SZ +
Merken

Schweigt das Glockenspiel zum 50.?

15000 Euro Spenden sind bisher eingegangen. Das reicht nicht für die Reparatur. Es sei denn, die Stadt füllt den Topf auf.

Teilen
Folgen
© privat

Von Mario Heinke

Zittau. Hunderte Zittauer haben die feierliche Einweihung des Porzellan-Glockenspiels an der Blumenuhr miterlebt. Sie verfolgten am 27. August 1966 ab 15 Uhr die Übergabe des Klangkörpers, als der Vorsitzende der Handwerkskammer das Glockenspiel an den Rat der Stadt übergab.

Das hölzerne Baugerüst.
Das hölzerne Baugerüst. © privat
Die offizielle Einladung zur feierlichen Einweihung.
Die offizielle Einladung zur feierlichen Einweihung. © privat

Anderthalb Jahre zuvor, im Januar 1965 rief der Rat der Stadt Zittau die Bürger auf, einen Beitrag zur Verschönerung der Anlagen des „Grünes Rings“ zu leisten. Uhrmachermeister Horst Landrock unterbreitete daraufhin den Vorschlag, die „weltbekannte Blumenuhr“ durch ein Glockenspiel zu ergänzen. Die Handwerkskammer griff den Vorschlag auf und sammelte 20000 Mark bei den Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) und Handwerksmeistern des Kreises Zittau ein. Darüber hinaus leisteten Handwerker freiwillige Arbeitsstunden beim Aufbau der neuen Attraktion. Das geht aus einem Text in der offiziellen Einladung des Rates der Stadt Zittau hervor.

Ratsuhrmacher Guido Hannig zeigte sich hocherfreut, als er vor einigen Tagen drei Seiten aus dem privaten Fotoalbum von Ingeborg Hoyer aus Hainewalde in die Hände bekam. Auf einem Blatt findet sich das Foto von der Einweihung, auf einem anderen das Bild mit dem hölzernen Baugerüst neben der Blumenuhr. Die anderen Fotos zeigen die unterschiedlichen Bepflanzungen der Blumenuhr.

Frau Hoyer war bei der Einweihung selber nicht dabei. Die Fotos schoss ihr Ehemann Ernst Hoyer. „Ich war zu Hause und habe auf die Kinder aufgepasst“, erinnert sich die Hainewalderin. Sie wohnte damals mit ihrer Familie am Karl-Liebknecht-Ring. Ernst Hoyer, der 1997 verstarb, war lange Zeit Kulturstadtrat in Zittau und baute in den 1960er Jahren unter anderem die Tourist-Information mit auf, erzählt Frau Hoyer. Als sie von der notwendigen Reparatur des Glockenspiels hörte, habe sie in den Fotoalben ihres Ehegatten nachgeschaut und die Bilder von der Einweihung gefunden.

„Mögen die Glocken über alle Zeit hinweg Frieden verkünden“, steht in der Festschrift und sie endet: „Heute ist der Rat der Stadt Schirmherr und stellt Jahr für Jahr beträchtliche Mittel bereit.“ Diese Sätze rufen bei Hannig Stirnrunzeln hervor.

Seit vergangenem Jahr schweigen die Glocken. Weil sie nur schräge Töne fabrizierten, wurde das Glockenspiel abgeschaltet. Die Anschlaghämmer an den 28 Porzellanglocken müssen dringend erneuert werden. Weil der Stadt bekanntermaßen das Geld fehlt, rief der Ratsuhrmacher mit Türmer Felix Weickelt eine Spendenaktion ins Leben, um das 50 Jahre alte Wahrzeichen auf digitale Technik umzurüsten und grundlegend zu sanieren. 40 000 Euro braucht die Stadt, um das Glockenspiel wie gewünscht umzubauen.

Am Mittwoch betrug der Spendenstand genau 14983,70 Euro. „Wir haben bisher viele kleinere Spenden bekommen“, sagt Hannig. Was bislang fehle, sind größere Summen, etwa von regionalen Unternehmen oder anderen potenten Spendern.

„Es wäre schön, wenn das Glockenspiel zum 50. Geburtstag am 27. August wieder erklingt“, sagt Hannig. Er hofft darauf, dass die Stadt irgendwann den Fehlbetrag auffüllt und die notwendige Reparatur nicht allein den zahlreichen Spendern überlässt.

Spenden für das Glockenspiel können auf ein Konto der Stadt bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien eingezahlt werden. Bei Angabe der Adresse stellt die Stadtverwaltung eine steuerlich absetzbare Spendenquittung aus.

Empfänger: Stadt Zittau

IBAN: DE54850501003000000100

BIC: WELADED1GRL

Verwendungszweck: Denkmalpflege Glockenspiel