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Sachsen

Schüler wollen Abi-Prüfungen nicht verschieben

Wegen der Corona-Krise wird um den Zeitpunkt der Abschlussprüfungen gestritten. Andere Bundesländern haben schon reagiert.

In Hessen und Rheinland-Pfalz laufen die Prüfungen schon.
In Hessen und Rheinland-Pfalz laufen die Prüfungen schon. © dpa

Dresden. Noch knapp drei Wochen bis zum Beginn der Abschlussprüfungen – oder doch nicht? Der Landesschülerrat Sachsen sieht eine Verschiebung der Termine skeptisch. Solange die notwendigen Schutzmaßnahmen in den Schulen möglich sind, sollten die Prüfungen stattfinden. „Die Verschiebung der Termine ist eine ungünstige Variante“, sagt die Landesschülersprecherin Joanna Kesicka. Jede Verschiebung würde bedeuten, dass das Zeugnis später vorliegt und damit eventuell Bewerbungsfristen nicht eingehalten werden können. „Ob eine Verschiebung wirklich hilft, ist dementsprechend fraglich“, so Kesicka. „Sie wäre trotzdem sinnvoller als eine komplette Absage der Prüfungen.“

Bisher sollen die etwa 13.000 sächsischen Abiturienten planmäßig am 22. April mit den Prüfungen starten. Zuerst werden die Klausuren in den Fächern katholische und evangelische Religion, Graecum und Physik geschrieben. Erst am 30. April müssten alle Abiturienten zu den Prüfungen in Deutsch/Sorbisch anwesend sein. Die Prüfungen für den Realschulabschluss sollen am 25. Mai beginnen. Bei den Auszubildenden der Industrie- und Handelskammern in Sachsen gibt es schon eine Entscheidung: Die schriftlichen Abschlussprüfungen werden verschoben, neuer Termin ist der 16. bis 19. Juni 2020.

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Abitur unter verschärften Bedingungen

Die Kultusminister der Länder hatten in der vergangenen Woche beschlossen, dass Schulabschlussprüfungen in Deutschland trotz Corona-Krise nach jetzigem Stand weiterhin stattfinden sollen. In Rheinland-Pfalz und Hessen laufen die Prüfungen schon. Sie finden unter verschärften Hygienebedingungen statt. Die Prüfungsgruppen müssen klein und die Abstände zwischen den Prüflingen groß gehalten werden, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Nach Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland haben sich weitere Bundesländer entschieden, die Prüfungen zu verschieben. In Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Nordrhein-Westfalen werden sie später starten. Sachsen-Anhalt verschiebt die Abiturprüfungen wegen der Corona-Krise um mindestens eine Woche. Den betroffenen Jugendlichen wird außerdem freigestellt, ob sie sich statt im Mai erst im Juni prüfen lassen. Dann wird es für alle Abiturfächer einen zweiten Durchgang geben, hieß es.

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Elternvertreter aus Dresden, Bautzen und Görlitz hatten gefordert, die Abiturprüfungen zu verschieben – um mindestens zwei Wochen, besser noch auf zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs. „Die bisher übliche Vorbereitung in Lerngruppen ist aufgrund des Kontaktverbotes quasi ausgeschlossen“, heißt es in einem offenen Brief an die Schulbehörde. Auch von einer psychischen Zusatzbelastung sprechen die Eltern.

Nachholtermine als Alternative

Ob die Prüfungen in Sachsen wie geplant stattfinden können, ist noch nicht sicher. Sachsens Schulen sind nach derzeitigem Stand bis 19. April geschlossen. „Wir prüfen täglich die aktuelle Lage und mögliche Szenarien“, sagt Dirk Reelfs, der Sprecher des Kultusministeriums. Der Gesundheitsschutz der Schüler und Lehrer müsse bei den Prüfungen gewährleistet sein. „Sollten daran Zweifel bestehen, denken wir selbstverständlich über eine Verschiebung nach“, heißt es. Ein mögliches Szenario wäre es, den Zeitraum der Nachprüfungen zu nutzen, vom 13. Mai bis 2. Juni. Die Oberschulen würden erst am 22. Juni mit den Prüfungen starten.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hat aber klargestellt, dass die Abiturprüfungen in Sachsen ordnungsgemäß durchgeführt werden sollen. „Ein Notabitur oder Durchschnittsabitur ohne Prüfungen streben wir auf keinen Fall an“, sagte er. Ein solches Notabitur habe es letztmals 1945 zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland gegeben. Dem diesjährigen Jahrgang dürften keine kurz- oder langfristigen Nachteile entstehen, die Abschlussnote habe Auswirkungen auf die berufliche Zukunft der Schüler: „Uns ist sehr bewusst, dass Sie bei jeder Bewerbung auch in Konkurrenz gegenüber dem Abiturjahrgang 2019 oder auch dem von 2021 stehen werden“, heißt es in einem Brief an die Abiturienten.

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Auch die Schüler lehnen ein Notabitur ab. „Es muss darauf geachtet werden, dass die Chancengleichheit zwischen den Abschlussjahrgängen gegeben ist, insbesondere denen die ab 2021 kein ‚Corona-Abitur‘ erhalten“, sagt Landesschülersprecherin Joanna Kesicka. Ein Abitur ohne schriftliche und mündliche Prüfungen widerspreche dem. So ein Abitur könnte nicht überall im In- und Ausland anerkannt werden und dem aktuellen Jahrgang damit Wahlmöglichkeiten bei Ausbildung, Studium und Beruf nehmen.

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