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Schüler bereiten sich auf das Lernen zu Hause vor

Die Schulpflicht ist ausgesetzt. Das stellt die Lehrer im Raum Niesky vor neue Herausforderungen. Auch in die Kitas kommen weniger Kinder.

Von Steffen Gerhardt
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Wie an der Grundschule in Niesky hängt seit Montag an den Bildungseinrichtungen ein Informationszettel zur Notbetreuung und Schulschließung.
Wie an der Grundschule in Niesky hängt seit Montag an den Bildungseinrichtungen ein Informationszettel zur Notbetreuung und Schulschließung. © André Schulze

Manche Mutter und mancher Vater habe es kommen sehen. Aber als sie ihre Kinder Montagfrüh in die Kita brachten, war das Gewissheit: "Die Kita bietet ab sofort nur noch eine Notbetreuung an!" So stand es an den Eingangstüren der städtischen Kindereinrichtung in Niesky sowie See und Kosel. Verbunden mit dem Hinweis, dass Kinder, deren Eltern beide im medizinischen Bereich, bei der Feuerwehr, Polizei oder Versorgung arbeiten, erst einmal weiter betreut werden. Für alle anderen Kinder wird von der Stadt um eine Betreuung zu Hause gebeten.

Für die Stadt Niesky ist diese Festlegung eine der notwendigen Vorsorgemaßnahmen im Kampf gegen das schnelle Ausbreiten des Coronavirus. Am Montagnachmittag traf sich Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann mit den Leiterinnen der städtischen Kindereinrichtungen, um das weitere Vorgehen abzusprechen, auch was die Notbetreuung und den Personaleinsatz dafür betrifft. 

DRK lässt Kitas offen

Reagiert hat auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes Görlitz Stadt und Land auf die veränderte Situation. Bereits am Sonntag hieß es auf der Internetseite und Facebook vom DRK:  Alle elf Kinder-Einrichtungen unseres Kreisverbandes haben morgen geöffnet! Das bestätigte am Montag Vorstand Janet Schulz. "Auf Grund mehrerer Anfragen und der von uns bemerkten Unsicherheit haben wir uns zu dieser Mitteilung an die Eltern entschlossen."

Das wurde am Montagnachmittag noch einmal bekräftigt, in dem der Vorstand mitteilte: "Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass unsere Kindertagesstätten und Horte weiterhin geöffnet sind." Verbunden mit dem Hinweis, dass sich der Kreisverband des Roten Kreuzes an die Empfehlungen und Weisungen des Freistaates Sachsen halten wird. Bei notwendigen Änderungen werden die Eltern schnellstens informiert.

Somit läuft beim Görlitzer DRK erst einmal alles so weiter wie bisher, was die Betreuung von Kindern betrifft. Der Kreisverband unterhält Kindereinrichtungen unter anderem in Niesky, Horka, Königshain, Sohland a.R., Ostritz, Reichenbach und mehrere in der Stadt Görlitz. 

Mücka schränkt ein, Jänkendorf bleibt offen

In den kommunalen Kindereinrichtungen wird mit der Empfehlung auf Notbetrieb umzusteigen, recht unterschiedlich umgegangen. In Mücka wurden wie in Niesky die Eltern über einen Aushang am Montagmorgen darüber informiert, dass die Kita nur eine Notversorgung absichert. Leiterin Kerstin Kiese sagte, dass von den 25 Mädchen und Jungen, die sonst die Kita besuchen, am Montag nur zehn von ihren Eltern gebracht wurden.  "Die Eltern müssen sich die eigene Betreuung erst organisieren, aber ich gehe davon aus, dass die Zahl der Kinder sich weiter verringern wird", so die Leiterin. Sie sieht eine Notbetreuung weiter als notwendig an. Es sei denn, das Land verfügt eine generelle Schließung alles Kitas.     

