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Schwangere in Not

Ein Kind im Geburtshaus oder zu Hause zur Welt bringen, ist kaum noch möglich.

© dpa

Von Stefan Schramm

Betreuung in der Schwangerschaft – entweder nur für Frauen oder auch für Paare – ist üblicherweise Sache von Hebammen. In Kursen vermitteln sie Kenntnisse über Atemtechnik während der Geburt, Bewegungsübungen und das Stillen, geben aber auch theoretische Informationen zum Schwangerschaftsverlauf und zu Entbindungstechniken. Für immer mehr Hebammen ist dies sogar das Kerngeschäft. Denn eine ihrer zentralen Tätigkeiten, die Geburtshilfe, mussten viele von ihnen aufgeben. Der Grund: aberwitzige Steigerungen der Haftpflichtversicherungsbeiträge.

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Als die Cunewalder Hebamme Mandy Preusche, die in Bautzen ihre Praxis hat, im Jahr 1998 mit ihrer Ausbildung begann, waren jährlich 394 Euro Gruppenhaftpflicht fällig. Im Jahr 2010 verlangte die Versicherung 3 689 Euro, ab Juli müssen Hebammen 5 091 Euro pro Jahr zahlen. „Solche Summen aufzubringen, ist für uns im Prinzip unmöglich“, kommentiert Preusche den vorläufigen Höchststand der Kosten. Hinzu gesellen sich für freiberufliche Hebammen noch zahlreiche weitere Ausgaben: Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge, Miete für Praxisräume sowie die Kosten für ihre zwingend notwendige Mobilität und die ständigen Weiterbildungen sind nur einige von vielen Posten. Und das bei Rufbereitschaft rund um die Uhr. Geburtstermine lassen sich nun mal nicht sonderlich exakt vorausplanen.

Ohne Versicherung – keine Geburten

Und das Problem verschärft sich sogar: Die Nürnberger Versicherung hat angekündigt, zum 1. Juli 2015 aus den letzten beiden Versicherungskonsortien für Hebammen auszusteigen. Bei den Hebammenverbänden ist jetzt offen, wer diesen überaus traditionsreichen Berufsstand künftig überhaupt noch versichert. Der steht deshalb bundesweit vor dem Aus. Die aktuelle Entwicklung kommt einem Berufsverbot für freiberufliche Hebammen gleich, weil sie ohne Versicherung weder Geburten zu Hause oder im Geburtshaus noch Frauen während der Schwangerschaft oder im Wochenbett betreuen dürfen. – Die Folge: Geburten zu Hause oder in Geburtshäusern, die zu den sichersten Wegen zählen, Kinder auf die Welt zu bringen, können nicht mehr angeboten werden. Geburten wird es dann nur noch an wenigen zentralen Stellen geben. „Die Kliniken werden damit aber überfordert sein, denn die wenigen dort fest angestellten Hebammen können unmöglich die Arbeit ihrer vielen freiberuflichen Kolleginnen übernehmen“, schätzt Mandy Preusche ein. Individuelle Betreuung dürfte sich zum Fremdwort entwickeln, und die Selbstbestimmung des Geburtsorts wird dann auch Geschichte sein. Schon jetzt gibt es im ländlichen Raum einen Mangel an Hebammen. „Frauen erhalten deshalb teils keine fachkundige Unterstützung mehr während ihrer Schwangerschaft und Stillzeit“, erklärt Hebamme Kerstin Patzig, die eine Praxis in Bischofswerda betreibt. „Gesundheitsvorsorglich ist das ein Desaster, sowohl für die werdende Mutter als auch für das Kind.“

Findet sich keine Lösung, sind womöglich schon bald zahlreiche Hebammen zur Aufgabe ihrer Tätigkeit gezwungen. „Wir stecken in einem riesigen Dilemma“, sagt Preusche, die immer weniger Zeit für ihre Patienten habe. Sie selbst ist Mutter von vier Kindern im Alter von anderthalb bis acht Jahren. „Ich hab das Glück, dass mein Mann und die Großeltern zu Hause viel mithelfen – sonst wäre das nicht zu schaffen“, berichtet die 34-Jährige. Als Hebamme nur auf Teilzeitbasis zu arbeiten, lohnt sich schon längst nicht mehr, weil man dadurch viel zu wenig Geld verdient.

Das weiß auch Hebamme Juliane Vogt aus Bischofswerda. Neben ihrer Praxis, in der sie für Schwangere Vor- und später für Mutter und Baby Nachsorge anbietet, arbeitet sie 30 Stunden im Klinikum Pirna als angestellte Hebamme. Einzig dort hilft sie Kindern auf die Welt. Sie ist selbst junge Mutter und könne daher als freiberufliche Hebamme keine Geburtshilfe leisten. Ruf- und Einsatzbereitschaft rund um die Uhr sei da nicht drin, sagt sie. Und angesichts des drohenden Versicherungsverlustes für Hebammen scheint es auch später keine Option zu sein. Auf ein Wort