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Schüler und Unternehmen im Gespräch

Die Oberschule Am Stadtrand veranstaltete gestern ihre erste eigene Berufemesse. Spannend für beide Seiten.

Umlagert war gestern der BASF-Stand. Die Schwarzheider bieten Dutzende Ausbildungsberufe in verschiedensten Bereichen.
Umlagert war gestern der BASF-Stand. Die Schwarzheider bieten Dutzende Ausbildungsberufe in verschiedensten Bereichen. © Foto: Anja Wallner

Hoyerswerda. Ganz schön knifflig, so ein Multiple-Choice-Wissenstest für junge Menschen, die sich für den Beruf des Kfz-Mechatronikers interessieren. Wie funktioniert ein Viertaktmotor? Was ist härter – Stahl oder Diamant – oder Glas? Ben aus der 7. Klasse geht die Fragen mit Johannes Braun durch, der im letzten Lehrjahr Mechatroniker im Autohaus Kieschnick in Hoyerswerda lernt. 

Kollegin Jessica Beyer hat einen ähnlichen Test für den Beruf des Automobilkaufmanns dabei. Seit Juli hat sie ausgelernt, arbeitet nun in der Kieschnick-Niederlassung in Weißwasser. „Das Interesse an Autos muss natürlich vorhanden sein“, sagt sie über ihren Job, den sie auch gern macht, weil dabei Kundenkontakt eine Rolle spielt. Die Weißwasseranerin und ihr junger Kollege sind am gestrigen Mittag in die Oberschule Am Stadtrand in Hoyerswerda zur ersten Haus-Berufe-Messe gekommen. Wie noch 24 andere Unternehmen aus der Stadtregion, aus Kamenz, Bernsdorf oder Schwarzheide präsentieren sie den Siebt- bis Zehntklässlern eineinhalb Stunden lang ihre Unternehmen, ihr Ausbildungsangebot, informieren über Zugangsvoraussetzungen und Ausbildungsinhalte. Quer durch die Branchen sind die Firmen vertreten: Seenland-Klinikum und Awo, Fielmann, BASF, TDDK, Pewo, Figaro, Yados ... die Bandbreite ist vielfältig – und es wäre noch Platz für mehr. Immer recht dicht umlagert sind die Stände von Bundeswehr und Polizei.

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Schulleiter Joachim Glücklich fand es nicht günstig, dass die Schüler Berufemessen immer nur auswärts besuchen konnten. Viel intensiver sei doch der direkte Kontakt quasi im Klassenzimmer. Die Idee, die Betriebe in die Schule zu holen, hatte es schon seit geraumer Zeit gegeben. Die Kontakte sind da – wird doch an der Schule beispielsweise durch den Einsatz von Praxisberatern intensiv Berufsorientierung betrieben. In Klasse 7 geht‘s schon los. Die Praxisberater helfen bei der Berufswahl, erklärt Marie-Christin Müller, Koordinatorin Jugend bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW). Sie und ihre Kollegen begleiten und unterstützen die jungen Menschen bei ihrer weiteren Lebenswegplanung, finden beispielsweise zunächst die Stärken und Kompetenzen der Schüler heraus, erkunden mit ihnen Firmen, beziehen auch die Eltern ein.

Joachim Glücklich erzählt, dass er im Zuge der Organisation der Hausmesse erfahren hat, dass im Landkreis Bautzen in 51 Berufen ausgebildet wird. Die hohe Zahl hat ihn erstaunt. Oft wisse man gar nicht, was sich hinter den Berufsbezeichnungen genau verbirgt. Hier helfen die Praxisberater weiter, aber auch Messetage wie der gestrige. „Es geht auch darum, die jungen Leute in der Region zu halten“, meint der Schulleiter. „Es ist ein Geben und Nehmen. Auch Betriebe müssen für sich Werbung machen.“ Man brauche gut ausgebildete junge Menschen – und nicht jeder müsse unbedingt Abitur machen. Ein Studium, eine Höherqualifizierung könne man auch auf eine solide Ausbildung draufsatteln.

Stefanie Böhme vertritt die in Kamenz ansässige Firma Sachsen Fahnen, die sieben Ausbildungen vom Fachlageristen über Mediengestalter bis hin zum Technischen Konfektionär anbietet. „Man muss mit den Schulen zusammenarbeiten“, findet sie. Auch die Kamenzer haben mitunter Probleme, passende Lehrlinge zu finden. Solch kleine Messen sind für das mittelständische Unternehmen ideal: „Auf größeren geht man manchmal ein bisschen unter.“ Dass Berufsorientierung frühzeitig bereits in Klasse 7 eine Rolle spielt, halten Lea, Tia und Josi für sinnvoll. „Hilfreich und spannend“ finden sie Veranstaltungen wie die gestrige. Die drei Achtklässlerinnen wissen aber schon, was sie einmal werden wollen: Altenpflegerin oder Kinderkrankenschwester, Erzieherin und Hebamme. Mit Awo, Klinikum, BSZ „Konrad Zuse“ oder der Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe sind die richtigen Ansprechpartner vor Ort. Immerhin steht für die Schüler in diesem Schuljahr ein Praktikum an. Auch darum geht es bei der Berufemesse: lernen, auf Unternehmen zuzugehen und Mitarbeiter anzusprechen, sagt Joachim Glücklich. Dafür haben Lehrer und Schüler im Vorfeld Fragebögen erarbeitet, die am Ende des Tages ausgefüllt sein müssen. Die Kinder und Jugendlichen müssen also mit den Mitarbeitern an den Ständen das Gespräch suchen und gezielt nach Einstellungsvoraussetzungen, Bewerbungsverfahren, Praktika und Tätigkeitsfeldern fragen.

Zu Gast ist gestern auch Romy Stötzner, künftige Leiterin des neuen Hoyerswerdaer Oberschulzentrums. Nach einem Rundgang über die Messe, die sich über die untere Etage erstreckt, ist sie voll des Lobes und gratuliert Schulleiter und Praxisberatern zu der „gelungenen Veranstaltung“. „Ziel muss es sein, Schulen für Firmen zu öffnen“, sagt sie und betont, diese Art Messe an der neuen Schule fortführen zu wollen.

Ob gestern alles nach Wunsch verlaufen ist oder ob es Änderungswünsche für künftige Messen gibt, das werden die Feedback-Bögen verraten, die zur Auswertung an Firmen, Lehrer und Schüler gehen.

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