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Schüler und Lehrer leben sich in neuer Schule ein

Mit einer Klasse ist die Evangelische Mittelschule Anfang August gestartet – vorübergehend in der Grundschule.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Die Farben Weiß und Blau dominieren in den Schulbänken. Ob Mädchen oder Junge – alle tragen entweder Polo-Shirts oder Pullover in diesen Farben. Die Schulkleidung ist eine Besonderheit, die in der Evangelischen Mittelschule in Hochkirch ins Auge fällt. „Da wird keiner wegen der Sachen, die er anhat, ausgelacht“, nennt Alexandra Müller einen Vorteil der einheitlichen Kleidung. „Und die Lehrer müssen jeden richtig ansprechen und können nicht einfach sagen: ,Du im grünen T-Shirt’“ sagt Florian Tasche. „Aber manchmal ist es blöd“, räumt er ein und denkt dabei an Situationen, wenn er allein im Bus sitzt und jeder gleich erkennt, wo er hingehört. Immerhin ist er jeden Tag etwa eine Stunde unterwegs, da er bei Kemnitz hinter Löbau wohnt. Trotzdem kommt er gern in die neue Schule, die mit zwölf Schülern in einer fünften Klasse Anfang August eröffnet wurde. Dass sie eine kleine Klasse sind, gefällt auch den anderen. „Es ist viel ruhiger und man kann besser lernen“, sagt Friedrich Lehmann.

Mittags gemeinsam am Tisch

Die zwölf Mädchen und Jungen sind die ersten seit sieben Jahren, die nach der Grundschulzeit weiter in Hochkirch lernen können. 2003 wurde die staatliche Mittelschule im Ort geschlossen. Damals scheiterte der Versuch, in freier Trägerschaft weiterzumachen. Doch dann scharten einige Eltern weitere Mitstreiter um sich, gründeten den evangelischen Schulverein und arbeiteten zielstrebig auf eine Schulneugründung hin.

Die ist auch für Schulleiter Adrian de Haas eine Herausforderung. Gerade fertig mit seiner Ausbildung zum Gymnasiallehrer einschließlich Referendariat am Lessing-Gymnasium in Hoyerswerda konnte sich der 35-Jährige zunächst nicht vorstellen, eine Schule zu leiten. Er habe lange darüber nachgedacht und schließlich die Chance gesehen, etwas gestalten zu können. „Das reizt mich.“ Sieben Lehrer unterstützen ihn dabei, darunter ganz junge, aber auch solche, die jahrzehntelange Erfahrung mitbringen. Adrian de Haas bringt neben seinem Lehrerstudium für Geschichte und evangelische Religion auch noch andere Fertigkeiten ein, hat der gebürtige Dresdner doch seine erste Ausbildung als Kfz-Mechaniker abgeschlossen und sich später nochmal neu orientiert.

Auch den Schülern mittels Projekttagen oder Exkursionen frühzeitig Einblick in unterschiedliche Berufe zu vermitteln, ist ihm wichtig. Ebenso am Herzen liegt dem Vater von vier Kindern, als Lehrer eine persönliche Beziehung zu den Schülern aufzubauen. Er habe das selbst während seiner Internatszeit am Evangelischen Gymnasium in Potsdam erlebt.

So sitzen nun auch in Hochkirch mittags Schüler und Lehrer gemeinsam beim Essen. Ein Tischgebet und morgens eine kurze Andacht sowie ein wöchentlicher Gottesdienst in der Kirche gehören zum Schulalltag. „Wir wollen nicht missionieren, aber die Kinder sollen christliche Traditionen als Teil unserer Kultur kennen lernen.“ Nicht alle sind konfessionell gebunden, auch kommen sie aus verschiedenen Orten. „Die Klasse hat sich trotzdem schon gut zusammengefunden“, findet de Haas.

Weil im Erdgeschoss der ehemaligen und nun neuen Mittelschule noch der Brandschutz hergestellt werden muss, sind die Fünftklässler zurzeit in der Grundschule untergebracht. Nach den Herbstferien werden sie voraussichtlich umziehen können. Ihr künftiges Klassenzimmer ist schon eingerichtet.

www.evms-hochkirch.de