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Schüler machen sich fit fürs Internet

Am Tharandter Gymnasium helfen Workshops, sich sicherer in der Netzwelt zu bewegen. Dabei geht es um Grundsätzliches.

Stella (li.) und Nele erstellen im Digi-Camp einen Trickfilm und lernen dabei spielerisch den sicheren Umgang mit dem Smartphone.
Stella (li.) und Nele erstellen im Digi-Camp einen Trickfilm und lernen dabei spielerisch den sicheren Umgang mit dem Smartphone. © Karl-Ludwig Oberthür

Am Anfang wird es noch mal analog. Stella und Nele greifen zu Knete. Schnell wird aus den grünen, gelben, roten und orangefarbenen Blöcken ein Burger mit Fleischklops, Käsescheibe und Salatblatt geformt. Dann greifen die Sechsklässlerinnen zu Handy und Stativ. Der Burger wird gefilmt, verändert, wieder gefilmt. Per App werden die einzelnen Sequenzen arrangiert. Am Ende ist eine kleine Trickfilmsequenz entstanden. "Wir zeigen, wie aus einem ungesunden ein gesunder Burger wird" erklärt Nele.

Die beiden Mädchen wurden vom Tharandter Gymnasium zusammen mit den anderen Schülern der sechsten und siebenten Klasse diese Woche ins Digi-Camp gesteckt. Das Pilotprojekt, eine Workshop-Reihe über drei Tage, wird vom Start-Up BG 3000 angeboten. Unterstützt von der Barmer-Krankenkasse und wissenschaftlich begleitet vom TÜV Rheinland, ist BG 3000 an den Schulen Deutschlands unterwegs, um den Kindern Kompetenzen für die Netzwelt zu vermitteln. 

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Es gehe um einen regulierten und kontrollierten Umgang mit Handy, PC und Tablet, sagt Christina Mehner, Regionalgeschäftsführerin der Barmer. Warum springt eine Krankenkasse auf den Zug auf? "Weil das Internet viele Gefahren birgt. Zum Beispiel Stress, immer erreichbar zu sein. Oder Mobbing im Netz. Oder Suchtgefahr", zählt Mehner auf. Am Ende haben die Krankenkassen das Problem, wenn die Menschen kaputtgespielt und depressiv zu Hause sitzen.

Um diesen Gefahren entgegenzuwirken, muss man früh mit Aufklärung anfangen. "Am besten in dem Alter, wenn die Schüler das erste Smartphone geschenkt bekommen", sagt Lara Mergardt, die Projektleiterin von BG 3000. Es gehe darum, den Kindern einen maßvollen und sicheren Umgang beizubringen. In Workshops soll das gelingen. Quasi spielerisch lernen die Kinder, welche Passwörter sicher sind, wie sie ihre Daten schützen, welche Informationen sie über sich im Netz lieber nicht preisgeben sollen, wie Online-Journalismus arbeitet, wie Instagram funktioniert. Auch die Mütter und Väter werden über einen Elternabend ins Projekt eingebunden. 

Nele und Stella mit ihrem gesunden Burger sind begeistert von dem Projekt. Es mache Spaß, berichten beide übereinstimmend. Gesunde Ernährung - das ist nicht unbedingt naheliegend, wenn es um den sicheren und maßvollen Umgang mit dem Internet geht, gehört aber auch dazu. Denn das Bild vom pizzamampfenden und limotrinkenden Teenager, der vor dem Bildschirm abhängt, drängt sich unweigerlich auf, wenn es um die Gefahren des digitalen Lebens geht. Nele und Stella wollen es nicht so weit kommen lassen.    

Natürlich haben beide ein Handy. "Ich gucke viel in meine WhatsApp oder was bei Google", berichtet Stella. Auch Spiele mache sie. Aber ihre Eltern haben die Spielzeit begrenzt, wenn Schlafenszeit ist, geht das Handy ganz aus. "Das finde ich auch gut", sagt Stella dazu.

So viel Konsequenz wünscht sich Volker Gaitzsch von allen Eltern. Er ist der Leiter des Tharandter Gymnasiums und hat das Gefühl, dass viel zu viele Kinder Handys haben. "Ab der fünften Klasse verschenken die Eltern Smartphones. Für unseren Schulalltag ist das kontraproduktiv", sagt der Schulleiter. Denn  man stecke viel Zeit in die Morgenkreise und die Gruppenbildung, vor allem in den fünften und sechsten Klassen. Gaitzsch: "Wir müssen hier erst mal mit den Kinder arbeiten, damit sie gut in unserer Schule ankommen und sich wohl fühlen." Handys stören da nur und sind deshalb im Schulalltag verboten.  Wer damit erwischt wird, muss das Smartphone abgeben, im Wiederholungsfall werden die Eltern informiert und in die Schule gebeten. 

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Ganz wegdenken lässt sich die Technik aus dem Unterricht aber nicht. Wo es sinnvoll und spannend ist, bauen die Lehrer die Smartphone-Nutzung in den Lehrplan mit ein. So werden beispielsweise im Deutschunterricht Podcasts erstellt oder in den Englischstunden Wörterbuch-Apps verwendet. Gaitzsch: "So ein Smartphone hat auch ganz viele Vorteile. Verteufeln wollen wir die Technik keinesfalls." 

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