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Schüler müssen trotz Fußball-WM früh raus

Verschieben die Schulen wegen der spät startenden Spiele den Unterrichtsbeginn? Sie könnten es – tun es aber nicht.

© dpa

Von Teresa Förster und Katarina Lange

Sachsens Schüler können sich theoretisch über einen späteren Unterrichtsbeginn während der Fußball-WM in Brasilien freuen. Das macht eine Entscheidung des sächsischen Kultusministeriums möglich. Da viele Spiele wegen der Zeitverschiebung erst nach 22 Uhr angepfiffen werden, können Schulen im Freistaat in der Zeit selbst entscheiden, ob sie den Schulstart weiter nach hinten verlegen. Die Regelung, dass die Einrichtungen individuell über den Unterrichtsbeginn entscheiden können, gibt es in Sachsen schon lange. Das vorgegebene Zeitfenster liegt laut Kultusministerium an Oberschulen und Gymnasien zwischen 7 Uhr und 9 Uhr. Länger ausschlafen dürfen nach dem nächtlichen Deutschlandspiel? Die Idee aus dem Kultusministerium mag verlockend sein. Aber nutzen die Schulen im Altkreis Sebnitz diese Möglichkeit jetzt auch? Die Friedrich-Schiller-Oberschule in Neustadt beteiligt sich nicht an dieser Aktion. „In den Großstädten mag so etwas möglich sein, aber hierzulande ist es nicht der Fall“, sagt Schulleiter Klaus Anders gegenüber der SZ. Er selbst ist übrigens ein großer Fußballfan.

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Der Pädagoge hält es jedoch nicht für notwendig, den Unterricht wegen der Weltmeisterschaft später starten zu lassen. Zumal die deutsche Elf in der Vorrunde zu akzeptablen Zeiten spielen werde. Wie es nach der Vorrunde weitergeht, das müsse man abwarten. „Dass Schulen sich für einen späteren Unterrichtsbeginn entscheiden können, ist generell eine gute Idee. Das Prinzip ist jedoch nicht für alle Schulen umsetzbar“, sagt Klaus Anders und spielt damit auf die Situation im ländlichen Raum an. Hier ist ein Großteil der Schüler vom öffentlichen Nahverkehr abhängig. Wann die Busse fahren, das sei oftmals schon an die aktuellen Unterrichtszeiten angepasst.

Auch am Goethe-Gymnasium in Sebnitz müssen die Schüler trotz Weltmeisterschaft weiter früh aufstehen. „Das ist in meinen Augen totaler Unfug“, meint Schulleiter Andreas Seltmann. „Viele unserer Schüler kommen durch die langen Hin- und Rückfahrten schon spät genug nach Hause, da können wir sie nicht noch später gehen lassen, nur weil der Unterrichtsbeginn sich verschieben soll.“ Andreas Seltmann ist persönlich kein großer Fußballfan. Die Schüler, die gespannt der WM folgen wollen, könnten sich auch die Wiederholung im Internet oder auf ihren Smartphones ansehen, argumentiert er. 2006, als die Weltmeisterschaft in Deutschland stattfand, fiel ein Spiel Deutschlands im Viertelfinale genau auf die Ausgabe der Abiturzeugnisse. „Ein Sportlehrer verfolgte während der Veranstaltung das Spiel per Livestream und informierte immer bei wichtigen Ereignissen“, erzählt Seltmann. Es gäbe also genügend Möglichkeiten, die Spielen zu verfolgen.

Die Ludwig-Renn-Oberschule in Stolpen ist der spätere Unterrichtsbeginn bisher auch noch kein Thema. Dass die Schulen in diesem Fall freie Hand haben, ist der Schulleitung zwar bekannt. Jedoch wurde noch nicht entschieden, die erste Stunde tatsächlich nach hinten zu verlegen. Das Thema werde noch intern diskutiert, heißt es.