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Schwerer Abschied von der Trauerarbeit

Barbara Gottwald fällt es sichtbar schwer, wenn sie von ihrem Abschied von der Trauerfeierhalle spricht. „Das war für mich Berufung“, so die 64-Jährige. „Es wird nicht leicht, wenn ich auf einmal zu meinen...

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Von Jan Lange

Barbara Gottwald fällt es sichtbar schwer, wenn sie von ihrem Abschied von der Trauerfeierhalle spricht. „Das war für mich Berufung“, so die 64-Jährige. „Es wird nicht leicht, wenn ich auf einmal zu meinen Trauernden nein sagen muss.“ 13 Jahre hat sie sich um die Trauerfeierhalle gekümmert, in dieser Zeit unzählige Abschiednahmen vorbereitet und begleitet und den Außen- wie auch Innenbereich sauber gehalten. Ihre Tätigkeit umfasste also weit mehr als nur das Aufschließen der Halle. „Ich habe die Arbeit stets mit vollem Einsatz erledigt“, sagt die Ostritzerin. Nun sei aber der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören – erreicht sie doch im Januar das Rentenalter. Es gebe Interessenten, weiß Barbara Gottwald, ein verbindlicher Nachfolger stehe aber noch nicht fest.

Halle muss renoviert werden

Wer sich auch immer künftig um die Trauerfeierhalle kümmert, einen Wunsch gibt die 64-Jährige mit auf den Weg: Die Halle muss dringend renoviert werden. Vor allem braucht sie eine ordentliche Heizung. Die vorhandene könne während der Trauerfeiern nicht angeschaltet werden, da sie sonst die Redner übertönt. Sie selbst sprach das Problem oft gegenüber der Stadt, in deren Händen die Halle liegt, an. Bisher ohne Erfolg.

Vielmehr gab es Diskussionen über einen Abriss des Anbaus. Barbara Gottwald kämpfte für den Erhalt. Sie schaltete sogar das Gesundheitsamt ein. Dessen Vertreter appellierten ebenfalls für den weiteren Bestand. „Danach war das Vorhaben gestorben“, sagt die Ostritzerin. Auch wenn sie sich immer mal wieder darüber ärgerte, dass die Stadt nichts gegen den Investitionsstau in der Halle unternahm, das Verhältnis zur Verwaltung sei in den 13 Jahren stets sehr gut gewesen, betont Barbara Gottwald. Für ihren engagierten Einsatz wurde sie im Vorjahr von der Stadt ausgezeichnet. „Das war für mich schon eine Überraschung“, sagt die 64-Jährige rückblickend.

Keine leichte Tätigkeit

Eine Bekannte hatte ihr Mitte der 90er Jahre hatte die Tätigkeit in der Trauerfeierhalle vermittelt. Sie selbst war damals 52 Jahre alt und seit drei Jahren ohne Job. Dafür kannte sie sich mit Trauerfällen aus. „Ich war ja 16 Jahre beim Rat der Stadt im Standesamt tätig“, erzählt Barbara Gottwald. Die Arbeit lag ihr deshalb. Auch wenn sie nicht immer leicht war. Ihr erster Trauerfall 1996 war ein 14-jähriges Mädchen aus Feldleuba, das bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. „Das ist nicht leicht, wenn man selber Kinder hat.“

Überhaupt habe sie fast alle Verstorbenen persönlich gekannt – sei es nun durch die Arbeit bei der Stadt oder ab 1986 bei der Gebäudewirtschaft und später bei der Post. „Ohne die Hilfe meine Mannes hätte ich das nicht geschafft.“ Zu Hause fand sie stets ein offenes Ohr, wenn ihr die Trauerfeiern sehr nah gegangen waren. Mit ihrem Einstieg in der Trauerfeierhalle veränderte sich einiges. Sie besorgte sich beispielsweise einen CD-Spieler oder etablierte neue Veranstaltungen. Seit 2002 finden am Totensonntag Gedächtnisfeiern für die Verstorbenen statt.