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Schwarzarbeit und Schwarzschlachten

Illegale Schlachter gefährden die Gesundheit ihrer Kunden.

Von Udo Lemke

Thomas Schempp, der Chef der gleichnamigen Landfleischerei in Tauscha-Anbau, ist nicht amüsiert: Er bildet in seinem Betrieb Lehrlinge aus, um die Zukunft des Berufs zu sichern. Aber, „viele lernen das Handwerk nur, um Hausschlachten zu gehen. Wir müssen Steuern bezahlen, die arbeiten schwarz und nehmen so den Fleischern die Arbeit weg.“

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Auch Andreas Steinborn aus Rödern kennt „schon ein paar Leute, die Schlachtungen betreiben, ob die das schwarz machen oder nicht, weiß ich nicht. Aber das ist auch kein Problem für uns. Wir haben einen Fleischermeister angestellt, wir haben unseren Kundenstamm und gut.“

Markus Ekelmann, zugelassener Hausschlachter aus Schönborn, sieht die wirkliche Konkurrenz „für die paar Betriebe, die noch selbst schlachten“, nicht in den Hausschlachtern, sondern in den großen Supermärkten und ihrer Preispolitik. Allerdings muss, wer auf seine Visitenkarte „Schlachtung und Fleischverarbeitung mit EU-Zulassung“ drucken lassen will, dafür bestimmte Auflagen erfüllte, wie jede andere gewerbliche Fleischerei auch. Eine dieser Voraussetzungen ist etwa das sogenannte Schwarz-Weiß-Prinzip. „Das heißt, dass nicht im gleichen Raum, in dem geschlachtet worden ist, verkauft werden darf. Temperatur- und Hygienevorschriften müssen eingehalten werden usw. Das geht ja weiter bis zur Entsorgung der Schlachtabfälle, die müssen eigentlich abgeholt werden“, erklärt Schempp-Junior-Chef Christoph.

All diese Maßnahmen, die natürlich auch vermeiden sollen, dass etwa Krankheitserreger übertragen werden, kosten Geld. Zwar muss auch beim Hausschlachten für Hygiene gesorgt werden, „aber die Auflagen sind nicht so streng wie bei gewerblichen Schlachtungen“, so Markus Ekelmann. Ein Grund dafür ist, dass Hausschlachtungen nur für den Eigenbedarf durchgeführt werden dürfen. „Man darf selbst schlachten, aber nur für sich selbst. Das Problem ist, wenn etwas an Lieschen Müller über den Zaun verkauft wird“, sagt Christoph Schempp.

„Die Produkte dürfen nur in der eigenen Familie verbraucht werden“, sagt auch Hans-Jörg Klaue. Und der Amtstierarzt des Landkreises Meißen macht noch auf etwas anderes aufmerksam: „Jedes Ferkel, jedes Schwein muss untersucht werden.“ Und diese Fleischbeschau, um etwa für den Menschen gefährliche Trichinen zu entdecken, muss von einem Fachmann, also in aller Regel von einem Tierarzt vorgenommen werden.

Das gilt auch „für Schafe, die den Sommer über als Rasenmäher gehalten worden sind, auch Schafe können Krankheiten übertragen“. Im vergangenen Jahr wurden dem Landkreis zwei Fälle gemeldet, „wo bei Hausschlachtungen keine Fleischbeschau durchgeführt worden ist“.

Gemeldet werden solche Fälle allerdings meist nur, „wenn es zu einer Krankheit kommt und es Streit gibt, mir ist durchaus bewusst, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt“, so der Amtstierarzt.

Das trifft auch auf das sogenannte Schwarzschlachten zu. Christoph Schempp nennt ein Beispiel: „Wenn jemand 30 Gänse hält und sie selbst schlachtet, dann kann man davon ausgehen, dass er sie verkauft.“ Immer dann, wenn irgendwo am Waldrand Schlachtabfälle gefunden werden und die Statistik keine Schlachtung in den umliegenden Orten verzeichnet, weiß Amtstierarzt Hans-Jörg Klaue, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit schwarz geschlachtet worden ist. „Das ist strafbar, wir verfolgen das und ahnden es mit Bußgeld.“

Weil beim Schwarzschlachten kein Tierarzt zur Fleischbeschau hinzugezogen wird, birgt dieses gesundheitliche Risiken. Hans-Jörg Klaue: „Ich halte das für sehr mutig, weil wir ja eine ganze Anzahl von Erkrankungen haben, die über das Fleisch auf den Menschen übertragbar sind.“