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Schule für Seepferdchen, Silber-, Goldfische

Schwimmmeister Uwe Mickel leitet die Schwimmkurse im Waldbad Wittichenau – und hat auch für Erwachsene Tipps

Uwe Mickel mit einem Seepferdchen-Pass: Lohn für ein Kind, das bei ihm im Waldbad Wittichenau die Grundzüge des Schwimmens erlernt hat.
Uwe Mickel mit einem Seepferdchen-Pass: Lohn für ein Kind, das bei ihm im Waldbad Wittichenau die Grundzüge des Schwimmens erlernt hat. © Foto: Uwe Jordan

Wittichenau. Achtung, Kinder; alle ins Klassenzimmer!“ Uwe Mickel ruft’s mit markiger Stimme, wie sie ein Schwimmmeister haben muss, dessen Anweisungen auch im größten Badetrubel gut zu verstehen sein sollen. Das Klassenzimmer ist in diesem Fall die offene Holzhütte am Südwest-Ufer des Waldbades Wittichenau. Aber heute wird nichts mehr gelehrt oder gelernt, denn es ist der Tag der Ernte. Tag der Zeugnis-Übergabe. Der Bescheinigungen, dass der oder die Geprüfte fortan ein Seepferdchen ist, ein Bronze-Freischwimmer oder „Silberfisch, also das Deutsche Schwimmabzeichen in Silber hat – alles nach erfolgtem Examen laut den Richtlinien der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, der DLRG. Uwe Mickel nimmt sich Zeit für jeden einzelnen Prüfling; gratuliert, gibt aber auch mit auf den Weg, was verbessert werden kann und verbessert werden sollte.

Hausaufgaben in den Ferien

Die Ferien-Schwimmkurse im Waldbad Wittichenau sind sehr beliebt. Schon kurz nach Bekanntgabe der Termine sind sie ausgebucht. Dieses Jahr ist also gar nichts mehr frei. Die meisten Kinder sind begeistert dabei – auch wenn Uwe Mickel manchmal streng ist. Muss er, denn Schwimmen-Lernen ist eine ernste Sache, von der das Leben abhängen kann. Da ist Schludrian fehl am Platze. Im Gegenteil: „Auch wenn es Ferienzeit ist: Ich sage den Kindern, dass ein Schwimmkurs Schule ist.“ An dessen Abschluss zählt die vollbrachte Leistung (oder eben Nicht-Leistung ...). Um das „Klassenziel“ zu erreichen, wird nicht nur im Bad geübt, sondern es gibt auch Hausaufgaben: Die Kinder sind gehalten, daheim Trocken-Übungen zu machen. Arm- und Beinbewegungen sollen gewissermaßen automatisch ablaufen. Wie ja ein Fahrschüler auch das Fahrzeug technisch „im Schlaf“ beherrschen sollte, um sich auf die Straßenverkehrssituation zu konzentrieren.

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„Schwimmen-Lehren ist das Schönste an meinem Beruf“, bekundet Uwe Mickel. Gerade darum betrachtet er mit Besorgnis, dass der Prozentsatz der Kinder, die schwimmen können, deutschlandweit nicht steigt – im Gegensatz zur Zahl der Badeunfälle mit zum Teil tragischem Ausgang. Eins hat mit dem anderen zu tun. Warum? Nun, Schwimmunterricht an der Schule findet (obwohl gesetzliche Pflicht!) manchenorts nur sporadisch statt. Geschlossene Hallen, nicht vorhandene Freibäder, zu lange Anfahrtswege, um einen effektiven Unterricht zu gestalten – Begründungen, die angesichts der Bedeutung, die Schwimmen-Können hat, nicht zählen dürften. Hinzu kommt, dass Eltern dem Thema nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen. Resultat: siehe weiter vorn.

Ganz anders natürlich die Wittichenauer Eltern, die ihre Kinder zu den zweiwöchigen Kursen anmelden, oft Jahr für Jahr, Stufe für Stufe aufbauend vom Seepferdchen bis zum Goldfisch – oder sogar Rettungsschwimmer. Diese anspruchsvolle und langfristige Ausbildung findet allerdings in Kamenz statt, „dafür habe ich hier nicht die Zeit“, sagt Uwe Mickel ein bisschen bedauernd.

In den Ferien vor der ersten Klasse

Ab wann sollte man ein Kind zum Schwimmenlernen schicken? „Ideal ist die Ferienzeit vor dem ersten Schuljahr“, sagt Uwe Mickel. Das Kind muss nicht nur körperlich „so weit“ sein, sondern auch die geistige Reife besitzen, um zu verstehen, was der Schwimmlehrer will. Gewiss gibt es frühe Talente, aber gefestigte Schwimmkenntnisse setzen ein gewisses Alter voraus – dann aber sollte das Schwimmenlernen auch fest ins Auge gefasst werden.

