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Schweizer legt im Bahnhof los

Der neue Eigentümer hat die ersten Schäden beseitigt. Doch woher soll das Geld für die Sanierung kommen?

Von Tina Soltysiak

Die Türen des Leisniger Bahnhofs sind weit geöffnet. Drinnen stehen Erwin Feurer und sei Sohn Jerome. Sie tragen rote Overalls und schwingen Besen und Kehrschaufel. In den vergangenen zwei Tagen haben sie fleißig gekehrt. Einen ganzen Anhänger haben sie zudem mit alten Holzteilen und anderem Schrott gefüllt.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

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Diese Aktivitäten am Bahnhof haben Neugierige angezogen. Ab und an strecken Leute, die auf den Bus warten, ihre Köpfe hinein. Klaus Birkner ist einer von ihnen. Er erinnert sich, wie der Bahnhof in den 1970er Jahren ausgesehen hat: „In der Gaststätte ist immer was los gewesen. Es gab kleinere Extraräume, in denen zum Beispiel Familienfeiern ausgerichtet wurden.“ Außerdem hätten das Eingangsportal und die Türen von Wartehalle und Gepäckausgabe anders ausgesehen. „Es waren Rundformen, die mit Holz beschlagen waren“, erzählt Klaus Birkner. Er richtet seinen Blick zur Decke und sagt: „Als der Bahnhof in den 70ern umgebaut worden ist, hat man eine Zwischendecke eingezogen.“

Brand legte Schönheiten frei

Die ist seit dem Brand vor fünf Jahren verschwunden. Stattdessen ist eine Holzdecke zu sehen. Sie zeugt vom Glanz vergangener Zeiten. „Der Dachstuhl ist sehr wertvoll“, sagt der Bahnhofsbesitzer Erwin Feurer. Er plant, die Decke zu reinigen und zu lasieren. „Das ist der beste Weg, um die Substanz zu erhalten“, sagt er. Auch der Fußboden in der ehemaligen Wartehalle sei noch in einem guten Zustand. „Auf ihm finden sich Spuren von 1876 bis heute. Er ist somit ein Stück Geschichte“, schwärmt Feurer.

In die ehemaligen Gaststätten-Räume hatte die Deutsche Bahn nach dem Brand investiert: „Die Balken sind zum Beispiel in Ordnung gebracht worden. Das hat viel Geld gekostet“, erinnert sich der Döbelner Eisenbahnexperte Andreas Riethig. Im gesamten Erdgeschoss des Bahnhofes hat das Feuer deutliche Spuren hinterlassen. So ist eine ausgebrannte Telefonzelle zu sehen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass ihr Zustand erhalten bleibt, so Feurer. Kürzlich habe er Jörg Liebig von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises und den Döbelner Architekten Maik Schroeder durchs Haus geführt. „Liebig hat vorgeschlagen, den Zustand der Telefonzelle zu fixieren und sie hinter Glas zu einer Art Ausstellungsstück zu machen“, erzählt Feurer. Mit dem Gedanken könne er sich anfreunden. Schließlich sei die Kunst ein weiteres Steckenpferd von ihm. In den ehemaligen Wohnräumen im Obergeschoss hängen bereits erste Bilder des eher unbekannten Künstlers Ludy Bauer.

Keine Renovierung ins Blaue hinein

Die Zimmer sind in einem guten Zustand. „Natürlich müssen sie renoviert werden, aber die Bausubstanz ist in Ordnung“, sagt Erwin Feurer. Geld wird er aber erst investieren, wenn auch tatsächlich Bedarf vorhanden ist. Daran hapert es momentan. „Es gibt zahlreiche Menschen, die mich unterstützen wollen und ich spüre, dass die Leisniger wieder Leben im Bahnhof haben möchten, aber ein konkretes Nutzungskonzept gibt es nach wie vor nicht“, sagt der Schweizer.

Ein Konzept müsste aber her, wenn er finanzielle Unterstützung von Land und Bund haben möchte. Das hat die mittelsächsische SPD-Bundestagsabgeordnete Simone Raatz gestern deutlich gemacht. Sie ist nach Leisnig gekommen, um sich den Bahnhof einmal von innen anzuschauen. „Es gibt städtebauliche Förderprogramme auf Bundesebene, die infrage kämen. Um diese beantragen zu können, bedarf es allerdings eines Nutzungskonzeptes und der Unterstützung der Stadt“, erklärt sie. Bis es soweit ist, soll das Projekt Bahnhofswiederbelebung erst einmal im Kleinen angegangen werden. „Wir wollen unsere SPD-Stadträte für das Thema sensibilisieren, damit es es im Gespräch bleibt“, sagt Simone Raatz.

Bis dahin will Erwin Feurer einige notwendige Arbeiten durchführen. „In den kommenden ein bis zwei Monaten sollen die Fenster der ehemaligen Gaststätte repariert werden. Außerdem wird die Dachhaut ausgebessert“, sagt er. Diese Arbeiten möchte er in Eigenleistung realisieren. „Für die größeren Maßnahmen möchten wir die Firmen aus der Gegend gewinnen“, ergänzt der Bahnhofseigentümer. Der Leisniger Klaus Birkner freut sich indes schon, dass bald Ergebnisse sichtbar sein werden.