merken
PLUS

Großenhain

Schulanbau droht erneuter Aufschub

Statt in der Grundschule dringend benötigte neue Klassenzimmer anzubauen, muss Lampertswaldes Gemeinderat Haushaltlöcher stopfen.

Kein Anbau an die Grundschule Lampertswalde.
Kein Anbau an die Grundschule Lampertswalde. © Anne Hübschmann

Lampertswalde. Der neue Bürgermeister René Venus (parteilos) hatte sich die ersten 100 Tage seiner Amtsperiode wohl anders vorgestellt. Zumindest nicht so, dass beim ersten Haushalt, den er zu verantworten hat, ein Loch von fast einer halben Million Euro gestopft werden muss. Und dass er den Eltern und Lehrern seiner Grundschüler wahrscheinlich sagen muss, dass sie den ersehnten Schulanbau auch dieses Jahr nicht bekommen werden. 

Ursache für die dramatische finanzielle Situation sind weggebrochene Gewerbesteuereinnahmen. 2019 hatte die Gemeinde mit 1,6 Millionen Euro gerechnet. Herein kam gerade einmal die Hälfte. Nicht nur das. Es wurden auch Rückzahlungen fällig, beispielsweise an Kronospan, so dass gegenüber dem Planansatz plötzlich mehr als eine Million Euro fehlte. Die finanziellen Reserven schmolzen dahin, obwohl sich Lampertswalde schon im März 2019 eine Haushaltsperre auferlegt hatte. Nun ist einfach nichts mehr übrig.

Anzeige
Gemeinsam allem gewachsen

Die Sparkassen-Versicherung Sachsen ist auch in dieser außergewöhnlichen Situation für ihre Kunden da.

Schule platzt aus allen Nähten

Das ist besonders tragisch für die Grundschule, die wegen der hohen Schülerzahlen aus den Nähten platzt. Eigentlich sollte deshalb schon im vorigen Jahr auf der Südseite angebaut werden. Zwei bis drei zusätzliche Klassenräume waren ursprünglich geplant. Aber wegen der explodierenden Baupreise wurde die Kalkulation teurer und teurer.

Mittlerweile steht sie bei 526.000 Euro, 210.000 Euro müssten aus der Gemeindekasse genommen werden. Da dort aber ohnehin schon ein Loch klafft, muss sich die Kommune eher Gedanken machen, wo sie noch sparen kann.

Das alles kam bei der Haushaltslesung in der Januar-Ratssitzung zutage. Es gab schon in der vorangestellten Bürgerfragestunde besorgte Erkundigungen, aber die Gemeinderäte wollten lieber hinter verschlossenen Türen diskutieren. Sie hatten die Aussprache über den Etat kurzerhand in den nichtöffentlichen Teil verlegt.

René Venus (parteilos) wurde im September zum Bürgermeister von Lampertswalde gewählt. Über die Zukunft des Schulanbaus will er Eltern und Lehrer nun bei einem runden Tisch informieren. 
René Venus (parteilos) wurde im September zum Bürgermeister von Lampertswalde gewählt. Über die Zukunft des Schulanbaus will er Eltern und Lehrer nun bei einem runden Tisch informieren.  © Anne Hübschmann

Neue Ausstattung ergibt nur bei Anbau Sinn

Und das, obwohl die Problematik bereits seit einem Jahr wie ein Damoklesschwert über der Kommune hängt. Was dabei herausgekommen ist? „Wir werden uns nächste Woche noch einmal zusammensetzen und verschiedene Möglichkeiten durchsprechen“, erklärte Bürgermeister Venus nach der Sitzung.

Das hatte auch Kämmerin Evelyn Ekelmann angemahnt. Nur ging es ihr dabei eher um das Stopfen der Haushaltslöcher als um neue Investitionen. Ein kreditfinanzierter Schulanbau ist bei der prekären finanziellen Lage mit Sicherheit nicht drin.

Es mutete ein wenig seltsam an, dass Lampertswaldes Gemeinderäte ausgerechnet in dieser Krisensitzung über die Anschaffung von vier Werkbänken für die Grundschule entscheiden sollten. Das und etliche andere Ausstattungskäufe ergäben nur Sinn, wenn angebaut würde.

Derzeit hangelt sich die Schule bei der Raumbelegung von einem Provisorium zum anderen. Etwas Erleichterung bringt es, wenn Klassen beim Sportunterricht sind. Oder wenn man Schulstunden auf den Gängen stattfinden lässt. Der Werkenraum soll auch für den Schulgartenunterricht genutzt werden.

Neue Werkbänke mit aufgesetzten Schraubstöcken eigenen sich dazu nicht. So schön es ist, dass es in Lampertswalde wieder viele Schulkinder gibt – für einen durchgängigen zweizügigen Schulbetrieb ist der Gebäudekomplex einfach zu klein.

Bürgermeister plant runden Tisch

Wie sage ich's meinen Lehrern? Diese Frage scheint Gemeinderäte und Bürgermeister derzeit mehr zu beschäftigen als das finanzielle Defizit. Pädagogen können manchmal ganz schön fordernd sein. Und einen gesunden Respekt vor der Lehrerschaft nimmt man wahrscheinlich mit bis ins Erwachsenenalter.

Hinzu kommt, dass die Gemeinde noch nie in einer ähnlich prekären Situation war. Mehr als 20 Jahre lang sprudelten die Gewerbesteuereinnahmen reichlich. So manche Investition konnte quasi aus der Portokasse bezahlt werden. Damit ist es vorbei – wenn vielleicht auch nur vorübergehend.

Um die Gemüter zu beruhigen, will Bürgermeister Venus einen Runden Tisch mit Lehrern und Elternvertretern einberufen. Mehr als ein erneuter Aufschub der Anbaupläne wird dabei aber wohl auch nicht herauskommen.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.