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Schwepnitz: Streit um Schweinestall-Pläne

Eine Landwirt will seine Zucht- und Mastanlage erweitern. Damit sollen sich die Bedingungen für Mensch und Tier verbessern. Dennoch gibt es im Ort Protest.

In Schwepnitz werden seit fast 50 Jahren Schweine gezüchtet. Jetzt soll der Stall erweitert werden.
In Schwepnitz werden seit fast 50 Jahren Schweine gezüchtet. Jetzt soll der Stall erweitert werden. © Symbolfoto: dpa

Schwepnitz. Ein anonymer Brief an die SZ, Protestschreiben mit Unterschriftenliste an Sachsens Umweltminister und andere Behörden: Im Schwepnitzer Ortsteil Grüngräbchen ist die Stimmung aufgeladen. Es geht um die Sauenzucht- und Schweinemastanlage . Die gibt es seit den 1970er-Jahren. Jetzt plant der Landwirt allerdings Investitionen.

Im Gespräch sind sie schon ein paar Jahre. Derzeit aber  beschäftigt sich der Gemeinderat mit einem Bebauungsplan für das Areal und mit Änderungen im Flächennutzungsplan, um den Weg für eine Modernisierung und Erweiterung des Betriebs der  Familie Thijssen zu ebnen. Die übernahm das Unternehmen vor elf Jahren. Teile der Anlage stammen aber noch aus Anfangszeiten.

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Bürgermeisterin Elke Röthig könne die Sorgen der Anwohner verstehen, sagt sie. Sie ärgert allerdings, wie mit dem Thema umgegangen wird. Gerüchte und  Briefe an Behörden kursieren. Sie hätte sich gewünscht, dass mal einer der Kritiker zu ihr gekommen wäre: „Ich hätte einiges erklären und Falschinformationen ausräumen können.“

Dabei steht eine Zahl im Fokus: 9.000 zusätzliche Tiere seien geplant.  Das stimme nicht. Außerdem schreiben die Kritiker im  Briefes an den Minister von ihrer Sorge um die Menschen, die Natur, die Böden, das Tierwohl und vom unerträglichen Gestank durch die Gülle. Sie kritisieren die intensive Landwirtschaft. Diese Massenproduktion sei nicht mehr zeitgemäß.

Güllebehälter sollen Abdeckungen bekommen

Die Fakten stellen sich so dar: Momentan sind etwa 9.500 Tiere in der Anlage - Zuchtsauen, Mastschweine und Ferkel. 700 Zuchtsauen sollen dazukommen, außerdem Platz für 4.200 Ferkel entstehen, die er vor allem in den Westen der Republik verkaufe, erklärt der Landwirt.  Er versichert, dass es keine zusätzliche Belastung geben werde. Dafür sollen Biofilter in den neuen Ställen sorgen. Auch der Maststall soll eine Abluftanlage erhalten. Die alten Güllebehälter bekommen nach den Plänen Abdeckungen, die neuen sowieso. Auch das werde den Gestank mindern.

Im Vordergrund stehe, EU-Richtlinien zu erfüllen und den Tieren mehr Platz zu verschaffen – also das Tierwohl. Die Arbeitsbedingungen sollen sich ebenso verbessern. Geruch, Lärm und Staub zu minimieren, spiele bei der Modernisierung eine Rolle. Um einen wirtschaftlichen Betrieb aufrecht erhalten zu können, sollen die Stallanlagen erweitert werden. Eine Investition, die in die Millionen gehe. Die Kosten müssten ja wieder zurückverdient werden, argumentiert Landwirt Erik Thijssen. Davon abgesehen seien alle Landwirte verpflichtet, die EU-Richtlinien umzusetzen.

Ein Hauptproblem bleibt trotz der Ankündigungen die Gülle. Daran ließ eine Diskussion mit Bürgern im Gemeinderat keinen Zweifel. Er leide seit 45 Jahren unter dem Gestank und könne es nicht ertragen, dass noch mehr auf die Felder ausgebracht werde, beklagte ein Bürger.

131 Einwohner unterzeichnen Brief an Ministerium

Freilich werde über Kooperationspartner auch künftig Gülle auf Feldern ausgebracht, so Thijssen. Aber nicht mehr als bisher. Zusätzliche Mengen sollen zur Biogasanlage Lauchhammer gebracht werden. Der Landwirt wolle sogar einen schriftlichen Vertrag mit Lauchhammer schließen und die Güllemenge festschreiben. Er räumt ein, dass es an einigen Tagen im Jahr eine starke Geruchsbelästigung gegeben habe. Aber es sei kein Dauergestank. Außerdem befinde man sich in einer ländlichen Region. wo man mit so etwas rechnen müsse. 

Zu ihm habe noch kein Einwohner den Kontakt gesucht, um sich zu beklagen, so Thijssen. Aber es gebe durchaus auch Bürger, die ihm Mut machen. Dass der Ort gespalten ist, belegt letztlich die Unterschriftensammlung am Schreiben für den Minister. 131 von 355 Erwachsenen aus Grüngräbchen unterzeichneten den Brief. Der sei eingegangen, bestätigt Burkhard Beyer, Referent von Umweltminister Wolfgang Günther (Grüne). Das Ministerium habe das Landratsamt Bautzen und die Landesdirektion Sachsen einbezogen.

Gemeinde unterstützt die Pläne des Züchters

Der Betreiber der Schweinezucht habe bereits 2016 beim Landkreis Bautzen seine Pläne vorgestellt und vor zwei Jahren ein deutlich geändertes Konzept vorgelegt, heißt es aus dem Landratsamt. Der Kreis gehe davon aus, dass das Projekt einer sogenannten „immissionsschutzrechtlichen Genehmigung“ bedürfe. Das heißt: Gestank, Lärm, Staub sind zu überprüfen. Allerdings sei bisher noch kein Genehmigungsantrag eingereicht worden.

Unabhängig davon sei zu prüfen, ob das Vorhaben erhebliche nachteilige Auswirkungen auf Schutzgüter hat – wie den Menschen, den Boden, das Trinkwasser, die Luft oder Landschaft. Das Ergebnis sei zu berücksichtigen. In jeden Fall müsse eines klar sein: Wenn der Landwirt die rechtlichen Voraussetzungen erfülle, habe er auch einen Anspruch auf Umsetzung seines Vorhabens.

Bürgermeisterin Elke Röthig betont ihrerseits, dass über die Pläne längst nicht entschieden sei. Die jetzt diskutierten Bauunterlagen würden im September öffentlich ausgelegt, kündigt sie an. Den Bürgern stehe es frei, ihre Hinweise zu formulieren. Sie selbst und der Rat unterstützen den Landwirt. Es sei ein einheimischer Betrieb, der seit vielen Jahren Menschen Arbeit gebe und jetzt modernisiert werden solle. Das wolle man unterstützen und hoffe, dass damit gerade auch der Geruch nachlässt. Wenn der Landwirt hingegen aufgebe, gäbe es in der Gemeinde ein Areal mit Ruinen. 

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