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Schüler kämpfen für Sanierung ihres Gymnasiums

Während die Stadt nicht auf die Sorgen von Eltern und Schülern eingeht, verfällt das Gebäude. Was ihnen bleibt, ist der Protest.

Von Marie-Kristin Landes

Von außen betrachtet wirkt das Schulhaus des Plauener Gymnasiums imposant und solide. Doch der Schein in der Kantstraße trügt. Denn im Inneren des Gebäudes fällt nicht nur der Putz von der Decke. Die Sanitäranlagen sind teilweise in einem so katastrophalen Zustand, dass sie gesperrt sind. Elektroleitungen ragen aus der Wand. Hinzu kommen Feuchtigkeit im Dach und ein Bombenschaden, der seit 1946 nicht repariert wurde. Erst vor wenigen Wochen brannte ein Lichtschalter.

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Sie lernen hier gerne: Una Sprenger (l.), Max Nowotnick (M.) und Florian Dießner (r.). Auf Dauer ist der Unterricht im maroden Schulhaus jedoch eine Zumutung. Foto: Steffen Füssel
Sie lernen hier gerne: Una Sprenger (l.), Max Nowotnick (M.) und Florian Dießner (r.). Auf Dauer ist der Unterricht im maroden Schulhaus jedoch eine Zumutung. Foto: Steffen Füssel © steffen füssel, steffen fuessel

„Trotz aller Mängel ist unser Gymnasium eines der besten Dresdens. Die Schüler gewinnen viele Wettbewerbe“, berichtet Schülersprecherin Una Sprenger. „Doch welche Leistungen könnten wir hier erreichen, wenn der Zustand der Schule besser wäre?“, fragt die 16-Jährige kritisch. Trotzdem geht sie gern auf das Plauener Gymnasium und schätzt vor allem den Zusammenhalt. „Wir sind eine Gemeinschaft. Das zeigt sich besonders jetzt während unserer Aktionen“, erklärt die junge Dresdnerin. Diese haben die knapp 30 Mitglieder des Kunstkurses der 12. Klassen sowie des Schülerrates eigenständig geplant. Mithilfe von Briefen und Plakaten wollen die Jugendlichen auf den schlimmen Bauzustand aufmerksam machen. In der letzten Woche organisierten sie eine Menschenkette. Alle 817 Schüler sowie Lehrer nahmen daran teil. Während sie „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Schule nicht“ sangen, hielten ihre Hände symbolisch das Gemäuer fest. Schulleiter Uwe Hofmann war gerührt und stolz.

Doch ob die Schüler mit einem solchen Protest tatsächlich Druck auf die Stadt ausüben können, ist fraglich. Denn der Elternrat setzt sich bereits seit fünf Jahren für die Sanierung des Gymnasiums ein – erfolglos. Schulamt und Stadtrat machten ihnen bisher nur wenig Hoffnung. Für die Sanierung fehlt das Geld. Sie kostet zusammen mit den nötigen Anbauten schätzungsweise rund 20 Millionen Euro. Ausgaben, die die Stadt für die Schule in Plauen bisher nicht vorgesehen hat. Denn auf ihrer Prioritätenliste stand das Gymnasium lange Zeit weit hinten. Selbst wenn sich dies jetzt ändern würde, sei mit einer Fertigstellung der Bauarbeiten nicht vor 2019 zu rechnen. Allein die Planung würde fast zwei Jahre dauern.

Die Eltern macht das wütend. Sie sind sich sicher, dass schon längst die notwendigen bürokratischen Schritte für eine Sanierung in die Wege geleitet sein könnten. Doch die Stadt schien bisher ihre Augen vor den Sicherheitsmängeln zu verschließen. „Als ich 2009 vor dem Stadtrat über den Bombenschaden im Dach sprach, hörten viele zum ersten Mal davon“, erzählt Kreiselternratssprecherin Annett Grundmann, deren Sohn die Schule besucht. Dass sich nach fünf Jahren noch immer nichts verändert hat, macht sie fassungslos. Die 42-Jährige hofft, dass sich mit den Protestaktionen endlich etwas bewegt. Deshalb wird sie die Plauener Eltern und Schüler auch weiter unterstützen, wenn sie heute vom Stadtrat eine Lösung fordern.