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Schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr

Ein dreijähriges Mädchen stürzt aus dem Fenster einer Freitaler Kita. Dabei war der Fenstergriff in fast zwei Metern Höhe.

Von Sebastian Martin

Am Morgen nach dem Fenstersturz einer Dreijährigen sitzt der Schock in der Freitaler Kita Schatzinsel tief. Am Unglücksort ist es wesentlich ruhiger als sonst. Einige Eltern seien mit ihren Kindern zu Hause geblieben, sagt Ralf Schindler, Geschäftsführer beim Freitaler DRK, das die Einrichtung an der Schachtstraße betreibt. Angaben zum Gesundheitszustand des Mädchens oder zum Unfallhergang kann er nicht machen. „Die Ermittlungen laufen und noch werden die Fakten zusammengetragen“, sagt er.

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Auskünfte teilt später die Polizei mit. Das verunglückte Mädchen habe schwere Verletzungen erlitten und befinde sich derzeit noch im Krankenhaus. Nach ärztlicher Einschätzung bestehe aber keine Lebensgefahr, heißt es. „Das Mädchen hatte einen Schutzengel gehabt“, sagt Sprecherin Jana Ulbricht. Unbestätigten SZ-Informationen zufolge soll die Dreijährige einen Nasenbruch und größere Verletzungen in der rechten Armbeuge erlitten haben, die mit mehreren Stichen genäht werden mussten. Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen würden noch ausstehen. Inzwischen habe sie aber die Intensivstation verlassen können.

Die Polizei hat unterdessen bereits rekonstruieren können, wie es zu dem Fenstersturz in der Freitaler Kita Schatzinsel kam. „Eine 33-jährige Betreuerin hatte eine Gruppe von 13 Kindern aus einem Raum des Obergeschosses geführt und anschließend die Tür verschlossen. Dabei übersah sie offenbar ein dreijähriges Mädchen, welches in dem verschlossenen Raum zurückblieb“, sagt Polizeisprecher Thomas Geithner. Das Mädchen habe anschließend versucht, auf sich aufmerksam zu machen und sich entschlossen, ein Fester zu öffnen. Da sich der Fenstergriff aber in einer Höhe von 1,90 Meter befindet, habe sie eine Spielzeugküche an das Fensterbrett geschoben und sei raufgeklettert. So gelangte sie an den Fenstergriff, um das Fenster zu öffnen. „Als sie noch einen Schritt durch das geöffnete Fenster ging, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte circa sechs Meter tief“, sagt Thomas Geithner.

Kripo ermittelt gegen Betreuerin

Die Kriminalpolizei hat nun die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen. Diese kann bei einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe von 365 Tagessätzen geahndet werden. Bei der Bestimmung der konkreten Strafe sei für die Richter besonders das Maß der Pflichtwidrigkeit bedeutsam, heißt es aus Juristenkreisen. Ob dies auf die Erzieherin zutrifft, will die Polizei nach dem Fenstersturz an der Freitaler Kita jetzt feststellen. „Nachdem der Ablauf bereits rekonstruiert werden konnte, werden die Ermittler nun alle bestehenden Regelungen und Vorschriften der Einrichtung überprüfen. Davon abhängig können sich mögliche Sorgfaltspflichtverletzungen durch die 33-jährige Betreuerin ergeben“, sagt Thomas Geithner.

Mit den rechtlichen Konsequenzen des Unglücks beschäftigte sich der Geschäftsführer der DRK Freital Kinder- und Jugendhilfe gGmbH gestern noch nicht. „Wir werden die Ermittlungen nach Kräften unterstützen“, sagt Ralf Schindler. Für ihn an oberster Stelle steht derzeit das Gespräch mit den Eltern. Alle seien bestürzt. Das zeigt auch die Debatte auf der Facebook-Seite der SZ in Freital. Viele fragen, wie es zu dem Fenstersturz kommen konnte. Generelle Kritik wird an der Personalsituation in den Kitas geäußert. Viele Einrichtungen seien chronisch unterbesetzt, heißt es allgemein in dem Sozialen Netzwerk.

Ralf Schindler bietet den Eltern unterdessen individuelle Hilfe an, um das Unglück aufzuarbeiten. „Wir haben ein Kriseninterventionsteam eingesetzt, um die Angehörigen und Erzieher psychologisch zu betreuen“, sagt er. Einige Mitarbeiter haben dieses gestern bereits genutzt und fehlten krankheitsbedingt. Ob sie am Montag in der Kita Schatzinsel wieder erscheinen werden, ist fraglich.