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Schulprojekt muss auf die lange Bank

Bei der Vergabe der Gelder vom Freistaat geht „Augen auf“ leer aus. Alternativen sind gefragt. Der Verein ist verärgert.

Von Susan Ehrlich

Brasilianische Tänze oder afrikanische Lieder mit echten Akteuren wird es an den Schulen der Region vorerst nicht mehr geben. Jedenfalls dann nicht, wenn der Augen-auf-Verein in seinem Präventionsprojekt Kindern künftig die Vielfalt der Welt näherbringen will. Denn der Freistaat hat dem Verein für das laufende Jahr keine Fördermittel für sein seit Jahren angebotenes Schulprojekt genehmigt. Mit dem Angebot will der Verein, der sich für Toleranz und Zivilcourage einsetzt, Schüler in der Region mit Demokratie vertraut machen und vor den Gefahren von Rassismus und Extremismus warnen. „Gerade bei den Jüngeren an den Grundschulen, haben wir da Theater, Tanz und Musik einbezogen, um das alles begreifbarer zu machen“, sagt Antje Mertsch vom Verein. Bei den Älteren könne man dagegen auch mit Vorträgen und Workshops arbeiten. Doch auch dafür brauche es letztlich Geld.

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Umso mehr ärgert sich Vereinsvorstand Sven Kaseler über den Wegfall der Mittel. In den vergangenen Jahren habe das sächsische Innenministerium über das Programm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ immerhin jeweils etwa 15 000 Euro zum Schulprojekt beigesteuert. Nun sei offen, ob und wie es weitergeführt werden kann. „Natürlich werden wir nach anderen Möglichkeiten suchen, um auch weiterhin in den Schulen präventiv arbeiten zu können“, sagt Kaseler und denkt dabei an Alternativen, wie sie beispielsweise über die „Aktion Mensch“ angeboten werden. „Doch das bedeutet, dass wir jetzt erst einmal alle Möglichkeiten anpeilen müssen, um zu sehen, was geht, ehe wir die entsprechenden Anträge stellen können“, so Kaseler.

Ohnehin sei für ihn die Vergabe der Fördermittel vom Freistaat undurchsichtig. „Es ist schwer nachvollziehbar, nach welchen Kriterien da entschieden wird“, sagt er. Er gönne jedem Verein, der gute Arbeit macht, das Geld. Doch mit der Begründung, dass weit mehr Anträge auf Fördermittel eingereicht werden als Gelder vorhanden sind, gibt er sich nicht zufrieden. „Wenn das seit Jahren der Fall ist, muss ich mir doch als Geldgeber mal überlegen, dass der Bedarf an solchen Angeboten entsprechend groß ist“, sagt Kaseler. Doch statt mehr Mittel dafür bereitzustellen, werden es eher weniger, zeigt er sein Unverständnis. Und dass „Augen auf“ mit einem guten Angebot aufwarten kann, habe erst im vergangenen Jahr eine sogenannte Evaluation durch die Hochschule Zittau/Görlitz ergeben. „Die positiven Ergebnisse zeigen uns, dass wir eine sinnvolle Arbeit leisten“, sind sich Sven Kaseler und Antje Mertsch sicher.

Nichtsdestotrotz will der Verein sein Schulprojekt möglichst aufrecht erhalten. Ein Katalog mit 60 Modulen für Aktionen an den Schulen liegt vor. Wenn vonseiten der Lehrer Interesse besteht und sie eines davon im Unterricht einbauen wollen, können sie sich auch weiterhin beim Verein melden. „Wir sammeln die Anfragen und werden sie umsetzen, sobald wir eine Bewilligung für Fördermittel dafür haben“, sagt Kaseler. Die Initiative „Augen auf“ gibt es bereits seit 2001, der Verein dazu gründete sich drei Jahre später und zählt derzeit etwa 50 Mitglieder, von denen etliche aktiv bei der Sache ist. Gemeinsam mit weiteren vielen Helfern und Unterstützern wollen sie auch in diesem Jahr wieder zum Turnier „Fußball grenzenlos“ nach Kittlitz einladen. Voraussichtlich am zweiten Augustwochenende werden dann wieder Fußballteams aus der gesamten Region um den Sieg spielen. „Auch die thematischen Inhalte sind in Arbeit. Es wird Workshops, Filme und mehr geben“, so Kaseler. Schwerpunkt des diesjährigen Turniers wird dabei das Thema „Asyl“ sein. Diesem widmete sich der Verein in den vergangenen Wochen auch innerhalb der Ausstellung „Eingeschlossen: Ausgeschlossen“. Über 100 Löbauer haben die dort gezeigten Bilder und Geschichten von Asylbewerbern gesehen.

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