Noch etwas ist Uwe Mickel wichtig: „Ein Bronze-Freischwimmer oder gar ein «Seepferdchen» sind noch keine gefestigten Schwimmer. Auch wenn sie die Prüfung absolviert haben, müssen sie dranbleiben. Und das heißt nicht, also heißt nicht nur, im nächsten Jahr beim nächsten Kurs zur nächsthöheren Stufe dabei sein. Das heißt: Regelmäßig schwimmen!“ Mindestens einmal im Monat. Schwimmen, nicht planschen. Schwimmen auch im Winter, dann freilich in einer Halle. „Da müssen die Eltern ganz einfach mitziehen, sonst ist alle Mühe vergebens gewesen.“

Flüsse sind am heimtückischsten

Auch wer „richtig“ schwimmen kann, muss im Freien viel Vorsicht walten lassen. Denn Wellen und Strömungen, „die haben wir hier nicht im Schwimmbad“. Schon an einem größeren See können Verhältnisse herrschen, die einen vorwitzigen Anfänger in Uferferne überfordern. Gar erst das Meer! Am heimtückischsten aber sind Flüsse mit ihren unterirdischen Strudeln, Sögen und sonstigen unberechenbaren Wasserbewegungen. Übrigens ist gerade bei Niedrigwasser wie etwa in der Elbe die Gefahr am größten, denn dann sind die Fließgeschwindigkeiten am höchsten. Eine Mahnung auch an Erwachsene: Übermut tut selten gut, und Sich-selbst-Überschätzen heißt Sich-selbst Gefährden.

Anmeldungen ab Mai 2021

Aber noch mal zu den Wittichenauer Schwimmkursen, Grundlage, sich einmal sicher im Wasser bewegen zu können: Kann man für sein Kind schon einen Kurs fürs nächste Jahr buchen? „Nein“, sagt Uwe Mickel entschieden. Wenn über eine so lange Zeit sich die Urlaubsplanung der Familie ändert, bleibt womöglich ein angemeldeter Platz frei – und nimmt einem anderen Kind die Möglichkeit. „Im Mai, so um den 10. rum, werde ich die Anmeldungen für 2021 annehmen; das wird noch rechtzeitig bekannt gegeben. Aber dann rate ich, schnell zu sein, denn schon am 15. kann es sein, dass alle Plätze vergeben sind.“

Damit man sich bis dahin wenigstens theoretisch mit dem vertraut machen kann, was es braucht, um eine Schwimmprüfung zu bestehen, haben wir unten einmal aufgelistet, was dafür in den einzelnen Stufen verlangt wird.

Was man fürs Schwimmabzeichen können muss

  • Seepferdchen (Frühschwimmer): Sprung vom Beckenrand, 25 m Schwimmen, Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser. Baderegeln-Kenntnis.
  • Bronze (Freischwimmer): ca. 2 m Tieftauchen mit Heraufholen eines Gegenstandes; Sprung vom Startblock oder 1-m-Brett, Kopfsprung vom Beckenrand und 15 Minuten Schwimmen (mindestens 200 m, davon 150 m in Bauch- oder Rückenlage, 50 m in der anderen Körperlage). Kenntnis von Baderegeln.
  • Silber: Kopfsprung vom Beckenrand und 20 Minuten Schwimmen (mindestens 400 m, davon 300 m in Bauch- oder Rückenlage, 100 m in der anderen Körperlage), 10 m Streckentauchen mit Abstoßen vom Beckenrand im Wasser; zweimal ca. 2 m Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen je eines Gegenstandes, Sprung aus 3 m Höhe oder zwei verschiedene Sprünge aus 1 m Höhe. Kenntnis von Baderegeln und zur Selbstrettung (Verhalten bei Erschöpfung, Lösen von Krämpfen).
  • Gold: Kopfsprung vom Beckenrand und 30 Minuten Schwimmen (mindestens 800 m, davon 650 m in Bauch- oder Rückenlage und 150 m in der anderen Körperlage; Startsprung und 25 m Kraulschwimmen; 50 m Rückenschwimmen;10 m Streckentauchen ohne Abstoßen vom Beckenrand); dreimal ca. 2 m Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen je eines Gegenstandes innerhalb von 3 Minuten; ein Sprung aus 3m Höhe oder zwei verschiedene Sprünge aus 1 m Höhe; 50 m Transportschwimmen: Schieben oder Ziehen; Startsprung und 50 m Brustschwimmen in max. 1:15 Minuten. Kenntnis von Baderegeln und Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen (Selbstrettung, einfache Fremdrettung).
  • Rettungsschwimmer: gesonderte Prüfungsordnung in mehreren Stufen.

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