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Schwarzes Glück für Archäologen

Pech ist der älteste Kunststoff des Menschen. Die größte Produktionsstätte wurde nun in der Lausitz entdeckt.

Von Thomas Staudt

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Wer Pech hat, hat die Brille auf, das Nachsehen, den Kürzeren gezogen. Archäologen des Sächsischen Landesamtes für Archäologie hatten nun mit Pech richtig Glück. Im Vorfeld des Tagebaus Nochten entdeckten sie die bislang größte historische Produktionsstätte des zähen, universell einsetzbaren Stoffes in Deutschland.

Donnerstag wurden die ersten Grabungsergebnisse in Weißwasser vorgestellt. Geradezu sensationell ist die Größe und der Erhaltungszustand der mittelalterlichen Anlage. Zudem konnten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Holzfundes das Alter ziemlich exakt bestimmen. Es diente als Unterbau für eine Leitung. Der Baum, von dem das Holz stammt, wurde im Jahr 1324 gefällt. Die Anfänge der Anlage gehören damit in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Bisher sind Datierungen vergleichbarer Anlagen nur über Datierung der gefundenen Keramik gelungen, waren also wesentlich unzuverlässiger. „Wir können nachweisen, dass die Region auch zu früheren Zeiten intensiv wirtschaftlich genutzt wurde“, fasste Dr. Wolfgang Ender, stellvertretender Abteilungsleiter im Landesamt für Archäologie, die Grabungsergebnisse zusammen.

Im Zentrum der Anlage, die zwischen Weißwasser und Nochten auf einer Fläche von 60 mal 80 Metern liegt, lokalisierten die Wissenschaftler einen Pechofen. Die Funktionsweise des kugelförmigen Aufbaus ist so einfach wie raffiniert. In einer inneren Kammer wurde harzhaltiges Holz aufgeschichtet. Dann das Holz in einer zweiten, einer äußeren Kammer entzündet. Die Hitze machte aus dem Baumharz flüssiges Pech, das nach außen geleitet und in Gruben aufgefangen werden konnte. Ursprünglich flüssig, wurde es in weiteren Anlagen eingekocht, bis es die gewünschte Zähigkeit hatte. Ein Brennvorgang konnte bis zu sieben Tagen dauern.

Pech ist der vielleicht älteste Kunststoff des Menschen und heute am ehesten mit Plastik oder Erdöl zu vergleichen. Die ältesten Funde wurden nachweislich aus Birkenzweigen gekocht und sind 80 000 Jahre alt. In vielen unterschiedlichen Zusammenhängen verwendbar, diente Pech vor allem als Schmiermittel oder Klebstoff und zum Abdichten von Fässern oder Schiffen.

In diesem Zusammenhang fand es schon im Alten Testament Erwähnung. Als Noah seine Arche baute, verwandte er Pech zum Abdichten der Planken. Die Flüssigkeit wurde aber ebenso als Brennstoff für Fackeln oder für medizinische Zwecke eingesetzt. Im militärischen Bereich fand es als Waffe Verwendung – für Brandpfeile oder um es über die danach benannten Pechnasen siedend heiß von einer Wehranlage auf den heranrückenden Feind zu gießen. Wer eine solche Ladung abbekam, hatte wortwörtlich Pech. Bis heute ist nicht ganz gesichert, ob sich davon die negative Verwendung des ursprünglich sicher positiv besetzten Wortes ableitet.

Pechöfen oder Pechsiedereien wurden in hiesigen Breiten in vielen waldreichen Gebieten angelegt. In Sachsen kommen sie im Erzgebirge vor oder in der Dahlener Heide zwischen Leipzig und Dresden. Typisch sind sie für die Lausitz. Peter Schöneburg, der die Grabungen in den Tagebauen Reichwalde und Nochten leitet, spricht angesichts der Häufigkeit sogar von der ersten Industrie der Lausitz. Bei den weiteren Untersuchungen bekommt er tatkräftige Unterstützung. Die Klasse 6/1 der Bruno-Bürgel-Oberschule aus Weißwasser wird im Rahmen eines Projekts ein Jahr lang einen weiteren Pechofen am Tagebaurand ausgraben helfen. Ein echtes Abenteuer für die Schüler und reinstes – Glück.

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