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Schwarzkittel machen Feld und Flur zur Sau

Vor wenigen Tagen spielte sich auf einem Feld bei Nossen-Augustusberg eine Riesenschweinerei ab. Schwarzkittel wühlten nachts den Boden auf, verwüsteten Raps, der dort im August ausgedrillt worden war....

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Von Dieter Hanke

Vor wenigen Tagen spielte sich auf einem Feld bei Nossen-Augustusberg eine Riesenschweinerei ab. Schwarzkittel wühlten nachts den Boden auf, verwüsteten Raps, der dort im August ausgedrillt worden war. „Ein Rotte war auf der Suche nach Mäusen und Engerlingen. Der Schaden ist beträchtlich“, sagt Günter Kleditzsch, Geschäftsführer der Agrar GmbH Großvoigtsberg, die Flächen nahe der A 4 und um den Zellwald bewirtschaftet.

In den vergangenen Wochen waren die Schwarzkittel bereits durch Mais-Schläge gezogen und taten sich hier gütlich. Selbst ein etwa 70 Zentimeter hoher Elektrozaun war für die Wildschweine kein Hindernis. „Sie sprangen drüber. Zum Glück hielten sich die Verluste an den Pflanzen in Grenzen“, bemerkt der 60-Jährige. Kleditzsch, der Vorstandsmitglied der Jagdgemeinschaft Nossen ist, alarmierte die Jäger. Die sitzen jetzt des Nachts auf den Anständen, um die Tiere zu erlegen.

Auch Knut Richter, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Deutschenbora, verzeichnet dieses Jahr Schäden an den Mais-Kulturen. „Wir sind zwar noch glimpflich davon gekommen, 2002 sah es schlimmer aus. Doch es muss schon etwas getan werden, um regulierend in die hohen Wildschwein-Bestände einzugreifen“, so Richter, der ebenfalls Vorstandsmitglied der Nossener Jagdgemeinschaft ist. Jäger und Landwirte ziehen da an einem Strang. Im vorigen Herbst und Winter wurden im Zellwald gemeinsam mit Forstleuten mehrere Wildschwein-Treibjagden veranstaltet. „Über 200 Tiere wurden zur Strecke gebracht“, so Richter.

Das Jagen des Schwarzwildes erweise sich aber als schwierig, bemerkt der Geschäftsführer. Tagsüber ruht es, und in der Dämmerung und nachts fehlt oftmals das Licht. Da ist die Devise der Jäger: Mondschein abzuwarten, sich auf einen Hochsitz zu begeben und auf weidmännisches Glück zu hoffen.

Die Bestände sollen

im Rahmen bleiben

Im Landkreis Meißen gibt es zwar keine Wildschweinplage wie zum Beispiel in der Königsbrücker Heide. Doch die Schwarzwild-Bestände sollen im Rahmen bleiben, sagt Thomas Vogelsang, Sachbearbeiter Jagdwesen im Landratsamt. In der jetzt begonnenen Jagdsaison wollen die Mitglieder der zwei Jagdverbände im Kreis die Anzahl dieser Tiere drastisch reduzieren. Denn diese haben sich in vergangenen Jahren bestens entwickelt. Durch das gute Futterangebot auf den Feldern von Roggen über Raps bis Mais finden sie ideale Bedingungen vor. „Im Jagdjahr 2002/03 brachten allein die Jäger der Kreisjagdgemeinschaft 525 Schweine zur Strecke“, so Vogelsang. Die Zahl der Wildschwein-Rotten und durch sie angerichtete Schäden sind auch territorial unterschiedlich. Ulrich Winkler vom Agrarunternehmen Lommatzscher Pflege verzeichnet bislang in diesem Jahr keine Einbußen bei Feldkulturen durch Wildschweine, es wurden auch nur wenige Schwarzkittel gesichtet. Im Nossener Gebiet, vor allem aber in der Moritzburger Gegend haben sich die Wildschwein-Rotten dagegen stark vermehrt. „Die Bestände erreichen eine bedenkliche Größe“, sagt Bernd Dankert, Leiter des Forstamtes Moritzburg. In diesem Jahr würde es in den Wäldern sehr viele Eicheln und Bucheckern geben. „Durch das hervorragende Futterangebot können sich die Schweine weiter stark vermehren“, so der Forstmann. Mit 540 Schwarzkitteln, die von April 2002 bis März 2003 in den Moritzburger Wäldern erlegt wurden, haben hier die Jäger die bislang höchste Strecke zu verzeichnen.