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Schuhladen schließt

Ramona Schönfeld hätte gern noch das 30-jährige Jubiläum ihres Berggießhübler Geschäftes gefeiert. Mindestens drei Gründe sprachen dagegen.

Ausverkauf mit Maske: Ramona Schönfeld.
Ausverkauf mit Maske: Ramona Schönfeld. © Norbert Millauer

Wenn der Andrang immer so gewesen wäre wie jetzt zum Ausverkauf ... Ramona Schönfeld verschwendet keinen Gedanken mehr an hätte und könnte. Die Entscheidung ist gefallen. Sie schließt ihr Schuhgeschäft in Berggießhübel. Am Montag hat der Ausverkauf begonnen. Mit Schutzmasken bei Chefin, Verkäuferin und Kunden - und Einlasskontrolle. Das Lager ist voller Schuhe. Ramona Schönfeld hofft, dass die Leute kaufen. Dieses eine Mal noch. 

Es kamen mehrere Gründe zusammen, die zu der Entscheidung führten zu schließen, sagt Ramona Schönfeld. Im Wesentlichen waren es die monatelange Baustelle an der Kirchbergbrücke und damit die Beeinträchtigungen, die allgemeine Lage und nun auch noch Corona. Es sei schade, aber nicht zu ändern. Es nütze nichts, die Augen davor zu verschließen.

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Vom Reparieren zum Verkaufen

Die Geschichte des Geschäftes ist die vieler kleiner Geschäfte. Beim Gottleuba-Hochwasser 1927 war das Haus zerstört worden. Der damalige Besitzer Paul Fröde hat es in den folgenden Jahren wieder aufgebaut. Im Erdgeschoß befand sich eine Schuhmacherei. Nach dem Krieg wurde dann jedoch erst einmal Haushaltwaren und Lebensmittel verkauft. Die Schwiegereltern von Ramona Schönfeld kauften das Haus später. 

Dann zog der Konsum ein und damit die Schuhe für die ganze Familie. Rita Schönfeld, die Schwiegermutter, leitete dieses Geschäft. Am 1. November 1990 übernahm sie es privat und führte es bis Ende 2002. Seit 1. Januar 2003 ist Ramona Schönfeld die Chefin. 

Treue und unbekannte Kunden

Sie war 1979 von der Insel Usedom nach Berggießhübel gekommen. Sie hatte erst Facharbeiter für Post und Zeitungswesen gelernt, später wurde sie dann noch Fachverkäuferin. "Wir hätten also dieses Jahr 30 Jahre feiern können. Es ist uns leider nicht vergönnt", sagt sie. 

Zeit zum Nachdenken hat sie im Moment noch nicht. Die Kunden stehen Schlange, zum Glück, und es gibt einiges zu tun. Manche Kunden hat sie vorher noch nie gesehen, andere hielten ihr die ganze Zeit die Treue und sagen ihr nun Danke und wie sehr sie es bedauern. Wann sie das Geschäft zum letzten Tag öffnet, weiß sie noch nicht. Das hängt vom Verkauf ab. Wenn alles abgewickelt ist, wird sie sich eine Arbeit suchen. Bis zur Rente habe ich ja noch ein paar Jahre, sagt die 60-Jährige.

Berggießhübel gehört noch immer zu den relativ kleinen Orten mit relativ vielen Geschäften. Doch auch an dem Kurort geht die Entwicklung nicht vorüber. Nicht vor Corona und gerade erst danach nicht. Erst der Modeladen, nun das Schuhgeschäft. Wen trifft es als Nächstes? Und Bad Gottleuba-Berggießhübel steckt mitten in der Vorbereitung zur Bestätigung des Kurorttitels.

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