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Wie die Schulen den ersten Tag ohne Schulpflicht erlebten

Ab Mittwoch nun sind die Schulen komplett zu. Sie bereiten sich vor: Wie trotzdem Unterricht machen?

Von Susanne Sodan
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Hinweisschilder wie hier an der Tür der Grundschule in Niesky sieht man gerade häufig an sächsischen Schulen.
Hinweisschilder wie hier an der Tür der Grundschule in Niesky sieht man gerade häufig an sächsischen Schulen. © André Schulze

Im Joliot-Curie-Gymnasium leerten sich am Montagvormittag die Spinde. Die Schüler holten ihre Unterrichtssachen nach Hause. "Die Frage ist, wie wir jetzt Kontaktwege zu den Schülern schaffen", sagt Schulleiter Wolfgang Mayer. Wie also lässt sich Unterricht machen ohne Schule? Lernsax heißt das Zauberwort.

Leergefegt war das Joliot-Curie-Gymnasium am Montag nicht. Neben einigen Schülern waren auch die Lehrer da. In kleinen Gruppen konnten sie sich zu der Lernplattform Lernsax fortbilden. "Wir wollen die nächste Zeit sinnvoll für die Schüler gestalten", so Wolfgang Mayer. 

Tatsächlich ist das Interesse der sächsischen Schulen an dieser Internet-Plattform gerade groß, bestätigt Jens Drummer, Sprecher des Bautzener Standortes des Landesamtes für Schule und Bildung. So wurde kurzfristig Personal der Medienpädagogischen Zentren, zum Beispiel in Löbau und Bautzen, abgeordnet, um die Lehrer zu schulen. 

Schulen ab Mittwoch zu

Die Schulpflicht ist aktuell in Sachsen aufgehoben. Bis zum Ende der Osterferien ist unterrichtsfreie Zeit.  "Das Lehrpersonal ist anwesend, um die Betreuung für alle Schülerinnen und Schüler, für die kurzfristig keine Betreuung organisiert werden konnte, während der üblichen Öffnungszeiten sicherzustellen", teilte das Kultusministerium auf seinem Blog mit. Gerade in den Förderschulen sowie den Grundschulen ist das Betreuungsangebot stark angenommen worden, so Jens Drummers Eindruck vom Montag. "Das war zu erwarten", aufgrund des Alters der Kinder. 

Notbetreuung gibt es weiterhin

Eine Entscheidung, ab wann nach dem Aussetzen der Schulpflicht die Schulen und Kitas komplett geschlossen werden, werde im Laufe der Woche getroffen, hieß es zuletzt auf dem Blog des Kultusministeriums. Tatsächlich war es dann schon am Montagnachmittag soweit, das sächsische Kultusministerium teilte mit, dass Schulen, Kitas und die Kindertagespflege in Sachsen ab Mittwoch bis zum Ende der Osterferien geschlossen bleiben. Eine Notbetreuung soll es an Kitas sowie Grundschulen und Förderschulen geben, für Kinder, deren Eltern "in Bereichen der kritischen Infrastruktur tätig und aufgrund dienstlicher oder betrieblicher Gründe an einer Betreuung des Kindes gehindert sind", teilt das Kultusministerium auf seiner Website mit. 

Wie sich die Schulen vorbereiten

In der Melanchthon-Oberschule in Görlitz sah es bereits am Montag sehr ausgedünnt aus. Nur fünf Schüler waren da, erzählt Schulleiterin Uta Dietzel. Wie Wolfgang Mayer sagt auch sie: Unterrichtsfrei soll nicht lernfrei bedeuten. Für die Lehrer steht am Dienstag eine Schulung an, damit sie sicher mit der Lernplattform Lernsax umgehen können. "Zugangsdaten haben wir schon, das ging zum Glück ganz schnell", erzählt Uta Dietzel. Ab Mittwoch dann werden die Lehrer Aufgaben und Materialien für die Schüler einstellen, die diese vom heimischen Rechner aus abrufen können. Die Lehrer selbst werden ab Mittwoch, wie die Schüler auch, von zu Hause aus arbeiten, sagt Uta Dietzel. 

Auch ihre eigene Homepage wird die Schule nutzen, um Lernmaterialien bereitzustellen. Außerdem gibt es eine Plattform für die Abschlussklassen, auf denen Prüfungsarbeiten aus den vergangenen zwölf Jahren zu finden sein werden, mit denen die Absolventen üben können. Mit dem aktuellen Stand geht Uta Dietzel noch davon aus, dass die Abschlussprüfungen für die Zehntklässler normal stattfinden können. Aber darauf habe die Schule selbst letztlich keinen Einfluss, erklärt sie. Wie mit den Prüfungen umgegangen wird, ist Entscheidung des Freistaates. 

Freie Schulen halten sich an staatliche Empfehlungen

Neun Kinder sind da. Normalerweise sind es 84, die die DPFA-Regenbogenschule, zu der auch eine Kita-Gruppe im Vorschulalter gehört, besuchen. "Es war schwer abzuschätzen, wie viele kommen würden", sagt Schulleiter Matthias Müller. Zumal an der Regenbogenschule auch vergleichsweise viele polnische Kinder lernen -  und Polen seine Grenzen in der Nacht zu Sonntag geschlossen hat. 

Die DPFA-Regenbogenschule ist zwar eine freie Schule, "aber wir verhalten uns parallel zu den staatlichen Schulen", erklärt Matthias Müller. Genauso ist es bei der Freien Evangelischen Grundschule wie auch bei der Freien Evangelischen Oberschule, sagt Grundschulleiterin Cornelia Weckwerth.  Sie schätzt, etwa zehn Prozent der Kinder waren am Montag in der Schule. 

Wie es bei den Kitas aussieht

"Wir haben aktuell eigentlich noch für alle unsere Kinder offen", sagt eine Mitarbeiterin der Kita Samenkorn in der Görlitzer Altstadt am Montagvormittag. Viele Eltern kleinerer Kinder haben sich aber offenbar ebenfalls bereits entschieden, sie zu Hause zu behalten. Etwa zehn Kinder waren am Montagvormittag da, ein knappes Drittel schätzt die Mitarbeiterin. 

Sowohl am Montag, als auch am Dienstag sollten die Kitas eigentlich noch regulär geöffnet sein, erklärt Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministeriums Sachsen. "Wir haben aber Kenntnis bekommen, dass manche Bürgermeister das anders gehabt haben." Dass sie zum Beispiel schon auf eine Art Notbetrieb umgestellt hatten. Der gilt nun auf jeden Fall ab Mittwoch. 

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