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Schweizer entdecken Görlitzer Buchort

Michael Guggenheimer war schon öfter in der Wissenschaftsbibliothek. Jetzt kehrte er erneut an diesen Ort zurück.

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk im historischen Görlitzer Büchersaal.
Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk im historischen Görlitzer Büchersaal. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Sogar eine Literaturnobelpreisträgerin hat der stimmungsvolle historische Bibliotheksaal in der Görlitzer Altstadt bereits gesehen. Doch von der Auszeichnung 2019 ahnte die polnische Autorin Olga Tokarczuk vier Jahre zuvor nichts, als sie 2015 anlässlich der Ehrung mit dem Görlitzer Brückepreis über die Büchersammlung im Barockhaus Neißstraße 30 staunte. 

Michael Guggenheimer vor fast 20 Jahren bei einer Lesung in Görlitz.
Michael Guggenheimer vor fast 20 Jahren bei einer Lesung in Görlitz. © Archiv: SZ/Thomas Fiedler

In diesem Frühjahr bekam die Bibliothek noch vor der Corona-Pandemie Besuch von Michael Guggenheimer aus der Schweiz. Dessen Großeltern kamen aus Görlitz, flohen als jüdisches Ehepaar vor den Nazis nach Palästina. 60 Jahre später suchte Guggenheimer, der in Zürich wohnt, nach seinen Wurzeln und schrieb über seine Erkundungen durch die Stadt das Buch "Schicht um Schicht". Seine Erfahrungen als Mitarbeiter der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia brachte er auch in die Kulturhauptstadtbewerbung von Görlitz mit ein.

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Michael Guggenheimer und sein Sohn beim Verlegen von Stolpersteinen für ihre Vorfahren in Görlitz.
Michael Guggenheimer und sein Sohn beim Verlegen von Stolpersteinen für ihre Vorfahren in Görlitz. ©  Archiv/Nikolai Schmidt

Er kam jetzt nicht allein, sondern zusammen mit Heinz Egger, ein Schweizer Büchersammler, -verleger und eigentlich Lehrer. Beide zusammen betreiben seit Jahren den Blog "www.buchort.de", in dem sie Buchhandlungen, Bibliotheken, Lese-Cafés und Schweizer Gebrauchtwarenläden vorstellen. Der Clou: Sie besuchen sie zuvor, fotografieren und schreiben über den Besuch aus ihrer jeweiligen Perspektive. 

Jedem der Beiden fällt dabei etwas anderes auf. Das ist jetzt exemplarisch an den Berichten über die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz mit ihrem Büchersaal zu sehen, der seit Dienstag im Netz steht. Guggenheimer fühlt sich in eine Bücherschatzkammer versetzt und vergleicht die Bibliothek von heute mit der vor dem Umbau des Museums in den 2010er Jahren, als der Lesesaal so eng war, dass die Bibliothekarin erst ihren Arbeitsplatz räumen musste, damit der Leser nach Büchern in den Katalogkästen suchen konnte. 

Heinz Egger wiederum interessiert sich stärker für die Geschichte der Büchersammlung und geht auf drei Autoren näher ein, deren Bücher hier zu finden sind: Tycho Brahe, der  dem Görlitzer Bürgermeister und Astronom Bartholomäus Scultetus ein Buch mit Widmung schenkte; Jakob Böhme und die Tagebücher von Adolf Traugott von Gersdorf,  beispielsweise über seine berühmte Schweiz-Reise.

Die Städtischen Sammlungen Görlitz, die die Bibliothek beherbergen, freuen sich darüber, nun neben berühmten Buch-Orten aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden auf dem Blog zu finden zu sein. "Wirklich erleben können alle den Büchersaal aber nur bei einer unserer zusätzlichen Montagsführungen", sagt Museums-Sprecherin Kerstin Gosewisch. Jeweils 11 Uhr am Handwerk 2 in Görlitz.

Im Internet sind die Berichte über die Görlitzer Bibliothek zu finden unter: 

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