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Schwank-Züge und ein Millionengrab

Die Bahn hat in diesem Jahr viele Baustellen – nicht nur am Gleis und beim WLAN.

© dpa

Von Michael Rothe

Auch wenn die Presse permanent auf die Deutsche Bahn (DB) einprügelt, hat deren Chef Rüdiger Grube bei ihr dennoch einen guten Stand. Wirtschaftsjournalisten hatten den 64-Jährigen bei einer Umfrage des Forschungsinstituts Dr. Doeblin nach der Reputation von Spitzenmanagern gerade auf Platz 3 gewählt – nach dem Daimler-Boss Dieter Zetsche und dem Lufthansa-Piloten Carsten Spohr. Am Dienstagabend empfing Grube, dessen zweite Amtszeit Ende 2017 ausläuft, in Berlin seine Kritiker. Dabei gab es auf Nachfrage auch Neuigkeiten: zur Sicherheit an Bahnhöfen, zum laufenden Manöver Schneeflocke, zur Flüchtlingskrise, zu neuen Schaukel-Intercitys, zu Fernbussen, Konzernumbau und dem geplanten Teilverkauf zweier Töchter.

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Keine Garantie für Sicherheit

„Wir haben täglich rund 3 700 DB-Sicherheitskräfte im Einsatz. Dazu kommen die Ordnungspartnerschaft mit 5 000 Bundespolizisten und der Ausbau der Videoüberwachung“, sagt Grube mit Blick auf die Silvesterereignisse in Köln und anderswo. Aber: „Auch bei uns gibt es keine Garantie für hundertprozentige Sicherheit.“

Jobinitiative für Flüchtlinge

„Wir haben seit Anfang September über 320 000 Flüchtlinge durch das Bundesgebiet gefahren – auch in gut 400 Sonderzügen“, so Grube. Der Bahn wolle „bei der weiterführenden langfristigen Integration Verantwortung übernehmen“. So bilde der Konzern 25 Erwachsene zu Mechatronikern aus. Ein anderes Projekt bereite 15 Jugendliche in Jahresfrist auch sprachlich auf eine handwerkliche Ausbildung bei der Bahn vor – ähnlich der Initiative „Chance plus“ für deutsche Schulabgänger.

Achillesferse Pünktlichkeit

„Natürlich bin ich mit unserer Pünktlichkeit von 74,5 Prozent im Jahr 2015 unzufrieden“, sagt Grube. Angesichts dessen mussten Manager gehen. Als unpünktlich gilt bei der DB ein Zug erst, wenn er sechs Minuten zu spät kommt. Grube strebt trotz verstärkter Bautätigkeit an den Bahnknoten eine Pünktlichkeit von 80 Prozent an.

WLAN für alle im ICE

Im Frühjahr startet die Bahn ein Programm für ICE-Züge. Ziel sei, „dass dort alle Funktionen uneingeschränkt zur Verfügung stehen“. 2016 soll auch die Fahrgastinformation verlässlicher und einheitlicher werden: in der App, am Bahnsteig und auf dem Monitor im Zug. In der zweiten Hälfte wird das kostenlose WLAN in der 2. Klasse eingeführt. Im Regionalverkehr sieht der Bahnchef die Besteller, also die Länder und in Sachsen die Verkehrsverbunde, in der Pflicht. Die Bahn könne WLAN nicht aktiv anbieten, weil ihr Angebot so teurer werde und sie Ausschreibungen verlieren würde. Auf Dauer könne man sich dem Thema, das in Fernbussen Standard ist, nicht verweigern. Es gebe zwei Regio-Teststrecken.

Teilverkauf von Schenker und Arriva

Mittelfristig sollen Investoren an der Spedition DB Schenker und an der Auslandsverkehrstochter DB Arriva beteiligt werden: scheibchenweise mit maximal 40, 45 Prozent. „Wir behalten in jedem Fall die Mehrheit“, betont Grube. Mit erhofften 4,5 Milliarden Euro Erlös will das Bundesunternehmen Investitionen absichern und die Verschuldung begrenzen. Schenker will in Kooperation mit dem Paketdienstleister GLS in das vom Internethandel getriebene Paketgeschäft einsteigen. Die DB hatte Arriva 2010 gekauft und zur Regionalverkehrstochter in 14 Ländern Europas ausgebaut.

Heißer Herbst an der Tariffront

Die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL haben die Bahn 2015 laut Grube eine halbe Milliarde Euro gekostet. Im Herbst steht die nächste Tarifrunde mit der GDL und der mit ihr verfeindeten EVG an – wenn auch nicht wie zuletzt zu Grundsatzfragen, sondern nur zum Lohn.

Neue IC2 sollen nicht mehr schwanken

Am 14. Februar soll der erste doppelstöckige Intercity 2 von Dresden über Braunschweig, Hannover nach Köln fahren. Bis dahin will der Bahnchef das lästige Schwanken der fünf luftgefederten Waggons abgestellt haben. Die Strecke ist deutschlandweit die zweite nach Leipzig–Norddeich, wo der Zug seit 12. Dezember unterwegs ist. Je näher er sich dem Spitzentempo von 160 km/h nähert, desto mehr schaukelt es. Die Räder hätten in Breite und Höhe zu viel Spiel, was Schwingungen erzeuge, so Grube. 18 verfügbare Züge kämen zur Neujustierung der Dämpfung und Änderung des Radprofils in die Werkstatt und würden vor Leipzigs Hauptbahnhof und am Flughafen langsamer fahren. Die Verspätung sei zu verschmerzen.

Im Güterverkehr nach Fahrplan

Nachdem die Bahn im Güterverkehr weiter an Boden verloren hatte, wurde dort das Management ausgewechselt. „Um Kunden zurückzugewinnen, werden wir künftig zu 80 Prozent nach Plan fahren und nur noch 20 dispositiv“, sagt Grube. Bislang sei es umgekehrt gewesen.

Millionengrab Fernbus

Getrieben vom Boom der Fernbusse, aber auch durch Billigflieger und wachsendes Car-Sharing hatte die Bahn eine Fernverkehrsoffensive mit Investitionen von zwölf Milliarden Euro angekündigt. Dabei ist sie mit BEX und Berlin Linien Bus selbst einer der Spieler. Angesichts der Dumpingpreise würden alle Marktteilnehmer Millionen versenken – „auch wir“, sagt Grube. „Unter kaufmännischen Gesichtspunkten müssten wir sofort aussteigen, können uns dem Markt als größter Mobilitätsanbieter aber nicht entziehen“ – auch wenn manche Strecke parallel zur Schiene bedient werde.