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Schwangere Frau im Hagelsturm

Ein Unwetter tobte gestern nur eine halbe Stunde über Görlitz, dafür aber so heftig, dass sogar eine Baustelle länger dauern wird.

Von Ralph Schermann

Für Aufregung sorgte gestern ein Einsatz des Rettungsdienstes: Eine hochschwangere Frau musste dringend in die Klinik, die Wehen hatten eingesetzt. Doch genau in dem Moment, als sie auf einer Trage vom Haus zum Krankenwagen transportiert wurde, ging ein Hagelschauer mit bis zu drei Zentimeter großen Körnern nieder. „Die Helfer mussten neben dem Tragen die Schwangere auch noch mit einer Decke schützen“, berichtet Björn Mierisch von der Görlitzer Berufsfeuerwehr.

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Decken nützten dagegen auf der Zeppelinstraße nichts. Dort wird nun die Baustelle der Stadtwerke länger dauern als am Mittwoch noch beschrieben – und schuld daran ist das Wetter. Denn als gestern exakt von 15.49 bis 16.08 Uhr 18 Liter je Quadratmeter Starkregen über Görlitz niedergingen, liefen die Baugruben schnell voll. Gerade gestern hatten Spezialfirmen damit begonnen, ein Gasrohr mit Spezialschläuchen auszukleiden, jetzt ist der dort entstandene Schaden enorm. Das Auspumpen der zwei am stärksten betroffenen Baugruben war gestern die erste Aufgabe für die Görlitzer Feuerwehr.

„Es gab gleich am Beginn des Gewitters mehrere Notrufe“, bestätigt Björn Mierisch. Die elf Mann starke Wachabteilung rückte ebenso aus wie 15 Mann der Ortswehr Stadtmitte, die Weinhübler Wehr wurde alarmiert. Die Feuerwehr pumpte auf der James-von-Moltke-Straße Wasser aus Kellern und räumte stärkere Äste von den Straßen. Auf der B 99 in Richtung Hagenwerder sowie auf der Seidenberger Straße waren Bäume umgeknickt. Jens Blaschke von der Wetterwarte am Flugplatz kann sich das gut vorstellen, immerhin erreichte zumindest eine Böe gestern am Nachmittag die Windstärke 8. Dazu gab es einen rapiden Temperaturwechsel. Wurden um 15 Uhr 31,1 Grad Celsius gemessen, kühlte es sich dann gleich binnen einer Stunde um acht Grad ab.

Mit Sorge und der Erfahrung mehrerer Überflutungen in diesem Jahr hatten gestern die Schlaurother auf das nahende Unwetter geschaut und auch schon Sandsäcke bereitgelegt. Nach einem Rundgang konnte Ortsvorsteher Bernd Wünsche am Abend aber Entwarnung geben: Bis auf einige Ausspülungen von Straßenrändern blieb der Ortsteil diesmal von schlimmen Regenfolgen verschont. Nur Gras war überall zu sehen und verstopfte teils auch Durchlässe. Am Vormittag waren die Straßengräben gemäht, der Rasenschnitt aber liegengelassen worden.

Im Görlitzer Umland hinterließ das Unwetter kaum Spuren. Wegen umgestürzter Bäume mussten die Feuerwehren allerdings weiter nördlich ausrücken – in Daubitz, Rietschen, Mückenhain, Lodenau, Kodersdorf-Bahnhof und Rothenburg.

Mitarbeit: Ingo Kramer, Steffen Gerhardt