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Schule feiert Schnapszahl

Vor 111 Jahren wurde die heutige Bertsdorfer Grundschule eingeweiht. Für ihre Verfechter ein weiterer Grund, zu kämpfen.

© SZ Thomas Eichler

Von Gesine Schröter

Fleißig sei er nicht unbedingt gewesen, dafür sei ihm vieles zugeflogen. Gert Kunath klappt die Schreibfläche der alten Schulbank um, die zwischen lauter Tafeln im Eingangsbereich steht, und erklärt, wie auch er als kleiner Steppke einst hier im Klassenzimmer gesessen hat. Auf viele andere Bertsdorfer, Hörnitzer und sogar Jonsdorfer trifft das auch zu, doch Kunath ist mit dieser Grundschule so verwurzelt wie nur wenige. Lediglich vier Jahre war er nicht hier, in denen hat er sich zum Lehrer ausbilden lassen. Danach kam er in sein Heimatdorf zurück und begann 1973, als Unterstufenlehrer zu arbeiten. Knapp 20 Jahre später wurde er Schulleiter und befindet sich nun mit seinen 62 Jahren im Vorruhestand. „Geschichte war immer meine Welt“, sagt Kunath. Kein Wunder also, dass er der Organisationsleiter der Jubiläumsausstellung ist, die ab Sonnabend in der Bertsdorfer Schule gezeigt wird. Denn die ist 1903, vor ganzen 111 Jahren, als sogenannte Zentralschule eingeweiht worden. Die damals 330 schulpflichtigen Kinder im Dorf passten nicht mehr in die Kirchschule und die obere Schule nahe der Ressel-Schmiede. In nur 15 Monaten wurde der Bau hochgezogen – ziemlich schnell für die Jahrhundertwende.

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Um die Entwicklung des Hauses über die Epochen hinweg nachzuzeichnen, hat Kunath schon vor Monaten Leute aufgerufen, seit März Fotos geklebt, Material gesammelt und gesichtet. Tafeln mit Ausflugsdokumentationen und Werken aus dem Zeichenunterricht der Sechziger stapeln sich zu Hause in seiner Garage. Das ist aber nur der Anfang. „Unsere wahre Fundgrube ist der Schulboden“, sagt der Ex-Direktor, während er die Holztür zum Dachgeschoss der Schule aufschließt. Im ehemaligen Werkraum ist schon alles in Stapeln nach Etappen geordnet: Jahrhundertwende. Kaiserzeit. Poesiealben aus der Weimarer Republik. Ein paar Dokumente aus der Nazizeit. Schülerarbeiten und großformatige Fotos von brav lernenden Sitznachbarn in der DDR und vieles mehr. „Wir wollen, dass die Leute sich wiedererkennen und sich die alten Schulgeschichten erzählen“, sagt Kunath. Im Gang des ersten Stocks sowie in zwei Klassenzimmern werden ab heute die ausgesuchten Schätze drapiert, bevor es am Sonnabend richtig losgeht. „Ich hoffe, es passt alles hin“, lacht Kunath.

Für den passenden Rahmen zur Ausstellungseröffnung sorgt indessen der Förderverein der Schule mit einem zweitägigen Schulfest. Alles, was bei Kuchenrad, Versteigerung und Co. an Geld eingespielt wird, kommt dem Verein und damit der nach wie vor von der Schließung bedrohten Schule zugute. „Sie ist beliebt“, wirbt Kunath für deren Erhalt. „Nicht nur, weil sie als Dorfschule so schön übersichtlich ist, sondern eben auch so wunderbar altehrwürdig.“

Die Ausstellung „111 Jahre Bertsdorfer Schule“ vom 21. bis 28 Juni ist Sonnabend und Sonntag, 11 bis 19 Uhr, und von Montag bis Freitag zwischen 14 und 18 Uhr im Schulhaus, Hauptstraße 115, zu sehen. An allen Tagen ist eine Kaffeestube geöffnet. Zum Auftakt lädt der Schulförderverein an diesem Wochenende zu einem Fest ein, mit buntem Treiben, Versteigerungen von „Schulbodenraritäten“, Frühschoppen, Kinderfest, Kuchenrad, Kaffee, Comedy und Musik.