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Schüler wollen keinen Job im Handwerk

Die Firmen suchen Azubis, aber die Schüler haben ganz andere Interessen. Wie gelingt es, die Jugend an Waldheim zu binden?

Berufsinformationstag in der Hartharena.
Berufsinformationstag in der Hartharena. © André Braun

Waldheim. Ausbildungsmessen, Tage der offenen Unternehmen, Betriebspraktika, Werkstatttage, Exkursionen, Berufsberatung... Den Schülern der Oberschule Waldheim wird in Sachen Berufsorientierung jede Menge geboten.

Bei den einheimischen Handwerkern und Gewerbetreibenden kommt das jedoch nicht an. Die suchen händeringend Lehrlinge. Vertreter von Waldheimer Firmen, Oberschule und der Agentur für Arbeit setzten sich am Dienstagabend an einen Tisch. Es sollten Wege gefunden werden, möglichst viele Jugendliche in Waldheim zu halten. 

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„Wenn Schule und Ausbildung in Waldheim funktionieren, die Leute Arbeit finden und eine Familie gründen, ist die Chance groß, dass sie in der Stadt bleiben“, sagte Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt unter anderem das Ergebnis einer Schülerbefragung im Rahmen des Projektes „Demografie – Fokus Wirtschaft“ des Freistaates Sachsen. Von 117 befragten Waldheimer Oberschülern hätten zum Beispiel nur zwei angegeben, dass sie die Firma Florena als Ausbildungsbetrieb kennen. Nur 30 Prozent sehen für sich eine Perspektive in ihrer Heimatstadt, 42 Prozent der Schüler gaben an, das noch gar nicht zu wissen, 28 Prozent sehen ihre Zukunft nicht in Waldheim.

Dass es schwer ist, Jugendliche für handwerkliche Berufe zu begeistern, machte Praxisberater Tomasz Wojciechowski deutlich. „Wir machen Aushänge für Betriebsbesuche in der Region, aber die Schüler melden sich nicht an“, sagte er. „Handwerk? – nein“, bekäme er sehr oft von den Schülern zu hören. Wenn die Termine für die Betriebsbesuche außerhalb der Unterrichtszeit liegen, werde das von vornherein abgelehnt. Auch die vom Landkreis Mittelsachsen organisierten „Tage der offenen Unternehmen“ treffen auf wenig Resonanz bei den Waldheimer Oberschülern. „Wir haben 200 Informations-Broschüren ausgeteilt, nur zehn Schüler haben sich schließlich angemeldet“, sagt Wojciechowski.

Die Wünsche der Oberschüler gingen immer mehr weg vom Handwerk eher in Richtung sozialer Berufe, wie Altenpfleger oder Sozialassistenten, oder Berufe, die mit Medientechnik zusammenhängen. Auch für eine Ausbildung bei der Polizei würden sich viele interessieren. Aus Sicht des Praxisberaters sind die Eltern gefordert, ihre Kinder bei der Berufswahl zu lenken. Mütter und Väter hätten einen großen Einfluss auf die Entscheidung ihrer Kinder. Genau dort liege ein weiteres Problem: Viele der Eltern hätten selbst in ihrer eigenen Jugend keine guten Erfahrungen mit Lehrstellen im Handwerk gemacht. „Vor 20 Jahren ist kaum ein Handwerker-Lehrling übernommen worden. Das hat damals gar keinen interessiert. Heute wirkt sich das aus“, sagte Schulleiter Jan Genscher.

Bauunternehmer Roman Petters regte an, sich beim jährlichen Berufsinformationstag in der Hartharena mehr aufs Handwerk zu konzentrieren. „Polizei oder Justiz haben es aus meiner Sicht gar nicht notwendig, dort nach Nachwuchs zu suchen“, sagte er. Bei der Messe in diesem Jahr musste aus Kapazitätsgründen sogar einigen Firmen die Teilnahme ausgeschlagen werden. Angeregt wurde von den Waldheimer Unternehmern, einen Flyer zu erarbeiten, auf dem Ausbildungsbetriebe mit ihren Angeboten aufgeführt sind. 

Das unterstützte auch Anke Brückner, Assistentin der Geschäftsleitung bei der Waldheimer Speditionsgesellschaft, Das Unternehmen bildet derzeit drei Lehrlinge in den Richtungen Kfz-Mechatroniker für Nutzfahrzeuge, Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistungen und Berufskraftfahrer aus. Alle drei sind ehemalige Waldheimer Oberschüler. Dass es immer schwieriger wird, Lehrlinge zu finden, bestätigt sie. So sei es im Bereich Fachkraft für Lagerlogistik nicht gelungen, einen Azubi zu finden.