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Schweigemarsch fürs Theater

Freunde des Ensembles haben dem Stadtratam Donnerstag deutlich gemacht, dass es Zeit zum Handeln ist – mit einer bewegenden Inszenierung.

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Von Thomas Mielke

Die Inszenierung am Donnerstag war so gut, dass es vielen Gästen und Stadträten kalt den Rücken runter gelaufen ist: Pünktlich zur Fragestunde gingen die Türen auf und knapp 100 Theater-Freunde kamen nach und nach schweigend in den Bürgersaal. Sie alle trieb die Angst vor den bisher unveröffentlichten Sparplänen und dem eventuellen Todesstoß für das Ensemble zum Stadtrat. Sie wollten ihre Solidarität bekunden und Gesicht zeigen, betonten aber, dass der Auftritt nicht als Kritik an der Stadt gedacht sei.

Drei Fragesteller trauten sich ans Mikrofon, zwei davon im Jugendalter. Sie wollten wissen, was Oberbürgermeister, Stadtrat und Verwaltung zu tun gedenken. OB Arnd Voigt (Freie Bürger) sagte, dass er als Kreisrat im Aufsichtsrat der Theater-Gesellschaft sitzt, aber zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Als OB habe er den Landrat, Chef des Mehrheitsgesellschafters Landkreis, aufgefordert, öffentlich Stellung zu beziehen. Er machte klar, dass die Stadt kein Gesellschafter ist und deshalb wenig Spielraum hat. „Allein wird die Stadt es nicht leisten können“, sagte er. Trotzdem will sie das Theater erhalten, hat viel für die Sanierung getan und erst kürzlich den vollen Sitzgemeindeanteil übernommen.

Alle Fraktionen betonten, dass sie das Theater erhalten wollen. Thomas Kurze (Freie Bürger) erinnerte daran, dass die Verwaltung bis Januar dem Rat ein Konzept zum Thema vorlegen soll. Mehr als 50 Prozent der Gesellschaftsanteile kaufen und damit Entscheider werden kann Zittau aus finanziellen Gründen nicht. „Da müssen noch andere Wege aufgemacht werden.“ Dass es dennoch erste Gespräche zur Übernahme von Görlitzer Anteilen gibt, offenbarte Klaus Zimmermann (SPD). Gottfried Soukup (FDP-Fraktion) forderte die Umlandgemeinden nochmals auf, mit Zittau zusammenzuarbeiten und einen Zweckverband zu gründen, der finanziell schlagkräftiger ist und Anteile übernehmen könnte.

Andreas Johne (CDU) erinnerte daran, dass die Diskussion vor der Veröffentlichung der Pläne „Kaffeesatzleserei“ sei. Ungeachtet dessen soll der Stadtrat darauf achten, dass die Kürzungen nicht nur Zittau betreffen. Dem schloss sich Dietrich Thiele (FUW) an. Rainer Harbarth (Linke) forderte alle Freunde des Theaters auf, den Landrat mitE-Mails zu bombardieren.

Anneke Pogarell, eine der jungen Unterstützer, war das zu wenig. Sie fand, dass auf die konkreten Fragen zu wenig konkrete Antworten gegeben wurden. Stadtrat Jörg Gullus (CDU) rief seine Kollegen auf, mit dem Handeln zu beginnen.

Theater-Geschäftsführer Caspar Sawadeverfolgte die Szene von den Gästeplätzen aus. Er hat die Sparpläne erarbeitet, war aber nicht böse: „Ich freue mich sehr über die Anteilnahme“, sagte er der SZ. „Sie zeigt doch die Liebe der Zittauer zu ihrem Theater.“ Selbst der Weihnachtsmann, der die Räte traditionell in der letzten Sitzung des Jahres besucht, hatte erstmals selbst einen Wunsch: „Ich wünsche mir, dass das Theater erhalten bleibt.“