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Schüler arbeiten heute für Mazedonien

Bautzen. Mit dem Geld soll Kindern aus armen Familien erstmals ein Schulbesuch möglichgemacht werden.

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Von Heiko Engel

Nicht nur Bautzener Schüler arbeiten heute für einen guten Zweck (siehe Kasten). Zusammen mit 15 000 anderen Mädchen und Jungen packen sie beim ersten „Sozialen Tag“ in Sachsen mit an. Von der Aktion profitieren Kinder aus armen mazedonischen Familien, denen der Schulbesuch ermöglicht werden soll. Das Prinzip der Aktion ist einfach: Die Schüler vereinbaren einen Arbeitslohn, der auf das Konto der Initiative „Schüler helfen Leben“ überwiesen wird.

Von dem Lohn kommt eine Hälfte dem Projekt in Mazedonien zugute, mit der anderen werden begonnene Vorhaben weiter unterstützt. Und damit auch niemand mogelt, bekommen die Schulleiter schriftlich, dass die Mädchen und Jungen auch tatsächlich zur Arbeit erschienen sind. Organisiert wird der Tag von der Sächsischen Jugendstiftung und „Schüler helfen Leben“. „Viele meiner Freunde arbeiten zuhause, putzen Fenster oder helfen im Garten“, sagt der 17-jährige Matej Zieschwauck aus Dreikretscham. Er besucht das Sorbische Gymnasium in Bautzen und gehört zu den sachsenweit insgesamt 40 Helfern im Organisationsteam für den Sozialen Tag.

Andere Schüler arbeiten für einige Stunden in einer Firma. Der Bautzener Getränke-Großhändler Jan Nuck zum Beispiel beschäftigt vier Schüler. „Sie sortieren Leergut und Kästen“, sagt der Unternehmer. „Betriebe haben eine soziale Verantwortung.“ Denn Nuck hat den Arbeitsablauf so organisiert, dass er die Schüler eigentlich nicht braucht. Aber beim Sozialen Tag zählt etwas anderes: „Das ist eine gute Sache, da will ich ihnen helfen“, sagt Jan Nuck.

Auch andere Bautzener Firmen unterstützen die Aktion. Allein am Schiller-Gymnasium beteiligen sich 60 Jugendliche so Deutschlehrerin Marion Karbe. Sie tragen Prospekte aus, archivieren Planungsunterlagen, helfen beim Mauern oder in einem Bekleidungsgeschäft. Ab fünf Euro und mehr die Stunde bekommen die Schüler, so Karbe. In der Gesundbrunnen-Mittelschule machen 70 Mädchen und Jungen beim Sozialen Tag mit, aus der evangelischen Mittelschule in Gaußig schwärmen 156 Schüler aus.

Ins Leben gerufen wurde der Soziale Tag 1998 in Schleswig-Holstein von der Schülerinitiative „Schüler helfen Leben“. Der Bau eines Jugendbegegnungshauses in Sarajewo war das erste Vorhaben des Vereins, 35 000 Schüler erarbeiteten das dafür notwendige Geld. Seither sind Projekte in Bosnien, Serbien, Rumänien und im Kosovo unterstützt worden.