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Schuld ist der Schludrian

Dynamo hadert nach dem Rückrundenstart in Erfurt mit der 2:3-Niederlage , die typisch ist – und doch so überflüssig.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

Mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung schleicht Dynamos Kapitän vom Platz, und sichtlich niedergeschlagen ist er auch. Seine Mannschaft hat verloren und Michael Hefele fast schon vergessen, wie sich das anfühlt. Dieses 2:3 gegen Rot-Weiß Erfurt ist erst die zweite Saisonniederlage des weiterhin unangefochtenen Drittliga-Spitzenreiters.

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Dass es sich dabei auch um die erste Auswärtspleite und einen wie in der Vorsaison verpatzten Restrückrundenstart handelt, interessiert Hefele nur am Rande. Details für Statistiker sind das genauso wie die Tatsache, dass Dresdens letzter Sieg in Erfurt nun schon siebeneinhalb Jahre zurückliegt. Am 25. Juli 2008 hatte Halil Savran im ersten Drittligaspiel überhaupt zum 1:0-Erfolg getroffen. Hefele ist auch das wurscht, wie er bayrisch-deftig sagen würde.

Was ihn am Samstagnachmittag wirklich stört, ist das Zustandekommen des Ergebnisses. Eine Niederlage ist immer ärgerlich, diese aber ist auch noch unnötig. Der Gegner, schätzt der 25-Jährige richtig ein, ist weder besser noch hat er überhaupt so etwas wie Chancen. „Diese Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wegen niemand anderem haben wir hier verloren“, betont Hefele, der ungewohnt gedämpft spricht, aber bemerkenswert deutliche Worte findet zu Dynamos Auftreten nach etwa 35 Minuten, inklusive 1:0-Führung durch das Kopfballtor von Pascal Testroet. „Dann waren wir uns einen Tick zu sicher, dass wir das einfach so schaukeln, haben schwieriger gespielt statt so klar wie zu Beginn. Der letzte Biss, der letzte Schritt hat dann gefehlt“, analysiert Hefele.

Und trotzdem ist Erfurt lange Zeit keinesfalls besser, sondern spielt, wie eine Mannschaft im Abstiegskampf eben spielt: vorsichtig, fast ängstlich und dazu etliche Fehlpässe. Doch das Glück ist auf der Seite der Thüringer, als ein von Marc Höcher als Flanke gedachter Schuss von der Seitenauslinie an Freund und Feind vorbei den Weg ins Tor findet – und das auch noch Sekunden vor dem Halbzeitpfiff.

„Das 1:1 hat schon wehgetan“, gesteht Trainer Uwe Neuhaus. Denn dieses Gegentor aus dem absoluten Nichts, wie er sagt, verändert nach der Pause das Spiel. Und doch hätte die Partie entschieden sein müssen, bevor Erfurt zu seinen weiteren Toren kommt. Gleich drei Großchancen haben die Dresdner. „Ich muss zugeben, daran kann ich mich gar nicht erinnern“, sagt Hefele zwar zunächst über die Möglichkeiten von Sinan Tekerci (51.), Pascal Testroet (62.) und Justin Eilers (65.). Angesprochen auf Tekercis Chance, der aus fünf Metern frei vorm Tor einen Gegenspieler auf der Linie anschießt, durchfährt es ihn aber plötzlich. „Hach, uuuuh. Den kann man schon mal machen, der Sinan. Tja, schade...“

Danach nimmt das Spiel eine jähe Wendung. „Darin liegt der Knackpunkt. Wer seine Möglichkeiten nicht nutzt – es ist nicht das erste Spiel im Fußball, das so gelaufen ist“, meint Neuhaus. Über den umstrittenen Elfmeter, der wenig später zum 1:2 führt, will er gar nicht reden. Und auch nicht über das 1:3 Sekunden vorm dem Abpfiff, als Dynamo im Bemühen um den Ausgleich die Defensive de facto aufgelöst hat. Marco Hartmanns 2:3 in der Nachspielzeit geht am Ende fast unter. „Ich bin jetzt nicht zu Tode betrübt, trotzdem ärgert mich diese Niederlage – weil sie so überflüssig ist. Erfurt hat unsere Fehler ausgenutzt“, sagt Neuhaus – und damit ist das Thema für ihn durch.

Wie heißt es so schön: Mund abputzen, abhaken und weiter. Das Motto gilt auch diesmal. „Für uns hat sich nichts geändert. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag ist wieder Training. Und Samstag dann Spiel gegen Mainz. Da wollen wir wieder gewinnen“, blickt Hefele voraus. Auf dem nach dem Eishockey-Spektakel neu verlegten Rasen könne Dynamo schließlich auch noch besser spielen.

Als Ausrede will er die Platzverhältnisse, die Sportchef Ralf Minge vorm Anpfiff als grenzwertig bezeichnet, nicht verstanden wissen. „Wir haben ja bewiesen, dass wir’s können. Bis nach 35 Minuten der Schludrian reingekommen ist“, sagt Hefele und hat mit seiner Wortschöpfung vermutlich die einzige richtige Erklärung für diese so überflüssige Niederlage gefunden. Der schludrige Schlendrian ist schuld.