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Schulhaus nimmt Form an

Im August will die Bonnewitzer Schule das Unterrichtsgebäude beziehen. Mehr Platz heißt aber nicht mehr Schüler.

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Das neue Unterrichtsgebäude der Heilpädagogischen Schule an der Wünschendorfer Straße in Bonnewitz sieht imposant aus.
Das neue Unterrichtsgebäude der Heilpädagogischen Schule an der Wünschendorfer Straße in Bonnewitz sieht imposant aus. © Daniel Schäfer

Zufrieden steht Matthias Bünger vor dem Schulneubau an der Wünschendorfer Straße in Bonnewitz. „Ja, ein schönes Haus, das kann man jetzt gut erkennen“, sagt der Geschäftsführer der Heilpädagogik Bonnewitz gGmbH. Die Gesellschaft ist der Träger der Heilpädagogischen Schule in Bonnewitz.

Seit Anfang 2018 entsteht an dem Standort ein neues Unterrichtsgebäude, das voraussichtlich nach den Sommerferien bezogen wird. „Die Arbeiten liegen im Zeitplan“, erklärt Matthias Bünger. Derzeit verlegen Handwerker die Elektrik, bauen die Heizung ein sowie die sanitären Einrichtungen. Beim Dach ist wegen der kalten Witterung zunächst Pause angesagt.

Das neue Schulhaus hat Platz für sechs bis sieben Klassenräume sowie für vier Gruppenräume, in denen unter anderem Einzelarbeit und Therapien stattfinden können. Äußerlich soll das neue Haus an die Bestandsarchitektur angepasst werden. Heißt im Klartext: Ähnlich wie das bereits errichtete Wohnheim erhält das Schulhaus einen markanten Eingangsbereich mit Säulen sowie markante Gauben.

Im Außengelände des Neubaus legen Fachleute im Frühjahr einen Schulhof und einen Ballspielplatz an. Für die Unterrichtsbereiche Garten und Tier wurden mehrere Bienenstöcke aufgestellt. Die Südseite bekommt Hochbeete. Eine ausgefeilte Kalkulation ist notwendig: Die Baukosten belaufen sich auf rund drei Millionen Euro. Staatliche Fördermittel gibt es nicht. „Wir haben reichlich Spenden gesammelt“, erklärt der Geschäftsführer. Außerdem sind Eigenmittel der Trägergesellschaft vorhanden. Die restliche Summe soll über ein Darlehen beglichen werden.

Eines ist Matthias Bünger wichtig: Mehr Raum bedeutet nicht mehr Schüler. Es soll Platz in den bestehenden Schulhäusern an der Martin-Kretschmer-Straße geschaffen werden. „Die Kinder bringen heute andere Bedingungen mit als noch vor einiger Zeit. Unter anderem werden die Rollstühle größer“, erläutert der Geschäftsführer. Einige Schüler benötigten eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung von einer Krankenschwester. Um differenzierten Unterricht leisten zu können, brauchen die Lehrer Nebenräume. Nicht alle Klassenzimmer in den alten Gebäuden hätten diese Rückzugsmöglichkeiten. Derzeit besuchen 140 Kinder und Jugendliche die Schule.

Kurze Wege sind garantiert, denn der Neubau ist lediglich 300 Meter von der angestammten Schule entfernt. Das Areal an der Wünschendorfer Straße hatte der Trägerverein bereits vor mehreren Jahren erworben. Unterhalb der Baustelle ist ein Parkplatz für Mitarbeiter und für Gäste der Schule entstanden. Zuvor erfolgte die Zufahrt zur Schule ausschließlich über den Bonnewitzer Rundling. Anwohner beschwerten sich häufig über hohes Verkehrsaufkommen. Der neue Parkplatz ist von der Straße Bonnewitzer Berg aus zu erreichen, was die Situation in der Dorfmitte von Bonnewitz entlastet.

Zu DDR-Zeiten ein Waisenhaus

Seit 1926 gehört das Anwesen mit der Villa in Bonnewitz nahe des Borsberges der Stadt Pirna.

Nach 1933 wird es an den Reichsarbeitsdienst verpachtet, der hier eine „Gau-Führerschule“ unterhält.

1935 erwirbt Martin Kretschmer, Leiter der „Tagesstätte und Heil-Erziehungsinstitut für seelepflegebedürftige Kinder“, das Grundstück und die Villa in Bonnewitz und zieht mit der Schule von Dresden nach Bonnewitz. Die Villa wird nach Kretschmers verstorbener Ehefrau Annemarie Spitzner benannt.

Im Juni 1941 verhaftet die Gestapo Martin Kretschmer. Nach offiziellen Angaben stirbt er an einer Lungenentzündung im KZ Sachsenhausen. Es gibt Vermutungen, dass er hingerichtet wurde.

Ende März 1942 wird das Heim geschlossen.

Zu DDR-Zeiten wird das Anwesen als Waisenhaus genutzt.

1995 zieht die Heilpädagogische Schule von Dresden auf das Bonnewitzer Areal.

Seit 2001 erweitert sich die Förderschule sukzessive. So wurden unter anderem ein Bewegungsbad, ein Wohnheim sowie ein neues Schulhaus gebaut. 

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