merken
PLUS Görlitz

Was Schweighofer in Kodersdorf fürs Klima tut 

Der Holzveredler verbrennt vor allem – Baumrinde. Das Unternehmen tut noch mehr für eine bessere Ökobilanz.

Im Rücken von Thomas Kienz, dem kaufmännischen Leiter von Holzindustrie Schweighofer in Kodersdorf, wächst das neue Heizkraftwerk. Im Frühjahr 2020 soll es betriebsbereit sein.
Im Rücken von Thomas Kienz, dem kaufmännischen Leiter von Holzindustrie Schweighofer in Kodersdorf, wächst das neue Heizkraftwerk. Im Frühjahr 2020 soll es betriebsbereit sein. ©  André Schulze

Noch wird an der Außenhülle gearbeitet, doch noch im September soll der Hochbau fertig sein. Dann geht es in dem neuen Heizkraftwerk ans Eingemachte. Turbine, Kessel, Wärmetauscher. „Manche Teile haben wir schon da. In den nächsten Monaten wollen wir die Anlage so weit komplettieren, dass sie im April oder Mai 2020 in Betrieb gehen kann“, erklärt Thomas Kienz, der als kaufmännischer Leiter von Holzindustrie Schweighofer in Kodersdorf nicht nur die Technik, sondern auch die Zahlen im Blick haben muss.

Mehr als 5 Megawatt elektrische und 15 Megawatt thermische Leistung soll der Koloss nach seiner Fertigstellung produzieren. Allein die Strommenge entspricht dem Jahresverbrauch von 12 500 Zwei-Personen-Haushalten. Dafür greift der Holzveredler tief ins Portemonnaie: Mehr als 20 Millionen Euro wird das neue Kraftwerk am Ende kosten. Ausschlaggebender Punkt für die Investition war die Neuausrichtung der Wärmeversorgung für die Schnittholztrocknung. „Weil wir unsere Angebotspalette in Zukunft noch breiter aufstellen wollen und deshalb mehr Wärme benötigt wird, mussten wir eine Entscheidung treffen“, erläutert Kienz. Und die sei eben nicht zugunsten von Gas oder eines Warmwasserkessels gefallen. „Wir haben uns für Biomasse entschieden.“

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Vor allem, weil der Rohstoff zum Großteil im Werk schon vorhanden ist. Bei voller Auslastung verbraucht das Kraftwerk rund 300 000 Kubikmeter Biomasse im Jahr – 75 Prozent davon bildet die Rinde der angelieferten Baumstämme, nur 25 Prozent werden zugekauft. „Das sind sogenannte Waldhackschnitzel, Teile der Baumkrone und nichtsägefähiges Holz“, beschreibt der kaufmännische Leiter die Versorgungslage. Mit dem neuen Kraftwerk sei man in der Lage, 100 Prozent des in Kodersdorf gefertigten Schnittholzes zu trocknen. Das sind immerhin 560 000 Kubikmeter im Jahr. Momentan liege man bei einer Trocknungskapazität von 87 Prozent. Die Feuchte des Holzes beträgt am Ende des Trocknens noch acht bis zwölf Prozent. „Man könnte auch noch darunter gehen. Das macht aber wenig Sinn, weil in der Luft immer eine gewisse Feuchtigkeit vorhanden ist“, erklärt der Fachmann. Schon so dauere der Trocknungsprozess je nach Dicke des Materials zwischen zwei und zwölf Tage. Der erzeugte Strom wird über das Erneuerbare Energien-Gesetz in das öffentliche Netz eingespeist.

Nächste Investition steht an

Noch in diesem Jahr soll bei Schweighofer die Entscheidung über weitere Investitionen fallen. Um was es dabei genau geht, darüber hüllt sich Thomas Kienz noch in Schweigen. Nur so viel: „Wir werden uns um die Weiterverarbeitung des Schnittholzes kümmern, die sogenannte Wertschöpfungstiefe erhöhen.“ Denn vor allem die Märkte in Amerika und Japan sind noch aufnahmefähig. Der Manager bestätigt: „Wir wollen Asien in Zukunft noch stärker bedienen.“ Dazu muss in Kodersdorf weitere Hallenkapazität geschaffen werden. In Richtung Autobahn steht dazu ein elf Hektar großes Grundstück zur Verfügung. Kienz: „Dort haben wir noch genügend Erweiterungsmöglichkeiten.“ Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass es außer dem Kraftwerk derzeit auch eine andere Baustelle gibt. „Wir erweitern unseren Mitarbeiterparkplatz und schaffen neue Lagerfläche.“ Immerhin habe sich die Beschäftigtenzahl von 270 bei der Übernahme des früheren Klausner-Werkes durch Schweighofer im Jahre 2015 auf aktuell 430 erhöht.

