merken
PLUS

Löbau

Schuhverbot in Hausfluren 

Warum viele Großvermieter in der Region Löbau/Zittau keine Schuhe mehr vor den Wohnungen sehen wollen.

Schuhe im Treppenhaus: Für viele Mieter ist das alltäglich. Großvermieter sehen das aber gar nicht gerne.
Schuhe im Treppenhaus: Für viele Mieter ist das alltäglich. Großvermieter sehen das aber gar nicht gerne. © Sven Elger

Wenn es draußen herbstlich nass ist, stellen Mieter ihre Schuhe gern im Treppenhaus vor der Tür ihrer Wohnung ab. So bleibt es drinnen sauber. Doch vielen Großvermietern ist genau das ein Dorn im Auge. Geht es nach ihnen, müssen nicht nur Schuhe raus aus dem Hausflur. Das ist nicht allen Mietern bewusst. Und so sorgte ein Fall aus Pirna neulich für Aufsehen: Dort hat die Wohnungsgesellschaft nun durchgegriffen und ihren Mietern ein Ultimatum gesetzt. Einige Dresdner Wohnungsunternehmen verfahren ähnlich. Doch wie sieht es in der Oberlausitz aus? Die SZ hat sich bei mehreren Großvermietern im Südkreis umgehört.

Welche Vermieter verbieten Schuhe im Hausflur?

Anzeige
Der perfekte Ort für (D)eine Ausbildung!

Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

Im Grunde alle. Denn Schuhe, Regale oder auch Pflanzen in Hausfluren und Treppenhäusern behindern Flucht- und Rettungswege. Doch bei den Wohnungsgesellschaften herrscht durchaus Verzweiflung. "Wir probieren jedes Jahr, das unseren Mietern beizubringen", sagt Karsten Görlach, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft in der Oberlausitz (WGO). Die in Löbau ansässige Genossenschaft unterhält gut 1.400 Wohnungen in der gesamten Region. Hauptsächlich Schuhschränke würden in vielen Treppenhäusern den Weg versperren. "Auch Hinweise, dass sich jemand strafbar machen könnte, fruchten nicht", so Görlach. Auch in der Hauszeitung würden die Mieter immer wieder auf das Problem hingewiesen. Er könne Mieter deswegen aber schlecht rausschmeißen, erklärt Görlach, wird aber auch deutlich: "Wer es mit aller Bosheit weiterbetreibt, muss sich im Ernstfall auch über die Konsequenzen im Klaren sein", sagt er. Die WGO selbst habe aber noch in keinem Fall eine Räumung von Treppenhäusern beauftragt.

Auch Geschäftsführerin Uta-Sylke Standke von der Wohnbaugesellschaft Zittau mit beinahe 2.000 eigenen und fremdverwalteten Wohnungen kennt die Problematik - und handelt stets sofort. "Unsere Hausordnung untersagt ausdrücklich, etwas im Treppenhaus oder Hausflur aufzustellen", sagt sie und: "Wenn wir so etwas feststellen, machen wir einen Aushang und fordern dazu auf, diese Dinge zu entfernen." Ihrer Kenntnis nach würden solche Aufforderungen auch immer befolgt. Ihr Unternehmen habe noch nie zu drastischen Maßnahmen greifen müssen. "Ich kann mir aber lebhaft vorstellen, dass Gesellschaften in Dresden rigoros vorgehen."

Mit guten Worten versucht es in der Regel die Wohnungsgenossenschaft Löbau mit ihren rund 1.200 Wohnungen. "Wir sagen unseren Mietern schon, dass sie die Fluchtwege freihalten und Schuhe in ihrer Wohnung unterbringen sollen", sagt Vorstand Ines Gabler. Schließlich gehöre der Raum in den Fluren und Treppenhäusern auch nicht zur vermieteten Wohnung. Sie glaubt, das Problem sei auch traditionell begründet. "Wenn manche Mieter da schon 30 oder 40 Jahre lang wohnen, ist es schwierig, sie davon zu überzeugen", sagt Gabler. Zwar habe es sicher auch zu Zeiten der DDR Vorschriften zum Brandschutz und zu Fluchtwegen gegeben. Aber: "Ich denke, das wurde damals einfach geduldet", sagt sie. Hauptsächlich schreite die Genossenschaft nur dann ein, wenn es deswegen Beschwerden von anderen Mietern gebe. Dann gehe man auf die betreffenden Mieter zu. Seit wenigen Monaten setzt die Genossenschaft auf ein weiteres Instrument. "Über den Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften haben wir jetzt die Broschüre ,ABC der guten Nachbarschaft' aufgelegt", erzählt Gabler. Diese Broschüre gebe nicht nur nützliche Tipps etwa zum richtigen Lüften oder der Haustierhaltung in der Wohnung, sondern erkläre auch, wie wichtig es sei, Flucht- und Rettungswege freizuhalten. "Bei Neuvermietungen geben wir den Mietern die Broschüre immer gleich mit dazu", sagt Ines Gabler.

Welche Regeln gelten für Kinderwagen und Rollatoren?

Grundsätzlich bilden Kinderwagen und Rollatoren natürlich ebenso ein Hindernis wie Schuhregale oder Blumenkübel. Aber sie sind rechtlich privilegiert. So hat etwa das Landgericht Berlin (Az.: 63 S 487/08) einem Mieter das Abstellen eines Kinderwagens im Hausflur erlaubt - allerdings müssten andere Mieter ungehindert an ihre Briefkästen gelangen können. Das Landgericht Hannover (Az.: 20 S 39/05) urteilte in einem Fall, dass ein Vermieter es seinem Mieter nicht untersagen könne, seinen Rollator vor der Wohnungstür abzustellen. Das Gerät müsse aber an einem geeigneten Platz zusammengeklappt gelagert werden. Es kommt aber immer auf den Einzelfall an. Etwas anderes kann etwa gelten, wenn der Vermieter separate Abstellplätze für Kinderwagen zur Verfügung stellt. In Treppenhäusern oder Hausfluren abgestellte Fahrräder finden dagegen vor keinem Richter Gnade.

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.