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Schüler forschen in Meinsberger Labor

Zwei Harthaer Gymnasiasten absolvieren am Kurt-Schwabe-Institut ein Praktikum. Das ist Bestandteil eines neuen Projektes.

Der Harthaer Gymnasiast Tim Fichtner hat während der Ferien ein Praktikum am Forschungsinstitut absolviert.
Der Harthaer Gymnasiast Tim Fichtner hat während der Ferien ein Praktikum am Forschungsinstitut absolviert. © Frank Korn

Hartha/Meinsberg. Seine Lieblingsfächer in der Schule sind Mathematik und Physik. Dennoch lernt der Harthaer Gymnasiast Tim Fichtner in diesen Tagen ganz viel über biologische Zusammenhänge.

Tim Fichtner absolviert derzeit ein Praktikum am Kurt-Schwabe-Institut (KSI) Meinsberg. Dieses ist Bestandteil eines Projektes, bei dem das Martin-Luther-Gymnasium und die Pestalozzi-Oberschule Hartha, das KSI und die Stadt Hartha zusammenarbeiten. Die Stadt hatte sich am Wettbewerb Simul+ „Ideen für den ländlichen Raum“ beteiligt und dafür ein Preisgeld in Höhe von 300.000 Euro bekommen (Sächsische.de berichtete).

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Schüler bekommen praktische Tipps

Tim Fichtner wollte sein Praktikum am KSI schon während des abgelaufenen Schuljahres absolvieren, doch das wurde durch die Corona-Pandemie zunächst verhindert. So hat er zwar einen Teil seiner Ferien dafür geopfert, bedauert dies aber keineswegs. Unter der Anleitung von Dr. Christine Schirmer hat der 16-Jährige Hefezellen gezüchtet und deren Wachstum unter bestimmten Bedingungen beobachtet. „Das Wachstum der Zellen ist eine biologische Angelegenheit. Die Auswertung des Experiments hat aber viel mit Physik und Mathematik zu tun“, sagt die Naturwissenschaftlerin. Und auch Tim ist begeistert. „Ich habe hier sehr viel gelernt“, sagt er.

Wie Tim Fichtner hat auch Robert Arnold ein Praktikum am KSI absolviert. Er ist von den technischen Möglichkeiten am Institut begeistert. „Ich habe an der Schule vom Rasterelektronenmikroskop gehört. Hier hatte ich die Gelegenheit, damit zu arbeiten“, erzählt Robert. Und er hat auch ganz praktische Tipps vermittelt bekommen. „Ich habe viel über den Umgang mit dem Excel-Programm gelernt“, so Arnold.

Projekt soll Schranken überwinden

KSI-Institutsleiter Prof. Dr. Michael Mertig lobt die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen. „Die Schüler bekommen eine kleine Forschungsaufgabe, die sie gemeinsam mit einem Betreuer lösen. Gleichzeitig bekommen sie die Möglichkeit, das Institut kennenzulernen“, so Mertig.

Nach Auffassung von Mertig dient das Projekt dazu, Schranken zu überwinden. „Es kommen Leute zusammen, die sonst nicht miteinander reden“, sagt der Institutsleiter. So ganz nebenbei klären sich für die Jugendlichen ganz profane Fragen: Was macht ein Wissenschaftler? Wie oft sitzt er am Schreibtisch? Wie oft ist er im Labor? Für die beiden Gymnasiasten hatte das Praktikum zumindest einen kleinen Vorteil. „Die Schule beginnt 7.30 Uhr, hier am Institut ging es für uns 8 Uhr los“, sagt Robert Arnold mit einem Schmunzeln.

Innovativer Ansatz zur Nachwuchsförderung

Kommune, Gymnasium und Oberschule sowie das Institut in Meinsberg verfolgen mit dem Projekt einen innovativen Ansatz zur Nachwuchsförderung in der ländlichen Region. Untergliedert ist die Zusammenarbeit in drei Kategorien. So ist geplant, einen speziellen Wahlgrundkurs für naturwissenschaftlich besonders interessierte Schüler aufzubauen. Dazu werden in enger fachlicher Abstimmung zwischen den Fachlehrern beider Schulen und wissenschaftlichen Mitarbeitern des KSI Inhalte aus der aktuellen Forschung in den Wahlgrundkurs MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) eingearbeitet.

Der zweite Maßnahmenblock befasst sich mit der Weiterentwicklung des sogenannten Schilf-Konzeptes. Damit ist die schulinterne Lehrerfortbildung gemeint. Um das Interesse der Schüler an Naturwissenschaften zu wecken und die Inhalte des Fachunterrichtes, insbesondere Physik, Chemie und Biologie, mit aktuellen Forschungsinhalten zu beleben, ist eine gezielte Weiterbildung der Lehrer vorgesehen.

Schließlich soll das Projekt auch für die Berufsberatung und Studienvorbereitung einen Vorteil bringen. Zum einen für die Schüler, die bereits ab der 8. Klasse Ausbildungswege aufgezeigt bekommen sollen. Damit soll es ihnen ermöglicht werden, später einmal in interessanten technischen Berufen in Unternehmen der Region tätig zu werden.

Gymnasium und Oberschhule Hartha, Stadt Hartha und das Kurt-Schwabe-Institut Meinsberg arbeiten im Projekt Simul+ zusammen. Von links: Bürgermeister Ronald Kunze, Dr. Christine Schirmer, die Gymnasiasten Tim Fichtner und Robert Arnold, Dr. Wolfgang Fichtn
Gymnasium und Oberschhule Hartha, Stadt Hartha und das Kurt-Schwabe-Institut Meinsberg arbeiten im Projekt Simul+ zusammen. Von links: Bürgermeister Ronald Kunze, Dr. Christine Schirmer, die Gymnasiasten Tim Fichtner und Robert Arnold, Dr. Wolfgang Fichtn © Frank Korn

Regionale Firmen bekunden Interesse

Doch nicht nur für die Schulen und ihre Schüler soll die Zusammenarbeit Früchte tragen. „Das Projekt soll eine Ausstrahlung haben. Das Institut könnte die jungen Leute während des Studiums begleiten und am Ende des Prozesses lassen sie sich vielleicht für eine Arbeit am Institut gewinnen“, sagt Dr. Wolfgang Fichtner, der ebenfalls in die Betreuung der Schüler eingebunden ist.

Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) sieht die Zusammenarbeit ebenso wie Professor Mertig als langfristige Angelegenheit. „Ich bin von einigen Firmen auf dieses Projekt angesprochen worden“, sagt Kunze. So habe der Harthaer Automobilzulieferer Horizon Global sein Interesse an einer Beteiligung bekundet.

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