merken
PLUS Döbeln

Wie man sich durchs Leben boxt

Der Landkreis gibt rund 2,3 Millionen Euro für Schulsozialarbeit aus. In Roßwein gibt es diese Hilfe seit einigen Jahren.

Einerseits will Ilona Böhle, Schulsozialarbeiterin an der Förderschule Roßwein, den Mädchen und Jungen Stärke und Selbstvertrauen mitgeben, mit dem sie sich besser durchs Leben boxen können. Auf der anderen Seite  geht es um Wertschätzung.
Einerseits will Ilona Böhle, Schulsozialarbeiterin an der Förderschule Roßwein, den Mädchen und Jungen Stärke und Selbstvertrauen mitgeben, mit dem sie sich besser durchs Leben boxen können. Auf der anderen Seite geht es um Wertschätzung. © Dietmar Thomas

Region. Wenn Kinder Angst vor dem Gang in die Schule haben, wenn es Probleme mit den Eltern oder Streitereien in der Klasse gibt, dann ist Ilona Böhle für die Schüler der Roßweiner Lernförderschule „Albert Schweizer“ da. Als Schulsozialarbeiterin gehört sie zum Team der Einrichtung, steht den Lehrern zur Seite und fängt so manche Sorgen der Schüler auf.

„Manchmal bin ich auch einfach nur dafür da, den Jugendlichen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, eine große Portion Zuversicht und Selbstbewusstsein mitzugeben“, sagt Ilona Böhle. Vor allem die Mädchen und Jungen, die an der Roßweiner Schule entweder den Hauptschulabschluss erreicht haben oder von der Lernförderschule aus ins Leben starten, seien wegen ihrer Lernbeeinträchtigung oftmals verunsichert, haben Zweifel oder sogar Angst, wenn sie die Schule verlassen. Dort versuche sie, den Absolventen mit Mutmachgesprächen und wertvollen Ratschlägen den Rücken zu stärken. „Doch das braucht besonders viel gegenseitiges Vertrauen und vor allem Geduld“, so Ilona Böhle.

Anzeige
Schlossherr gesucht!
Schlossherr gesucht!

Herbst-Auktionen mit außergewöhnlichen Immobilien aus Ostsachsen

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres stellt die 52-Jährige sich und ihr für alle Schüler kostenfreies Angebot in allen Klassen der Schule noch einmal vor. „Manchmal brauchen die Kinder auch etwas Zeit, ehe sie sich mit ihren Sorgen an mich wenden“, erklärt sie.

Seit einem Jahr ist sie in der Roßweiner Förderschule Ansprechpartner nicht nur für Schüler und Eltern, sondern auch ein wichtiger Partner an der Seite der Lehrer. „Sie kann uns mit ihrer Arbeit viele Dinge abnehmen, die sonst als zusätzliche Aufgaben bei den Lehrern hängen bleiben würden“, beschreibt Schulleiterin Andrea Gründel, warum sie froh ist, Ilona Böhle als Sozialarbeiterin an ihrer Schule zu haben. 

Besonders auch in der Elternarbeit kann die Döbelnerin den 26 Lehrerkollegen eine wertvolle Unterstützung sein. Angestellt ist Ilona Böhle beim Burgstädter Bildungsträger Don Bosco Jugend-Werk Sachsen gGmbH, von dem auch die Schulsozialarbeiter im Döbelner Lessing-Gymnasium und der Waldheimer Oberschule kommen.

Im neuen Schuljahr können sich Kinder und Jugendliche in vielen weiteren Schulen des Landkreises an ihre Schulsozialarbeiter wenden. In 37 mittelsächsischen Bildungseinrichtungen gibt es bereits Schulsozialarbeit und erstmals ab diesem Schuljahr auch an der Grundschule Clemens Winkler in Freiberg.

„Wir haben sehr positive Erfahrungen mit der Schulsozialarbeit gemacht. Die Fachkräfte unterstützen dort, wo über die Wissensvermittlung im Unterricht hinaus Hilfe besonders gebraucht wird. Schwerpunkthemen sind Konfliktbewältigung, Mobbing, schulische Angelegenheiten oder Probleme im Freundeskreis oder mit den Eltern“, erklärt die Leiterin der Abteilung Jugend und Familie im Landratsamt Mittelsachsen, Heidi Richter. Durch die tägliche Präsenz im Schulalltag werde das niedrigschwellige Angebot sehr gut angenommen, schätzt sie ein.

Neben der Möglichkeit zur informellen Beratung gehören auch Präventionsveranstaltungen zur Stärkung des Schulklimas oder des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes zu den Themenbereichen. Über die Schule hinaus vermitteln die Fachkräfte Ratsuchende auch an weiterführende Hilfen, pflegen die Zusammenarbeit mit den Eltern und weiteren Akteuren im Sozialraum der Kinder und Jugendlichen, wie zum Beispiel mit Jugendclubs.

Die Fachberatung des Jugendamtes übernimmt die inhaltliche Begleitung der Projekte und führt den Arbeitskreis Schulsozialarbeit zur Vermittlung von Fachthemen, Wissensaustausch und zur Vernetzung untereinander durch. Rund 2,3 Millionen Euro sind pro Haushaltsjahr für Schulsozialarbeit veranschlagt. „Eine Regelung des Freistaates sieht die Förderung mindestens einer Vollzeitfachkraft an jeder Oberschule in öffentlicher Trägerschaft vor“, erklärt die Abteilungsleiterin.

An Oberschulen in größeren Städten des Landkreises gehe der Bedarf sogar noch darüber hinaus, so Richter. Die weiteren Schulsozialarbeitsprojekte sind an mittelsächsischen Förderschulen, vereinzelt an Grundschulen sowie an den Gymnasien etabliert. Richter geht von einer verlässlichen Finanzierung durch die Förderrichtlinie Schulsozialarbeit des Freistaates Sachsen auch für zukünftige Jahre aus, damit bestehende Projekte kontinuierlich fortgeführt und die Schulsozialarbeit im Landkreis Mittelsachsen weiterentwickelt sowie ausgebaut werden kann.

Mehr zum Thema Döbeln