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Schüler treffen Unternehmer

Über 60 Firmen suchen in Radebeul nach Lehrlingen. Die Resonanz ist groß. Die Betriebe sehen jedoch Probleme.

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Von Philipp Siebert

Lara Lobner will nach der Schule etwas Handwerkliches lernen. Raumausstatterin zu werden, ist ihr Wunsch. Festgelegt hat sich die Neuntklässlerin von der Oberschule Mitte in Radebeul jedoch noch nicht. „Deshalb sind wir zur Jobmesse gekommen“, sagt Laras Mutter Carola. Noch hat ihre Tochter Zeit, sich für einen Job zu entscheiden. Im Berufsschulzentrum an der Straße des Friedens in Radebeul nahm Lara die Gelegenheit wahr, sich auszuprobieren. Sogar zum Schweißgerät hat sie gegriffen. „Das Angebot ist riesig, hier kann man gut in die Berufe reinschnuppern.“

Lara ist eine von Hunderten Schülern, die am Sonnabend mit ihren Eltern ins Radebeuler Berufsschulzentrum gekommen sind. Zum zweiten Mal präsentieren sich dort Arbeitgeber und Bildungseinrichtungen bei „Radebeul jobbt“. Über 60 Unternehmen aus dem Elbland und ganz Sachsen waren dabei. Die Ausbildungsbörse richtete sich an junge Leute, die nach einem Beruf suchen. Und die wissen wollten, welche Karrierechancen sie haben.

Lara hat mit ihrem Zweier Notendurchschnitt fast schon die Qual der Wahl. „Sie würden wir sofort nehmen“, sagt Haike Jungmichel von der Ausbildungsgesellschaft für Metalltechnik und Schweißer mbH aus Dresden. Nicht nur, weil sich Mädchen nicht so oft für einen Job in der Metallindustrie bewerben. Vor allem die Noten machen den Unterschied.

„Gute Leute zu finden, wird immer schwieriger“, sagt Haike Jungmichel. Mit ihrer Meinung ist sie nicht allein. Die meisten Unternehmen haben Probleme bei der Lehrlingssuche. Sogar jene, die sich vor Bewerbern nicht retten können.

Wie etwa die Polizei. „Wir haben jedes Jahr Tausende Bewerber, die als Polizist Karriere machen wollen“, sagt Dirk Hofmann. Der Polizeihauptkommissar unterrichtet an der Polizeischule Chemnitz. 220 Azubistellen gibt es in der Behörde pro Jahr. Mit gut 930 Euro zahlt die Polizei ihren Azubis mehr Gehalt als die meisten Firmen. Das, und die garantierte Anstellung nach der Ausbildung, macht den Job als Ordnungshüter so interessant für Schulabgänger. „Schwierig ist es trotzdem. Das schulische Niveau ist in den letzten Jahren deutlich gesunken“, so Hofmann.

Die gleichen Probleme wie die Polizei haben Betriebe aus der Industrie, Dienstleistungs- oder Gesundheitsbranche. Stefanie Preißinger, Personalreferentin bei Dachser, geht es auch so. Die Spedition ist eine der größten in Deutschland. In Radeburg hat das Unternehmen eine Niederlassung. Zwölf Lehrstellen bietet Dachser dort jährlich an – Kaufleute, Lagerlogistiker und Berufskraftfahrer lernen in der Firma. Bis jetzt wurden alle Lehrstellen immer besetzt. „Die Noten in Mathematik und Deutsch sind entscheidend“, sagt die Dachser-Frau. Die lassen seit einigen Jahren aber immer mehr zu wünschen übrig. „Wir müssen länger suchen, um die passenden Azubis zu finden“, sagt Stefanie Preißinger.

Christina Gröber stimmt ihrer Kollegin von Dachser zu. Auch den Elblandkliniken fällt es immer schwerer, gutes Nachwuchspersonal zu finden. 40 Krankenpfleger bildet der Betrieb pro Schuljahr aus. Für alle Stellen gute Lehrlinge zu finden, falle jedoch immer schwerer. Einerseits wegen der Konkurrenz zu den Krankenhäusern in Dresden, andererseits wegen der fehlenden schulischen Leistungen.

Der erste Schritt hin zur Unfähigkeit, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen, wird oft schon während der Schulzeit gegangen, sagt Sascha Dienel, Geschäftsführer des Wirtschaftsförderungsunternehmens Wirtschaftsregion Meißen. Im Landkreis beträgt die Schulabbrecherquote derzeit 8,6 Prozent. Das setzt sich mit noch höheren Quoten in der Ausbildung fort. Sascha Dienel sieht diese Engpässe. Er rät den Unternehmen, Schülerjobs und Praktika anzubieten. „Dadurch erreicht man die, die diesen oder jenen Beruf tatsächlich erlernen wollen.“

Auch anderweitig könne man auf junge Leute zugehen, sagt Gabriele Bäßler von der Radebeuler Projekt- und Investorenleitstelle. Etwa bei „Radebeul jobbt“. Gabriele Bäßler hat die Ausbildungsmesse mit organisiert und ist vom Konzept überzeugt. Hier können sich die Betriebe vorstellen, mit möglichen Azubis leicht ins Gespräch kommen und die Richtigen für ihre Firma finden. „Dieses Jahr war ein voller Erfolg.“ Im nächsten Jahr soll es eine Neuauflage der Jobmesse geben. Dann vielleicht mit noch mehr Unternehmen. Die Firmen müssen keine Standgebühren zahlen. Weitere Teilnehmer sind willkommen, sagt Gabriele Bäßler.

Informationen zu Lehrstellen in der Region gibt es im Internet unter http://jobboerse.arbeitsagentur.de.