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Einmal Russland und zurück

Anja Brugger hat schon in Russland, der Ukraine und München unterrichtet. Nun leitet sie die Grundschule in Seifhennersdorf. Und sorgt dort für  steigende Einwohnerzahlen.

Anja Brugger leitet jetzt die Grundschule in Seifhennersdorf.
Anja Brugger leitet jetzt die Grundschule in Seifhennersdorf. © Rafael Sampedro

Das geht ja gut los! Seit Beginn des Schuljahres ist Anja Brugger die neue Schulleiterin an der Seifhennerdorfer Grundschule, nachdem die bisherige Leiterin in den Ruhestand ging. Ihren Einstand konnte Anja Brugger gleich mit einer sehr positiven Nachricht geben: Erstmals seit Langem hat die Schule wieder zwei erste Klassen einschulen können. 38 ABC-Schützen sind mit der neuen Schulleiterin ins Schuljahr gestartet. "Das ist super", freut sich die Pädagogin.

"Wir hoffen, dass es so weitergeht." Dass es in Seifhennersdorf Zuwachs gibt, dafür leistet sie gleich selbst einen Beitrag. Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern wird sie demnächst von Großschönau in die Grenzstadt ziehen. Die Familie saniert hier ein Umgebindehaus. Deswegen bewarb sie sich auch auf die frei gewordene Schulleiterstelle in ihrem künftigen Wohnort. "Das passte gut." 

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Bis Anja Brugger in Seifhennersdorf landete, ist die neue Schulleiterin viel herumgekommen. Zum Studium verschlug es die gebürtige Oberlausitzerin nach Marburg in Hessen. Russisch und Deutsch waren ihre Studienfächer. Mit einem Stipendium studierte sie ein Jahr lang in Nischni Nowgorod in Russland. Auch nach dem Studium blieb sie im Land, gab in Omsk Deutschunterricht, arbeitete in Projekten an Grundschulen und Kitas mit und war später noch in der Ukraine tätig. Anschließend lebte und arbeitete sie in Baden-Württemberg, München und Starnberg. Aber auf Dauer war das doch nicht ihr Ding. Starnberg und München seien zwar schön - wenn man als Gast oder Tourist dort ist, sagt Frau Brugger. Ihr und ihrem Mann war es irgendwann zu voll und zu anstrengend. "Erst Recht mit Kindern", so Anja Brugger. Kita-Plätze beispielsweise sind wahnsinnig teuer in der bayrischen Metropole. Sie entschloss sich mit der Familie wieder in die Oberlausitz zu ziehen.

Zuletzt hat Anja Brugger an der Lessing-Grundschule in Zittau unterrichtet. Eigentlich ist sie zwar Gymnasiallehrerin. Vor ein paar Jahren wechselte sie aber an die Grundschule, weil dort Pädagogen gebraucht wurden. Das sei etwas ganz anderes als am Gymnasium mit den älteren Schülern. Die Arbeit mit den kleinen Kindern macht ihr aber großen Spaß, sagt die Pädagogin. Sie habe noch nie so viele liebe Briefe und gemalte Bilder bekommen. Und es kann auch vorkommen, dass man schon morgens von einem Knirps umarmt wird, der sagt: "Schön, dass du da bist, Frau Brugger." "Das macht ein Zwölftklässler nicht", sagt die frischgebackene Schulleiterin und lacht. "Die Kinder geben einem eine ganz ehrliche Rückmeldung." 

Ihr ist auch wichtig, dass die Grundschularbeit nicht unterschätzt wird. "Hier wird der Grundstein gelegt für die weiterführenden Schulen." Dafür will sie sich nun gemeinsam mit sechs Kollegen einsetzen. Damit ist die Grundschule in Seifhennersdorf vom großen Thema Lehrermangel nicht betroffen. "Wir können alles gut abdecken", sagt die Schulleiterin. Von anderen Kollegen wisse sie, dass es Lücken bei einigen Fächern gibt. "Das ist bei uns nicht der Fall." 

An ihrer neuen Arbeitsstelle hat sie sich inzwischen nach zwei Schulwochen schon gut eingearbeitet. Und offenbar hat die junge Schulleiterin in dieser Zeit auch schon das Vertrauen ihrer Schützlinge gewonnen. Immer wieder klopfen zarte Kinderhände an ihre Bürotüre, hat einer der 100 Schüler ein Anliegen an die Schulleiterin. Die Schule sei schön saniert und Lehrerkollegen wie Eltern hätten sie nett aufgenommen, lobt Anja Brugger ihre neue Arbeitsstelle. 

Ihr Ziel als Schulleiterin ist nun: Jeder soll sich wohlfühlen, soll gern und mit einem Lächeln jeden Morgen in die Schule kommen - vom Schüler bis zur Putzfrau, sagt Anja Brugger. 

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