Durch eine unmittelbar neben dem Sägewerk angesiedelte Investition soll sich die Umweltbilanz des Holzverarbeiters schon in diesem Jahr verbessern. Davon geht der Schweighofer-Manager jedenfalls aus. Denn bis zum Fahrplanwechsel der Bahn im Dezember, so sein Kenntnisstand, will die RS Terminal GmbH Ostsachsens größten Containerumschlagplatz errichtet und an das Verkehrsnetz angeschlossen haben. Das jedoch könnte knapp werden. Investor Sven Noatzke hatte im Frühsommer gegenüber der SZ von einem Baubeginn im August gesprochen. Doch der ist schon verstrichen. Als Bauzeit sind sechs bis acht Monate im Gespräch, sodass die Inbetriebnahme im Frühjahr 2020 wohl realistischer scheint.

Viele Lasterfahrten entfallen

Aber egal wann – im Sägewerk hat man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und will dazu beitragen, das Terminal möglichst gut auszulasten. Rund 40 Prozent des Transportpotenzials an Fertigprodukten sollen künftig auf der Schiene in die deutschen Nordseehäfen geschickt werden, um von dort die Reise nach Amerika und Asien anzutreten. Das sind laut Thomas Kienz täglich zwischen 20 und 40 voll beladene Container. Genauso viele Lkw weniger donnern dann jeden Tag durch Kodersdorf. „Entscheidend für uns ist die größere Liefersicherheit mit dem Zug. Beim Transport auf der Schiene spielen Staus glücklicherweise keine Rolle.“ Schon jetzt fährt Schweighofer 30 Prozent seines Produktionsvolumens auf Gleisen durch die Republik. Geht das Terminal in Betrieb, werden es insgesamt 70 Prozent sein. In drei bis vier Jahren sieht das Konstrukt dann noch günstiger aus. Denn bis dahin will die DB Netz AG in digitale Signaltechnik investieren. Das erlaubt eine kürzere Zugfrequenz, was die Kapazität des Gleisanschlusses noch einmal erhöht. Beim Rohholztransport ergibt sich perspektivisch jedoch keine Änderung. „Wir kaufen unser Holz von Anbietern aus einem Umkreis von etwa 100 Kilometern auf. Da muss man oft schnell reagieren. Die Variante Zug ist nicht flexibel genug.“ Zumal Schweighofer – wie im vergangenen Jahr – derzeit verstärkt mit Borkenkäferholz zu tun hat. Thomas Kienz hat sich das Malheur in den Wäldern der Region angesehen. „Es gibt Standorte, zum Beispiel bei Herrnhut, da sind die Fichten reihenweise tot.“ Momentan wachse bereits die dritte Generation der Schädlinge heran. „Wir sitzen deshalb sehr regelmäßig mit den Vertretern von Sachsenforst zusammen. Und stimmen uns ab, wo der Abtransport des Schadholzes am notwendigsten ist.“ Allerdings lässt die Qualität stark zu wünschen übrig. „Weil der Borkenkäfer sein Unwesen von Italien bis Schweden nahezu flächendeckend treibt, ist das ‚blaue Schnittholz‘ in Mitteleuropa nicht mehr abzusetzen. Wir haben uns dafür Märkte in Amerika, China und Indien aufgebaut. Auch nach Osteuropa können wir noch liefern.“

Kiefern gehört die Zukunft

Auf den Klimawandel und den Umbau der Wälder muss sich das Unternehmen langfristig ebenso einstellen. An Lieferengpässe glaubt der Kodersdorfer Manager aber nicht. Auch die momentan favorisierten Mischwälder hätten ihre Tücken. „Die Buche wäre aufgrund der zu erwartenden Wasserarmut eine ideale Art. Ihre Wurzeln reichen viele Meter tief. Doch wenn die Wasserversorgung einmal ins Stocken gerät, muss auch sie ums Überleben kämpfen. Wir sehen das aus anderen Bundesländern. Da fallen jetzt alte Buchenwälder aus.“ In Kodersdorf habe man sich auf die Verarbeitung von Fichte und Kiefer spezialisiert. Die Kiefer mache perspektivisch die geringsten Sorgen. „Die Art ist deutlich weniger vom Klimawandel betroffen. Als Herzwurzler saugt sie alles verfügbare Wasser auf und ist damit besonders effektiv. Wie wir aus dem Norden des Landkreises wissen, kommt sie auch mit Sandböden noch gut zurecht.“

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Görlitz