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Schützenhaus wird zum Bürgerhaus

Bibliothek, Kleiderkammer und Meißner Tafel ziehen ein. Die Terence-Hill-Bar bekommt eine ganz neue Funktion.

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© hübschmann

Von Jürgen Müller

Die schlechte Nachricht zuerst: Seit gestern ist die Lommatzscher Stadtbibliothek geschlossen. Und jetzt die gute: Im September wird sie wieder öffnen. Allerdings nicht mehr im Haus am Domselwitzer Gässchen, sondern im Schützenhaus. Das nämlich wird zum Bürgerhaus. Neben der Bibliothek ziehen auch die Kleiderkammer und die Meißner Tafel in das Haus am Sachsenplatz. Damit wird nun Wirklichkeit, was schon lange geplant war: Das Schützenhaus wird zum Bürgerhaus. „Damit wird im Schützenhaus Lommatzsch endlich täglich etwas los sein. Das Schützenhaus wird dann zu dem Bürger- und Vereinshaus, wie wir es eigentlich in Lommatzsch brauchen“, sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Das ehemalige Bürgerhaus im Domselwitzer Gässchen bleibt ab September geschlossen. Über die zukünftige Nutzung werde zur gegebenen Zeit im Stadtrat beraten. Gedacht sei auch daran, die ehemalige Berufsschule zu verkaufen, falls sich ein Interessent findet.

Mit den geplanten Umzügen werde es gelingen, für das Haus wieder eine sinnvolle Nutzung zu finden. Veranstaltungen sollen dort aber weiterhin stattfinden. Nur von der Illusion, einen Pächter für die Gaststätte zu finden, haben sich die Stadt und die Schützenhaus Lommatzsch GmbH verabschiedet. Nachdem der vorherige Pächter kündigte und seine beiden Nachfolger kläglich scheiterten, ist das Thema vom Tisch. Die Nachfrage nach Gastronomie ist in Lommatzsch einfach zu gering, als dass sich eine Gaststätte auf Dauer rechnen würde. Die bisherigen Pächter kamen nur über die Runden, weil sie pauschal Geld aus der Kulturraumförderung erhielten. Seitdem die weggefallen ist beziehungsweise nur noch für ganz bestimmte Projekte gezahlt wird, können Pacht, Miete und Betriebskosten nicht mehr aufgebracht werden, zumal ja auch das Personal bezahlt werden will.

Umzug ist nicht unumstritten

Unumstritten ist die neue Nutzung des Schützenhauses jedoch nicht, es gab viel Widerstand. „Mir ist bewusst, dass ein solcher Umzug eines Bürgerhauses nicht problemlos verläuft. Viele ehrenamtliche Stunden wurden im Domselwitzer Gässchen geleistet. Jetzt umzuziehen fällt nicht leicht, lieb gewordene Gewohnheiten werden hinterfragt, manches wird neu organisiert und bringt sicher auch mal Enttäuschung mit sich. Trotzdem bin ich allen Gruppen und Mitarbeitern, insbesondere den Mitarbeitern der Bibliothek, sehr dankbar für ihr Verständnis. Wir müssen in unserer kleinen Stadt unsere Ressourcen einfach bündeln“ sagt die Bürgermeisterin.

Die Kleiderkammer und die Meißner Tafel befinden sich zukünftig im Kellergeschoss des Schützenhauses und können über einen separaten Eingang erreicht werden. Die Bibliothek zieht ins 1. Obergeschoss. Hier wird auch die Terence-Hill-Bar umgenutzt. Sie wird zum Lesesaal. Eine Vermietung an Private soll aber weiter möglich sein.

Im Dachgeschoss befindet sich bereits das Lommatzscher Zimmer als Begegnungsstätte für Jung und Alt. Die Kurse des Frauentreffs werden ab September in der Gaststube oder im Kleinen Saal im Schützenhaus stattfinden. Und Vereine treffen sich ab September im Schützenhaus. So werden die Monday Singers umziehen. „Damit ist das Haus vom Keller bis zum Dach genutzt, können wir unsere gesamten Angebote dort zusammenfassen. Das Schützenhaus wird praktisch zum Mehrgenerationenhaus“, so Anita Maaß. Sie könnte sich ob der neuen Nutzung sogar vorstellen, das Haus wieder in „Volkshaus“ umzubenennen. Darüber allerdings muss der Stadtrat entscheiden.

Parkplätze und Internet

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ziehen die Mitarbeiterinnen der Bibliothek um. Die mittlerweile sieben Frauen führen die Bücherei seit zehn Jahren ehrenamtlich. 2004 was das als Übergangslösung geplant. Es ist eine Dauerlösung geworden. Die Stadt hat kein Geld, eine hauptamtliche Bibliothekarin zu beschäftigen. „Wir sind sehr dankbar, dass die Frauen die Bibliothek ehrenamtlich führen“, so Anita Maaß. Städtische Buchausleihe gibt es in Lommatzsch schon seit 1870. Damals begannen im Lommatzscher Rathaus Stadträte mit dem Buchverleih. Daraus entwickelte sich später die Bibliothek

Für die Bibliothek und deren gut 300 Nutzer werden sich die Bedingungen im Schützenhaus verbessern. So stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Außerdem können die Leser wieder im Internet recherchieren. Geplant ist auch die Öffnungszeiten zu verändern. Doch zuvor müssen Umzugskisten geschleppt werden. Etwa 10 000 Gegenstände, darunter etwa 7 000 Bücher, müssen umgeräumt werden.