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Schule: So ungleich sind Bildungschancen in Dresden

In Prohlis, Gorbitz und Johannstadt haben es nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund an den Schulen schwer. Was Dresden dagegen tun will.

Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist in Dresden immer noch gering.
Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist in Dresden immer noch gering. © dpa

In welchen Stadtteilen gibt es die größten Herausforderungen?

Migrationshintergrund und soziale Ungleichheit sind doppelte Herausforderungen.  Tendenziell leben mehr Schüler mit Migrationshintergrund in Vierteln mit stärkerer sozialer Belastung. Zu ihr zählen etwa Arbeitslosigkeit und Hartz-IV-Bezug. Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund gibt es einige in Dresden. Besonders hoch ist er mit rund 50 Prozent an der 101., 30. und 46. Oberschule, in der Johannstadt, Neustadt und Südvorstadt. Oft gäbe es einen großen Anteil von Migranten in Stadtteilen mit hoher Arbeitslosigkeit oder vielen Alleinerziehenden, erklärt die Stadt. 

Wie viele Kinder haben einen Migrationshintergrund in Dresden?

Der Anteil der Flüchtlingskinder ist insgesamt immer noch gering. Rund 7.500 Kinder mit Migrationshintergrund lernen an Dresdner Schulen. An den Grundschulen sind es im Durchschnitt für die ganze Stadt rund 14 Prozent, an den Oberschulen 13 und an den Gymnasien rund 10 Prozent. Die Familien sind aber sehr unterschiedlich auf die Stadt verteilt, so gibt es in Vierteln wie Prohlis, Gorbitz, Cotta oder der Johannstadt durchschnittlich 24 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. 

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Wo liegen die größten Probleme für Lehrer und Schüler?

In manchen Dresdner Vierteln wie Gorbitz, Prohlis oder Johannstadt gibt es Gebiete, in denen teilweise sowohl sozial schwache Familien als auch viele mit Migrationshintergrund wohnen; dort gibt es große Lernschwierigkeiten. 50 Prozent der Kinder aus diesen Vierteln sind etwa bei der Untersuchung vor der Einschulung sprachlich auffällig. 

Ein weiteres Problem: Kinder mit Migrationshintergrund besuchen laut Dresdner Bildungsbericht seltener eine Kita als andere Kinder. Bei den unter Dreijährigen gehen nur rund 30 Prozent in eine Kita, bei den unter Sechsjährigen sind es 80 Prozent. Zum Vergleich: Bei den unter Sechsjährigen Kindern ohne Migrationshintergrund besuchen 99 Prozent die Einrichtungen. 

Auch in den Schulhort gehen Flüchtlingskinder seltener. Hier sind es rund 71 Prozent. Im Vergleich dazu besuchen 93 Prozent der übrigen Kinder den Hort. Ein fehlender Kita- oder Hortbesuch kann sich negativ auf das Sozialverhalten sowie auf sprachliche und emotionale Fähigkeiten auswirken. 

"Der aktuelle Dresdner Bildungsbericht weist die soziale Segregation sowohl einzelner Stadtteile als auch ganz konkreter einzelner Einrichtungen nach", sagt der bis Samstag amtierende Bildungsbürgermeister Peter Lames (SPD). An diesen Orten würden sich alle sozialen Problemlagen konzentrieren. "Sie wirken benachteiligend auf Bildungschancen und Lebenschancen von Kindern. Ob mit oder ohne Migrationshintergrund", so Lames.

Auch ein Ergebnis des Bildungsberichtes: Kinder mit Migrationshintergrund verlassen die Schule etwa doppelt so häufig ohne Abschluss als diejenigen ohne. Mädchen und Jungen aus Einwandererfamilie machen laut Stadt seltener einen Schulabschluss und wenn, dann eher einen Hauptschulabschluss. Doch, und das ist der Stadt wichtig: "Unterschiede zwischen den Kindern lassen sich nicht nur durch den Migrationshintergrund erklären, sondern sind auch durch die soziale Herkunft bedingt." 

Was tut die Stadt zur Lösung der Probleme?

Die Stadt will und hat in den letzten Jahren in den Kitas, die in schwierigen Vierteln liegen, den Betreuungsschlüssel verdoppelt. Ein weiterer Weg sind die Familienklassenzimmer an acht Schulstandorten. Dort betreuen Familien-Therapeuten Familien mit dem Ziel, dass die Kinder nicht sitzenbleiben oder in das Förderschulsystem wechseln müssen. 

Außerdem gibt es derzeit an über 70 Schulen rund 90 Schulsozialarbeiter. Alle Oberschulen haben einen. Die Stadt weiß das, was auch Eltern, Lehrer und Politiker immer wieder fordern: Ein Bedarf besteht an allen Schulen. Unter anderem an der 102. Grundschule, 139. Grundschule, 46. und 121. Oberschule gibt es außerdem Kulturdolmetscher, die vermitteln. 

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Dass die Politik etwas tun muss, weiß auch das Rathaus. "Wir stehen dieser Situation keinesfalls hilflos gegenüber. Wir müssen das umsetzen, was vom Stadtrat schon vor längerer Zeit beschlossen wurde: eine integrierte Bildungsplanung", so Lames. Integrierte Bildungsplanung heißt eine Zusammenarbeit mit Stadtplanung, Jugendhilfe, Sportförderung und kultureller Bildung.  

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