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Schlossküche zieht ins Nachbardorf Borlas

Jana Grotheer versorgt das Evangelische Gymnasium in Tharandt mit Essen. Doch jetzt läuft ihr Mietvertrag in Reichstädt aus. Da musste sie was finden.

Mit Produkten vom eigenen Feld kocht Jana Grotheer für Schüler und andere Esser.
Mit Produkten vom eigenen Feld kocht Jana Grotheer für Schüler und andere Esser. © Egbert Kamprath

Die Schüler des Evangelischen Gymnasiums Tharandt genießen ihre letzte Ferienwoche. Währenddessen reibt Jana Grotheer Lehmputz auf ihre neuen Wände, damit die Schüler auch im neuen Schuljahr zuverlässig ihr Mittagessen geliefert bekommen. Mit ihrer Schlossküche Reichstädt, die wie der Name sagt, dort im Schloss eingemietet ist, versorgt sie seit rund zehn Jahren die Tharandter Schüler mit Essen.

Nun läuft aber der Mietvertrag in Reichstädt aus und Jana Grotheer musste sich neue Räume suchen. „Das ist gar nicht so einfach. Ich verarbeite ja Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Anbau, also suchte ich etwas, wo Küchenräume und ein Feld in räumlicher Nähe sind“, erzählt sie. Eine Übernahme der Küche im Kulturhaus Pretzschendorf war im Gespräch. Aber letztlich bot sich die Möglichkeit, im Klingenberger Ortsteil Borlas, wo Grotheer seit 16 Jahren wohnt, ein Haus zu kaufen. Hier hat sie auch ein Feld, auf dem sie Tee- und Gewürzkräuter sowie Gemüse anbaut. Das Haus bauen sie nun um.

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Der Gemeinderat hat im Juli dem Vorhaben zugestimmt, damit das Landratsamt die Baugenehmigung geben konnte. Das Haus hat seine eigene Geschichte. Es ist ein einfaches Gebäude. „Man sieht, dass die Familie, die es einst gebaut hat, sparen musste. Es hat dünne Wände im Vergleich zu den Höfen der großen Bauern“, sagt Grotheer. Aber es bietet Platz für ihre Küche und für die Familie zum Wohnen. Und die Anordnung der Gebäude ähnelt einem Dreiseithof.

Die Familie, die Schule, alle helfen mit

Hier ist nun die ganze Familie am Arbeiten, ihr Partner, die Kinder, die Eltern, alle helfen mit, um aus ehemaligen Werkstatträumen eine neue Küche zu gestalten, aber eine Großküche, die mit einmal bis zu 280 Essen kochen kann. Da stehen höhere Ansprüche. Die Decke musste angehoben werden, damit eine Lüftungsanlage Platz findet. Der Stromanschluss reichte nicht. Jetzt liegt ein stärkerer. Es gibt getrennte Ausgüsse, einen für das Schmutzwasser, einen anderen, um das Gemüse zu waschen. Eine Fülle von Arbeiten steht noch auf dem Plan. „Morgen kommen die Maurer, um die Küche zu verputzen. Dann wird gefliest und gestrichen. In zwei Monaten müssen wir fertig sein“, sagt die Küchenchefin.

Besonders freut sie sich, dass sie auch von der Schule in Tharandt Unterstützung bekommt. Ein Architekt, der für die Schule arbeitet, hat sie beraten. Eltern helfen bei Behördengängen. Es gab schon Angebote für Arbeitseinsätze.

Hier werden in zwei Monaten täglich über 200 Mittagessen gekocht. Noch laufen die Umbauarbeiten. 
Hier werden in zwei Monaten täglich über 200 Mittagessen gekocht. Noch laufen die Umbauarbeiten.  © Egbert Kamprath
Tomaten vom eigenen Feld gehören in der Küche von Jana Grotheer dazu. 
Tomaten vom eigenen Feld gehören in der Küche von Jana Grotheer dazu.  © Egbert Kamprath

In die Essensversorgung hineingewachsen

Aber sie hat in ihrem Leben schon manche harte Nuss geknackt. Darum ist sie auch jetzt zuversichtlich. Genau zur Wendezeit hatte sie ihren Schulabschluss gemacht und dann eine Lehre zur Kellnerin angefangen. Das war aber schwierig, weil eine Gaststätte nach der anderen schloss oder die Betreiber wechselten. So sattelte sie um und absolvierte eine Ausbildung zur Umwelttechnischen Assistentin. Zu der Zeit begann sie aber mit Daniela und Thomas Schwalbe als „Dippolds Erben“ Theater zu machen. Das hat sie rund 15 Jahre gemacht. Sie bekam dann über ihre Kinder, die in Tharandt zur Schule gingen, mit, dass das Evangelische Gymnasium eine Essensversorgung suchte. 

Sie hatte schon mit der Produktion von Kräutertees begonnen und konnte sich das auch vorstellen. Im Schloss Reichstädt mietete sie sich Räume und ein Stück Garten und begann. Dabei kam ihr entgegen, dass auch das Gymnasium erst im Aufbau war und noch nicht die volle Schülerzahl hatte. „So bin ich in die Essensversorgung hineingewachsen“, sagt Grotheer. Sie versucht, möglichst auch Produkte, die sie selbst angebaut, zu verarbeiten. Wobei das gerade jetzt im Sommer nicht einfach ist. Die Natur bietet viel wie Tomaten oder Zucchini. Aber in den Ferien wird wenig gebraucht. Deswegen richtet sie auch Lagerräume mit ein.

Parallel zur Schulessensversorgung bietet sie auch Catering an. Das ist ein zweites wirtschaftliches Standbein. Dabei liegt ihr auch daran, mal etwas Besonderes zu bieten. „Orientalische Gerichte mache ich gerne, auch mal etwas Vegetarisches“, sagt sie. Ende dieses Jahres kommt das Schulessen für die Tharandter Gymnasiasten dann aus Borlas. Ob dann auch der Name der Schlossküche sich ändert, ist noch offen. „Bisher ist mir nichts Besseres eingefallen“, sagt Grotheer. 

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