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Bautzen

Schulverein entfernt umstrittene Tafel

Der Träger mehrerer Schulen im Kreis Bautzen steht in der Kritik, sich nicht genug gegen völkisches Gedankengut abzugrenzen. Jetzt gibt es eine Reaktion.

© privat

Gaußig. Der Evangelische Schulverein im Landkreis Bautzen steht seit Längerem in der Kritik, sich nicht genug gegen rechte Tendenzen und völkisches Gedankengut abzugrenzen. Jetzt hat er reagiert – und eine umstrittene Tafel am Eingang seines Gymnasiums in Gaußig entfernt.

Die Granitplatte wurde zur Einweihung des Neubaus vor drei Jahren gestiftet und trug den Spruch „Lehret deutsches Gut und deutsche Güte, damit Gott dieses Haus behüte“. Kritik daran kam unter anderem von der Landeskirche Sachsen. Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz, unter anderem zuständig für Bildung, sagte in einem Interview: „Ich kann nicht erkennen, wie das innerhalb evangelischer Bildungsarbeit zu begründen und zu verantworten ist.“ Es sei unklar, worin bei der Rede von Güte das besondere „Deutsche“ liegen soll.

Neue Tafel mit Psalmwort

Thomas Schädlich, seit vorigem Sommer Pfarrer in Gaußig und auch Vorsitzender des Evangelischen Schulvereins, hält die Kritik zwar für überzogen. Er sagt, das Zitat sei falsch interpretiert worden. Der Inhalt dürfe nicht nur auf die zwölf Jahre Nazi-Zeit reduziert werden. Es gehe nicht um eine „Überhöhung des Deutschseins“. Das wolle er so nicht verstanden wissen. Dennoch sei, um weiteren Ärger zu vermeiden, die Tafel in Absprache mit dem Stifter, der aus dem Gemeindegebiet stamme, ausgetauscht worden. Statt des umstrittenen Zitats habe man sich für das Psalmwort „Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn“ entschieden.

Doch nicht allein die Tafel sorgte für Ärger. In der Kritik steht der Verein auch wegen der Aktivitäten eines seiner Vorstandsmitglieder: Veit Gähler wird Nähe zu Reichsbürgern und Verschwörungstheorien vorgeworfen, denen er unter anderem in dem von ihm herausgegebenen Regionalmagazin „Denkste?!“ ein Forum bietet. Pfarrer Schädlich sagt dazu, dass sich der Schulverein nicht politisch betätige. „Die politische Arbeit einzelner und die Arbeit des Vereins müssen getrennt sein.“ In einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Erklärung schreibt er: „Der Schulverein verfolgt keine politischen Ziele und macht seinen Angestellten keine politischen Vorgaben. Er achtet die Freiheit der Meinung und der persönlichen Willensbildung, solange sich diese im Rahmen des Grundgesetzes bewegt.“ Schädlich sagt, der Verein wolle nicht gegen die Kirche arbeiten. So sei man auch mit der Landeskirche weiter im Gespräch. Er freue sich daher, dass Landesbischof Carsten Rentzing am Mittwoch zu einem Besuch nach Gaußig kommen werde.

Kritische Fragen ausschließlich an Vereinsführung

Im Gespräch zu bleiben, ist auch Burkart Pilz wichtig. Er betont, seine Kritik habe sich nicht gegen die Unterrichtsführung seitens der Lehrer in den vom Verein betriebenen Schulen gerichtet. Er bedauere, dass sie davon mitbetroffen seien. Kritische Fragen richteten sich ausschließlich an die Vereinsführung. Dabei gehe es etwa um die theologische Ausrichtung – und darüber werde man weiter das Gespräch führen.

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Dieser Gesprächsfaden war offensichtlich in der Vergangenheit abgerissen. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass zwei Schulen des Vereins – das Gymnasium in Gaußig und die Paulus-Schule in Königswartha – bisher nicht von der Landeskirche anerkannt sind. Laut Pilz bekommen sie dadurch seitens der Schulstiftung der Landeskirche keine Förderung und keine sonstige Unterstützung wie Fort- und Weiterbildungsangebote. Im Fall Königswartha sei 2009 zwar ein Antrag auf Anerkennung gestellt, das Verfahren dann aber abgebrochen worden. Fürs Gymnasium gebe es bisher keinen Antrag. Das soll nun nachgeholt werden, sagt Pfarrer Schädlich.