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Schwarze Musik in der Grauzone

„Wenn Grenzen fließend werden“, war eine Mitteilung zu einem Black Metal-Konzert überschrieben, das kürzlich in Neukirch stattgefunden hat. Diese Musikrichtung zieht zahlreiche junge Leute an, sie wird aber auch von Rechtsextremisten instrumentalisiert.

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Von Ingolf Reinsch

Im Zusammenhang mit einem Black-Metal-Konzert im Jugendhaus Neukirch erhebt das Antifaschistische Rechercheteam Ostsachen den Vorwurf, drei Bands ein Podium gegeben zu haben, die „für ihre mangelnde Abgrenzung nach rechts bekannt“ seien. Einer dieser Bands, die aus Pirna stammt, werden Kontakte zu den verbotenen Skinheads Sächsische Schweiz nachgesagt, heißt es in einer dem Jugendhaus und der Presse übermittelten E-Mail. Eine andere, aus Frankfurt/Oder stammende Gruppe soll auf ihrem CD-Cover angeblich ein Hakenkreuz abgebildet haben. Bereits zuvor sollen diesen Angaben zufolge „Bands mit zumindest Abgrenzungsproblemen nach rechts“ im Neukircher Jugendhaus aufgetreten sein.

Dessen Leiter, Tilo Moritz, erklärte, er habe weder bei Recherchen vor noch während dem Konzert Hinweise gefunden, die auf einen Bezug der Bands zur extremen Rechten hindeuten.

Es gehe nicht darum, dass „rechte Bands bei euch aufgetreten sind“, schreibt das Antifaschistische Rechercheteam auf eine Antwort des Jugendhausleiters. Es gehe darum, dass diese Bands „eine Schnittstelle“ zwischen unpolitischen Metalern und Rechtsextremisten darstellen. Die Autoren des Schreibens betonen, das Jugendhaus nicht in eine politische Ecke stellen zu wollen, „das widerspräche auch unseren Erfahrungen“. Auch andere Kenner der Musikszene hatten vor dem Konzert Bedenken geäußert, darunter das Kulturbüro Sachsen e.V.

„Ein Veranstalter hat die Pflicht, die Bands zu prüfen und sich vorher schlau zu machen“, betont Manfred A. Lindemann, Landesgeschäftsführer vom Netzwerk Sachsen gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit e.V. Es gehöre auch zu den Aufgaben eines Veranstalters, jene zu schützen, die mit rechtsextremen Strömungen nichts am Hut haben. Junge Leute seien besonders gefährdet, da Musik oft der Einstieg in die rechtsextreme Szene sei. Manfred A. Lindemann: „Das fängt beim Lied von den zehn kleinen Negerlein an.“

„Von den Liedtexten lässt sich die Nähe zum Rechtsextremismus nicht unbedingt festmachen“, sagt Markus Kemper vom Kulturbüro Sachsen e.V. Die Frage sei vielmehr, ob die Bands in der rechten Szene eine Rolle spielen. Insofern müssten sie sich auch die Frage gefallen lassen, inwieweit sie sich gegen Rechts abgrenzen.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes weisen Dark Wave und Black Metal auf Grund ihrer heidnischen Ausrichtung und der Thematisierung von Gewalt „Parallelen mit rechtsextremistischen Einstellungsmustern“ auf. Aus diesem Grunde wirkten beide Musikrichtungen „anziehend auf Rechtsextremisten“ und werden zugleich von diesen für ihre Ziele zunehmend instrumentalisiert. Die Pirnaer Band, die in Neukirch aufgetreten ist, werde „von uns nicht als rechtsextremistisch eingestuft. Sie wird daher auch nicht im Sächsischen Verfassungsschutzbericht erwähnt“, teilte das Landesamt für Verfassungsschutz auf Anfrage mit.