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Die Schule fängt an: Zeigt, dass ihr es könnt

In Sachsen beginnt am Montag wieder der Unterricht, trotz Corona im Regelbetrieb. Doch ohne schnelle Digitalisierung werden wir das nicht schaffen. Ein Leitartikel.

Andrea Schawe ist Redakteurin im Ressort Politik/Sachsen.
Andrea Schawe ist Redakteurin im Ressort Politik/Sachsen. © Jonas Güttler/dpa/SZ

Von Normalität spricht keiner. Sie ist auch weit entfernt. Stattdessen ist vom Regelbetrieb die Rede – nach Monaten mit geschlossenen Schulen, mit Unterrichtsausfall und Kontaktbeschränkungen soll jetzt alles irgendwie wieder in geregelten Bahnen ablaufen. Zumindest was die Präsenz der Schüler zum Unterricht in der Schule angeht. Wer erwartet, dass alles läuft wie vor der Corona-Pandemie, wird schwer enttäuscht werden.

Im Schuljahr 2020/21 kommen neue Regeln dazu: Hände waschen und desinfizieren, Klassenräume regelmäßig belüften, die tägliche Dokumentation aller in der Schule tätigen Personen sowie Einbahnstraßenregelungen, um den Schülerverkehr auf den Fluren, in der Mensa, in den Sporthallen zu kontrollieren. In vielen Schulen werden Schüler und Lehrer während der Pausen eine Maske tragen müssen. Das ist die neue Normalität, mit der alle umzugehen lernen müssen.

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Es wird knirschen und knacken, sicher. Zu wenige Waschbecken für alle, Fenster, die sich nicht öffnen lassen, nicht genügend Reinigungspersonal und Lehrer die fehlen, weil sie zur Risikogruppe gehören – all das wird den Schulalltag erschweren. Es wird auch Eltern und Schüler geben, die eine Maske ablehnen. Schulleiter können sich auf Diskussionen einstellen.

Schulalltag gibt Struktur und Halt

Trotzdem ist die Rückkehr zum Präsenzunterricht die richtige Entscheidung. Die Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sie ist auch ein Ort der sozialen Kontakte, des Austauschs und des Zusammenseins mit Gleichaltrigen. Der Schulalltag gibt allen Struktur und Halt. Und der Wunsch nach Alltag und Gewohnheit, danach, Schule wieder als berechenbar und verlässlich zu erleben, ist riesig.

Deswegen brauchen wir auch in Zeiten einer Pandemie verlässlich geöffnete Kindergärten, Schulen und Berufsschulen. Je kleiner die Kinder sind, umso mehr sind sie auf den direkten Kontakt mit ihren Betreuern und Lehrern angewiesen. Sollte sich das Infektionsgeschehen verändern und es in Sachsen wirklich wieder zu einem Lockdown kommen, muss gelten: Kitas und Schulen zuletzt. Die Folgen von andauernden Schulschließungen sind für die Kinder und Familien nicht tragbar.

Aber das Virus ist nicht weg, und wird es auch so schnell nicht sein. Niemand kann vorhersehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen bedeutet deswegen auch, dass immer wieder einzelne Klassen, Lerngruppen oder sogar Schulen wegen einer Infektion oder eines Verdachtsfalls regional und zeitlich begrenzt in den Fernunterricht wechseln müssen.

Vier-Stufen-Plan regelt Vorgehen

Sachsen hat dafür schon vorzeitig ein Konzept entwickelt und das auch kommuniziert. Im Vier-Stufen-Plan des Kultusministeriums ist genau beschrieben, ab welcher Infektionsschwelle die Kontakte ermittelt, getestet und einzelne Kinder oder Gruppen in Quarantäne geschickt werden. Der Plan legt auch fest, wann auf Kreisebene vom Regelbetrieb auf gesteigerte Vorsichtsmaßnahmen mit Lernen zu Hause oder digitalem Unterricht umgestellt wird.

Dass das funktioniert, hat der Fall Augustusburg schon vor den Sommerferien gezeigt. Nachdem bekannt geworden war, dass eine Lehrerin am Gymnasium positiv auf das Coronavirus getestet wurde, hat das zuständige Gesundheitsamt schnell reagiert und die Schule für zwei Wochen geschlossen. Es folgten umfangreiche Tests aller Lehrer und Schüler der Einrichtung sowie in den beiden Seniorenheimen der Stadt. So konnte die weitere Ausbreitung der Infektion gestoppt werden. Die Schüler haben in der Zeit zu Hause weitergelernt.

Damit auch das zur neuen Normalität wird, müssen Schüler und Lehrer ganz selbstverständlich mit digitalem Unterricht umzugehen wissen. Die Versäumnisse der vergangenen Jahre waren während der Schulschließungen zu offensichtlich. Nur Arbeitsblätter in PDFs umzuwandeln und zu verschicken, ist nicht die Lösung. Sicher ist: Formen des digitalen Unterrichts müssen in Sachsen entwickelt und ausgebaut werden, die Lehrer brauchen Fortbildungen. Werkzeuge wie Erklärvideos, Videokonferenzen, kooperatives Arbeiten und Projektarbeit, Spiele und Quizze gehören heutzutage einfach zum Lernen dazu.

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