegangen - aber das wäre ja Expressionismus“, scherzt Kunze zur Freude des Publikums. „In der Romantik ertränkt er sich im Bach.“

Mit dieser Grundstimmung führt Kunze das Publikum an das Thema der Winterreise, einen Mann auf der Reise in die Abgründe seiner Seele, versunken in Selbstmitleid und Weltschmerz.

Starke Stimmungsgegensätze

Mehrfach setzt sich Kunze ans Klavier und spielt kurze Passagen: Das wohl bekannteste Lied aus dem Zyklus ist der Lindenbaum „Am Brunnen vor dem Tore“: „Hier bietet sich dem Wanderer zum ersten Mal die Möglichkeit zum Selbstmord, er könnte Ruhe unter dem Baum finden“, erklärt Kunze dem erschrockenem Publikum. So hatte das Volkslied bisher keiner verstanden.

Um das Hauptwerk des Abends nicht zu stören, beginnt es erst nach dem Läuten und einer Stärkung mit typisch österreichischen Gerichten. Erst dann interpretieren Bassbariton Johannes Schmidt und Pianistin Antje Hebenstreit die „Winterreise“, sorgen für Gänsehaut, Konzentration und lassen die Gäste alles ringsum vergessen und in die Stimmung eintauchen.

Nächstes Mal: England

Trotz Vorwarnung fällt es nicht leicht, dann nahtlos in den Alltag überzugehen. Viele nutzen die Gelegenheit zu anschließenden Gesprächen.

Ob der nächste europäische Abend wieder so ergreifend wird, wird sich erweisen. Das Thema steht allerdings schon fest: „Beim nächste Mal wird es um England gehen“, verrät Kantor René Michael Röder. Die Besucher freuen sich schon auf die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe.