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Schule daheim ist digital

Mit einer LernApp haben Grundschüler wie Helene und Hannes auch zu Hause Spaß und Erfolg. Aber ihre Freunde fehlen.

Jana Schulz im Homeoffice mit ihren Kindern Helene und Hannes. Gemeinsam gehen sie die Aufgaben am Tablet durch.
Jana Schulz im Homeoffice mit ihren Kindern Helene und Hannes. Gemeinsam gehen sie die Aufgaben am Tablet durch. © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser/Sagar. Das Tablet ist derzeit eines der wichtigsten Geräte im Haushalt von Familie Schulz. Sehr zur Freude von Helene (6) und Hannes (8). Seit ihre Grundschule in Sagar wegen der Allgemeinverfügung des Freistaats zu Corona geschlossen ist, lernen die Kinder zu Hause. Mit Arbeitsblättern, Büchern und Heften – und neuerdings eben auch mit dem Tablet.

Eine LernApp macht‘s möglich. Sie ist in den Grundfunktionen kostenlos nutzbar und unterstützt Schüler der 1. bis 8. Klasse in Deutsch, Mathe, Sachkunde und Musik beim Lernen. „Eine feine Sache“, findet Jana Schulz. Die Marketing-Mitarbeiterin des Kurhotels Bad Muskau arbeitet im Homeoffice. „Das habe ich aber auch vor Corona schon“, erzählt die 43-Jährige. Insofern sei die jetzige Situation keine allzu große Umstellung für sie. Neu sei allerdings, dass auch die Kinder zu Hause sind und beim Lernen mehr oder weniger unterstützt und beaufsichtigt werden müssten. Das sei dann eben doch noch etwas anderes.

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LernApp ergänzt Arbeitsblätter

Helene und Hannes haben von der Grundschule Sagar Arbeitsblätter bekommen und arbeiten diese bei freier Zeiteinteilung gewissenhaft ab. „Doch so ganz alleine ohne ihre Mitschüler zu Hause zu lernen, da kann schon mal die Motivation leiden“, hat ihre Mutti festgestellt. Das änderte sich schlagartig, seit ihre Kinder die LernApp nutzen. Sie sind mit Eifer dabei.

Und nicht nur sie. Die Mutti von Hannes und Helene hat die Lehrerinnen ihrer Kinder auf die LernApp aufmerksam gemacht. Das sei eine gute Ergänzung zu den ausgegebenen Lernmaterialien, befinden beide. Der Vorschlag, die App zu nutzen, kam auch bei den anderen Eltern gut an. Dennoch sei es nicht ganz einfach, sagt Iris Berger. „Weil die Voraussetzungen in den Familien ganz unterschiedlich sind. Technischer Art, aber eben auch, weil einige Eltern arbeiten gehen“, begründet Helenes Klassenlehrerin der ersten Klasse. „Außerdem ist das selbstständige Arbeiten am Computer für Erstklässler noch mehr als ungewohnt“, weiß Iris Berger. Daher sei es wichtig, dass die Eltern anfangs gemeinsam mit ihren Kindern die LernApp nutzen. So hat es auch Jana Schulz gemacht. Inzwischen sind Helene und Hannes schon alleine richtig fit darin.

Schüler erfahren Bestätigung

„Der Computer lockt die Kinder zu einer anderen Lernform“, sagt Hannes‘ Lehrerin Sabine Slawe von der zweiten Klasse. In der App legen die Pädagogen jeweils eine virtuelle Klasse an. Die Schüler wählen sich mit einem Code ein und lösen Aufgaben – zur Belohnung heimsen sie Taler ein, die sie für Konzentrationsspiele verwenden können. Die Lehrerin sieht die Ergebnisse und kommentiert diese. „So bekommen die Kinder in der App sofort eine Rückmeldung und verlieren nicht so schnell die Lust an den Aufgaben zu Hause“, erklärt Iris Berger. Nach Rücksprache mit den Eltern der ersten und der zweiten Klasse haben die Lehrerinnen über eine Zusatzfunktion der App die Kinder in Gruppen eingeteilt. „Diejenigen, denen das Lernen leichter fällt, bekommen zusätzliche Aufgaben, andere Kinder werden durch weitere Übungen gefördert“, begründen sie.

In der Grundschule Sagar sind fast alle Schüler bei der LernApp angemeldet. „Die Kinder sind entspannter“, hat Sabine Slawe festgestellt. Sie nutzt die App auch mit den Kindern in der Notbetreuung. Die digitale Lernform ersetzt aber nicht die herkömmlichen Arbeitsblätter. Die ersten bekamen die Kinder mit der Aussetzung der Schulpflicht, inzwischen wurden weitere Aufgaben per Mail an die Eltern versandt. Die Lehrerinnen halten Kontakt zu den Familien. Sollte es Fragen geben, können sich die Eltern jederzeit an sie wenden. Kontrolliert werden die Arbeitsblätter aber erst, wenn die Schule wieder losgeht. Es sei nicht anders händelbar, heißt es. Umso schöner sei es für die Kinder, dass sie in der LernApp sofort Erfolg und Bestätigung erfahren.

Immer dann, wenn ihre Kinder mit der LernApp beschäftigt sind, könne sie sich ihren beruflichen Pflichten widmen, erzählt Jana Schulz. Es erfordere viele Kompromisse, wenn Eltern im Homeoffice arbeiten und ihre Kinder gleichfalls im Homeoffice lernen (sollen). „Da braucht es aber auch Selbstdisziplin“, sagt sie. Und dass sie froh darüber ist, in der Zeit vor Corona dafür eine gewisse Routine entwickelt zu haben.

Schultag zu Hause ist entspannter

Schule zu Hause, das ist kein regulärer Schultag. Bei Familie Schulz hat sich das ganz schnell gezeigt. Normalerweise verlassen Helene und Hannes spätestens halb acht das Haus. Ihre Mutti bringt sie nach Sagar, wo um acht der Unterricht beginnt. „Jetzt zu Hause haben wir keine festen Zeiten für die Schulaufgaben“, erzählt Jana Schulz. Die Kinder lernen am Vormittag, dann geht es zwischendurch mal raus zum Spielen auf dem eigenen Grundstück, nach dem Mittagessen werde am Nachmittag wieder etwas für die Schule gemacht. „Für die Kinder ist es angenehmer, weil es entspannter läuft“, schätzt die Mutti ein.Eigentlich geht Hannes einmal die Woche in die Musikschule. Aber auch die ist ja jetzt geschlossen. Also spielt er zu Hause Klavier. Dafür habe er Noten bekommen. Hauptsächlich Wiederholungen.

Mit älteren Schülern schwerer

Schule zu Hause klang für viele Kinder anfangs ganz cool. Doch nach zwei Wochen mischt sich nicht nur bei Familie Schulz zuweilen Traurigkeit in den Alltag. Helene und Hannes vermissen ihre Freunde. Trotzdem hätten sie noch Glück, findet ihre Mutti. „Sie sind Geschwister und spielen auch miteinander. Das ist ja nicht überall so“, sagt sie. Langeweile käme da nicht auf.Obwohl die Situation entspannt erscheint, ist sie für alle nicht ganz leicht. Dennoch kann Jana Schulz dem etwas Gutes abgewinnen. „Wir bekommen einen viel tieferen Einblick, wie unsere Kinder lernen, wie sie sich etwas erarbeiten. Das hätten wir sonst nur über Hausaufgaben nie erfahren“, erklärt sie. Dann räumt sie ein, dass es sicher einen Unterschied mache, ob es sich um Grundschüler handelt oder beispielsweise um Sechst- oder Achtklässler. Mit dem Unterrichtsstoff in Chemie, Physik, Mathe oder Fremdsprachen stoßen Eltern älterer Schüler zu Hause sicher an ihre Grenzen. Manche Schüler bestimmt auch, sagt Jana Schulz.

Ihr Mann Thomas Schulz, ebenfalls im Marketing tätig, arbeitet zum Schutz vor Corona ebenfalls teilweise im Homeoffice. Die Familie geht, sooft es die Allgemeinverfügung des Freistaats zulässt, an die frische Luft. Ansonsten halten sich die vier – wie empfohlen – zu Hause auf. „Wir kochen jeden Tag und backen oft“, erzählt Jana Schulz. Die Decke sei ihnen bis jetzt jedenfalls noch nicht auf den Kopf gefallen.

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