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Schülerfirmen machen Schule

Bildung. Mit Hilfe von Schülerfirmen versuchen vier Schulen im Kreisihren Schülern die Wirtschaft näher zu bringen.

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Von Peter Anderson

Wie gestalte ich die Preise? Wie bewerbe ich mein Produkt? Da haben die Mädels ganz schön getüftelt“, sagt Thomas Redslob. Als zartes Pflänzchen bezeichnet der Lehrer die Schülerfirma der Mittelschule Schönfeld. Angefangen habe alles vor einem viertel Jahr. Frischer Kaffeeduft lockte zwei Schülerinnen in das Hauswirtschafts-Kabinett. „Dort sitzen die Lehrer, die keine Aufsicht haben, und trinken Kaffee“, erklärt Redslob. Die Schülerinnen fragten, ob sie ein Schälchen Heeßen bekommen könnten. „Macht Euch den mal schön selber“, sagte Redslob. Die Geschäftsidee war geboren. Vier junge Damen aus der 9 b schafften Kaffee-Maschinen und Wasserkocher an. Lehrer Redslob brachten ihnen die Grundbegriffe der Buchführung bei. Seitdem bietet das Schülercafé vormittags Kaffee, Cappuccino und Tee feil. Die Hälfte der Anfangsinvestitionen ist eingespielt. Der Verkauf von Süßigkeiten soll das Geschäft jetzt in die schwarzen Zahlen führen. Lehrer Redslob hat vor allem den ideellen Gewinn im Blick. „Die Mädels lassen sich nichts vorsetzen. Sie tischen den anderen etwas auf“, sagt er.

Statt für den Handel haben sich die Schüler der neunten Klassen aus der Großenhainer Mittelschule am Schacht für die Produktion entschieden. In drei Schichten nähen die 17 Jungen und Mädchen Wimpelketten zum Stadtjubiläum. „Das ist ein prima Gefühl, wenn man seine Arbeit dann da oben im Wind flattern sieht“, sagt Stefan Przisambor, der Geschäftsführer der Schülerfirma. Die Neuntklässler haben ihre Zelte in einer Ecke des Stema-Nähsaals aufgeschlagen. Der Betrieb stellt das Material – Abfälle von Anhängerplanen – und die Technik. Um den Rest kümmern sich die Schüler. „Die Materialbeschaffung muss so funktionieren, dass die Näher immer etwas zu tun haben“, erläutert Stefan. Für viele seiner Mitschüler sei das praktische Arbeiten unter Leistungsdruck eine völlig neue Erfahrung gewesen. Andere hätten das erste Mal an einer großen Maschine gestanden.

Zu den Routiniers unter den Schülerfirmen im Kreis zählen das Lampertswalder Schülercafé und der „Exporterfolg“ an der Großenhainer Mittelschule am Kupferberg. „Die Pausenversorgung gibt es schon seit sechs Jahren“, sagt die Lampertswalder Lehrerin Swantje Petrasch. Mit dem Aus für die Schule ab nächstem Schuljahr ist allerdings auch das Ende des Schülercafés besiegelt. Kräftig expandiert wird dagegen am Großenhainer Kupferberg. Neuste Errungenschaft des „Exporterfolg“ ist eine computergesteuerte Fräsmaschine. Stolz präsentiert Geschäftsführer Thomas Richter eine aus Sperrholz geschnittene Stadt-Silhouette von Großenhain. In den Stadtfarben Schwarz-Gelb bemalt, soll sie zum Verkaufsschlager werden. Der Einstieg in die Produktion erweitert den bisherigen Handel. „Mir haben unsere Verkaufsstände unheimlich Selbstvertrauen gegeben“, sagt Thomas. Am Anfang habe er sich gescheut, Kunden anzusprechen. Bis er merkte, dass er höchstens einen Korb bekommen könne, mehr nicht. Aus seinen Erfahrungen bei der Schülerfirma heraus möchte Thomas auch nach der Schule sein eigener Chef sein. „Ich würde gern eine richtige Firma gründen“, sagt er. Das Rüstzeug will er sich auf dem Wirtschaftsgymnasium holen.