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Schwerer Schlag gegen den Autoklau

Polnische und deutsche Polizisten haben ein Diebeslager in Lubin ausgehoben. Sie fanden Beute in Millionenwert.

Von Ralph Schermann und Klaus-Peter Längert

Im polnischen Lubin (Lüben), einer 75 000-Einwohner-Stadt rund 70 Kilometer östlich von Görlitz, haben polnische und deutsche Fahnder in einer eng abgestimmten Aktion einen Schlag gegen die Grenzkriminalität gelandet. Fast zeitgleich hoben sie Hehlerlager und Zerlegebetriebe des Fahrzeugdiebstahls aus, stellten 34 Autos sicher und beschlagnahmten weit über tausend zerlegte, teils bereits verpackte, ausgeschlachtete Fahrzeugteile. „Wegen Hehlerei wurde ein 42 Jahre alter Tatverdächtiger festgenommen“, sagte Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz. Von hier aus waren die Sonderkommission Kfz und die Fahndungsgruppe Neiße mit insgesamt 70 Beamten an der Aktion beteiligt.

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Der Fall begann mit Hinweisen auf den jetzt festgenommenen Polen. Nach Überwachungen und internen Ermittlungen verdichtete sich der Tatverdacht, der letztlich durch Untersuchung von fünf Grundstücken in und um Lubin bestätigt werden konnte. Bei den dabei gefundenen Fahrzeugen handelt es sich größtenteils um hochwertige Limousinen sowie auch Kleintransporter. Ersten Durchsichten der Fahndungslisten zufolge wurden die meisten dieser Wagen in den Bundesländern Bayern und Brandenburg, aber auch in Österreich und Polen gestohlen. Die Frage, ob Autos aus Sachsen, vielleicht sogar aus dem Görlitzer Raum darunter sind, konnte noch nicht beantwortet werden. Fakt aber ist, dass sich die Fahrzeugdiebe auf die Marken Audi und Mercedes spezialisiert hatten.

Während bisher vor allem die VW-Gruppe, teils auch Mazda, die Diebstahlslisten anführt, hat der Fahndungserfolg von Lubin damit sowohl eine andere Dimension als auch ein anderes Tatprofil. Bisher war es überwiegend so, dass die sehr hochwertigen Modelle ziemlich schnell weiter östlich verbracht wurden. Ob das vorgesehen war und ob dafür auch die in üppiger Breite aufgefundenen Einzelteile stehen, müssen die weiteren Ermittlungen zeigen. Diese vielen, ordentlich mit Folie ummantelten Teile, fanden die Polizisten im Wohnhaus des Festgenommenen. Der 42-Jährige hatte damit bis unter den Dachboden jeden verfügbaren Platz ausgefüllt und fühlte sich dabei offenbar sehr sicher.

Das auf ihn nun zukommende Verfahren dürfte auch hinsichtlich des Wertes aufhorchen lassen. Die Gemeinsame Fahndungsgruppe Neiße sprach nach ersten Schätzungen von festgestellten Fahrzeugteilepreisen von einer, vielleicht sogar mehreren Millionen Euro.

Weitere Ersatzteile von in Deutschland gestohlenen Audis wurden in vier sogenannten Ausschlachthöhlen entdeckt. Dort stießen die Beamten auch auf Motoren und Schaltgetriebe, bei denen die Fabrikationsnummern bereits entfernt waren. Zudem wurden mehr als 70 Zündschlüssel von Audis und VWs sowie rund 40 000 Zloty und 4 000 Euro Bargeld sichergestellt. Laut Polizei wird auch gegen weitere Tatverdächtige ermittelt. Der Festgenommene soll der Chef einer Bande gewesen sein.

„Diesen Schlag gegen eine internationale Autobande verdanken wir der guten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU). Deshalb wünsche er sich auch mit Tschechien einen neuen Polizeivertrag.