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Schwarzkittel im Visier

Für die Jäger im Nordkreis des Landkreis Görlitz ist das Abschussziel von 70 Prozent unerreichbar. Sie mahnen Kooperation mit Landwirten an.

© SZ-Archiv / Bernhard Donke

Von Frank-Uwe Michel

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Die eigenen vier Wände sind eines der größten Projekte im Leben. Am 16. November können Interessenten die vier entstehenden Doppelhäuser auf der Landheimstraße besichtigen.

In diesem Punkt ist sich Hans-Dietmar Dohrmann sicher: Nein, das ist nicht zu schaffen! Der vom Bauernverband geforderte massenhafte Abschuss von Wildschweinen als Gegenmaßnahme zu der aus den östlichen Nachbarländern vordringenden Afrikanischen Schweinepest ist seiner Ansicht nach eine Größenordnung, die ohne Realitätsbezug aus der Luft gegriffen ist. Im vergangenen Jahr seien im Landkreis etwa 4 800 Wildschweine erlegt worden, woraus sich der in den hiesigen Wäldern vorkommende Gesamtbestand allerdings nicht ableiten lasse. „Wir nehmen an, dass durch die Jagd maximal 30 bis 40 Prozent der vorhandenen Sauen gestreckt werden können“, sagt der aus Rothenburg stammende Vorsitzende des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz. Die Zahl der abzuschießenden Wildschweine müsse demnach verdoppelt werden, um die Forderung des Bauernverbandes auch nur annähernd erfüllen zu können. „Bei den zulässigen Jagdmethoden, den vorhandenen Bedingungen der Feldbewirtschaftung und dem erforderlichen Zeitaufwand ist das schlichtweg nicht möglich“, stellt Dohrmann klar. Zwar seien nach Auskunft der Unteren Jagdbehörde des Landkreises in den vergangenen Monaten deutlich mehr Wildschweine geschossen worden. Eine spürbare Verringerung der Population könne man aber nur in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten und Grundstücksbesitzern erzielen, auf deren Flächen sich die Tiere tummeln. Zudem reiche das Sächsische Jagdgesetz nicht aus, auch die vorgesehenen Änderungen würden kaum Verbesserungen bringen.

Das kritisiert auch der Landesjagdverband, der sich in einem Schreiben an Landtagspräsident Matthias Rößler gewandt hat. Eingebrachte Änderungswünsche hätten in dem Gesetzentwurf keinerlei Berücksichtigung gefunden, heißt es dort. Dabei geht es vor allem um die Forderung des Verbandes, dass sich „alle Jagdscheininhaber in Sachsen flächendeckend in Hegegemeinschaften organisieren müssten“. Nur wenn alle verfügbaren Kräfte gebündelt würden, könne man das Schwarzwild wirksam bejagen. Hintergrund dieser Forderung ist die auch von Hans-Dietmar Dohrmann formulierte Tatsache, dass nur etwa die Hälfte aller Jäger in Jagdverbänden organisiert ist und damit nach Verbandsregularien zur Wildschweinjagd herangezogen werden kann. Kritik übt der Landesverband ebenso an den Landwirten. Man sehe die Hauptursache für die überhöhten Wildschweinbestände in der industriemäßigen Landwirtschaft. Einerseits hätten die Felder enorme Größen, andererseits würden für die Schweine interessante Futter- und Deckungspflanzen angebaut. Trotz steigender Abschusszahlen sei man dem Bestandszuwachs der Schwarzkittel unter diesen Umständen nicht gewachsen.

Die mit Wirkung vom 1. Januar 2018 vom Freistaat übernommenen Kosten für die vorgeschriebene Trichinenuntersuchung reicht nach Ansicht der Jägerschaft nicht aus, um die Grünröcke wirksam zu höherem Einsatz in der Bejagung zu stimulieren. Der Landkreis gehe mit seiner Abschussprämie einen Schritt voran, meint Hans-Dietmar Dohrmann. Für erwachsene Wildschweine gibt es derzeit fünf Euro, für Frischlinge bis 20 Kilo Lebendgewicht sogar zehn Euro. Der Landesverband fordert Abschussprämien nun auch vom Freistaat – für Frischlinge bis 25 Kilo Lebendgewicht und nichtführende Bachen 25 Euro je Tier. Außerdem soll das Land für den Einsatz von Hunden zahlen und die Jagd auf Wildschweine auch in Naturschutzgebieten und Nationalparks möglich machen. Gefordert werden zudem weitergehende Jagdmethoden: Das Verbot, künstliche Lichtquellen zu benutzen, müsse ausgesetzt werden. Zudem müsse der Einsatz von Nachtsicht- und Wärmebildzielgeräten bei der Schwarzwildjagd erlaubt werden.

„Sicher, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest ist auch für uns Jäger ein ernstes Problem“, bekräftigt der Chef des Jagdverbandes Niederschlesische Oberlausitz. Unter den gegebenen Umständen glaube er aber nicht, dass das Ziel, 70 Prozent des Wildschweinbestandes zu erlegen, erreichbar sei, so Dohrmann.