"Das Kinderschloss bleibt zumindest am Dienstag noch für alle Kinder offen", sagt Leiterin Monika Künast. Einschränkungen gab es in der zentralen Kindereinrichtung für die Gemeinde Waldhufen weder am Montag noch wird es sie am Dienstag geben. Die Leiterin weiß aber auch, dass sich das täglich ändern kann. "Wir sind im engen Kontakt mit der Gemeinde und reagieren sofort, wenn es eine andere Lage gibt", ergänzt Monika Künast.   

Dass Eltern schon nach alternativen Betreuungen sich umgeschaut oder selbst dafür gesorgt haben, zeichnete sich in Jänkendorf bereits am Montag ab. "Wir hatten 17 Kinder weniger zur Betreuung als noch in der Vorwoche", sagt die Kita-Chefin. Kommt es zur generellen Schließung, dann müssen sich alle Eltern um ihren Nachwuchs kümmern. Aber am Montag wurde den Kitas dazu noch kein Termin genannt. 

Schulen sichern Betreuung

Die Schulen informierten bereits am Wochenende auf ihren Internet-Seiten, wie es mit dem Unterricht am Montag weitergeht. Von der Oberschule Niesky heißt es: "Wenn es möglich ist, lassen Sie Ihre Kinder bitte ab Montag zu Hause. Wenn dieses aus verschiedensten Gründen nicht möglich ist, wird eine Betreuung in der Schule gesichert. Unterricht findet nicht statt." 

Um die Übersicht nicht zu verlieren, hat Schulleiter Norbert Kavel angewiesen, dass die Eltern ihren Kindern einen Zettel mitgeben, von wann bis wann in der Schule eine Betreuung stattfinden soll. Dazu müssen sich die Oberschüler im Sekretariat an- und wieder abmelden. "Wir müssen wissen, welche Kinder sich im Schulhaus aufhalten", so Kavel.

Die große Herausforderung an die Lehrerschaft besteht nun darin, die Schüler mit Wissen zu versorgen, auch wenn sie daheim bleiben müssen. "Der Unterricht wird zu Hause stattfinden. Die Aufgabenstellungen werden über das Internet bekannt gegeben. Über die Art und Weise werden wir Sie auf unserer Homepage informieren", schrieb die Schulleitung in einem Elternbrief bereits am Sonntag. Wenn die Internetnutzung nicht möglich ist, will die Oberschule andere Wege für den Informationsfluss finden.  

Zu Hause büffeln ist Pflicht

Schulleiter Norbert Kavel sagt aber auch, dass "wir noch Zeit zum Organisieren brauchen und noch nicht wissen, wie lange wir diese in der Schule noch haben". Eingebunden in das Erarbeiten der "Fernaufgaben" sind alle Lehrer der Oberschule. Das gleiche Problem steht auch vor der Lehrerschaft der Oberschule Kodersdorf. "Für uns Lehrer heißt es, dass die Arbeit weitergeht", sagt Schulleiterin Kathrin Engelmann.

Die Kodersdorfer Oberschüler werden fortlaufend mit Aufgaben versorgt. Diesem Anspruch stellt sich das Lehrerkollegium. Zumal der Auftrag  des Kultusministeriums lautet, dass die Oberschüler vier Stunden am Tag für das Lernen und Erledigen der Hausaufgaben aufwenden sollen. Wie das personell sichergestellt wird, darüber wurde in der Lehrerkonferenz am Montag beraten, um jeden Schüler in der unterrichtsfreien Zeit mit Aufgaben zu versorgen.  

Das Zuhausebleiben hatte an der Oberschule Kodersdorf bereits gestern die Runde gemacht. Von den rund 330 Oberschülern waren nur 18 in die Traugott-Gerber-Oberschule gekommen. Die meisten von ihnen kamen nur, um sich zu informieren, wie es weitergeht. "Das sollen Eltern und Schüler auch die kommenden Tage auf der Homepage unserer Schule machen", rät die Schulleiterin zum täglichen Blick auf die Seite.

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